TENHI – Saivo

 
Label: Prophecy Productions
Release: 02.12.2011
Von: Dajana
Punkte: 9/10
Time: 70:04
Stil: Neofolk
URL: Tenhi
 
TENHI haben sich wieder Zeit gelassen, viel Zeit. Fünf lange Jahre haben sie dieses Mal am nunmehr fünften Meisterwerk namens Saivo gewerkelt und gefeilt.
Und dennoch gibt es keine bahnbrechenden Veränderungen. Vielmehr knüpfen TENHI mit dem Eröffnungsstück Saivon Kimallus zunächst nahtlos an Maaäet an, welches Piano-dominiert, ansonsten spartanisch instrumentiert aber atmosphärisch dicht und unglaublich schön ist. Das folgende Pojan Kiiski markiert dann einen unverhofften Wendepunkt in der Musik von TENHI, denn dieser Track ist vergleichsweise reichhaltig instrumentiert, hat einen richtigen Songaufbau mit einer Lead- und Rhythmus Fraktion, sowie einem Schlagzeug. Dazu der Gesang von Tyko Saarikko, Chöre im Hintergrund und eine akzentuierende Violine. Diese Fülle ist… ungewohnt, aber nichtsdestotrotz ebenso unter die Haut gehend. Bei den nachfolgenden Tracks halten sich Purismus und instrumentale Vielseitigkeit mal mehr, mal weniger die Waage. Allerdings komme ich nicht umhin zu bemerken, das jene Songs so von Schönklang, Harmonie und Perfektionismus vollgesogen sind, dass sie fast keinen tieferen Eindruck mehr hinterlassen. Wie Spuren im Schnee, die der Winterwind schnell wieder verweht…
Erst Surunuotta bezaubert wieder durch eine fragile und eindringliche Melodie, lenkt die Aufmerksamkeit zurück auf Band und Album. Mit dem folgenden großartigen Savoie und meinem persönlichen Favoriten, dem hypnotisierend rhythmischen Vuoksi findet Saivo seinen Höhepunkt. Und da wäre natürlich auch noch das grandiose Finale Siniset Runot mit seinem 2-minütigen Zwischenpart, bei dem man versucht das Türchen in jene Anderswelt ein Stückchen zu öffnen, hineinzulauschen und einen Blick zu erhaschen. Einfach fantastisch.
Diese Anderswelt… ist auch eine Neuerung, denn TENHI geben sich dieses Mal nicht der Natur hin, Saivo bezeichnet und beschreibt musikalisch eines der Totenreiche in den Legenden der Sami, welche sich unter doppelbödigen Seen befindet und in denen die Verstorben genauso leben, wie auf Erden, nur eben mit den bereits Verblichenen. In der Norwegischen Sage gibt es die Saivo-Welt übrigens auch, allerdings befindet sie sich dort in den Bergen.
Ein ebenfalls wiederkehrendes Highlight auf Saivo ist die Violine, die mich ein ums andere Mal an den wehmütigen Klang der asiatischen Erhu erinnert. Pure Melancholie.
Das fünfte Album der Finnen ist einmal mehr ein Meisterwerk, vertonte Poesie und neben Sólstafir’s Svatir Sander DAS musikalische Highlight in 2011!