TENHI
haben sich wieder Zeit gelassen, viel Zeit. Fünf lange
Jahre haben sie dieses Mal am nunmehr fünften Meisterwerk
namens Saivo gewerkelt und gefeilt.
Und dennoch gibt es keine bahnbrechenden Veränderungen.
Vielmehr knüpfen TENHI mit dem Eröffnungsstück
Saivon Kimallus zunächst nahtlos an Maaäet
an, welches Piano-dominiert, ansonsten spartanisch instrumentiert
aber atmosphärisch dicht und unglaublich schön ist.
Das folgende Pojan Kiiski markiert dann einen unverhofften
Wendepunkt in der Musik von TENHI, denn dieser Track
ist vergleichsweise reichhaltig instrumentiert, hat einen richtigen
Songaufbau mit einer Lead- und Rhythmus Fraktion, sowie einem
Schlagzeug. Dazu der Gesang von Tyko Saarikko, Chöre im
Hintergrund und eine akzentuierende Violine. Diese Fülle
ist… ungewohnt, aber nichtsdestotrotz ebenso unter die
Haut gehend. Bei den nachfolgenden Tracks halten sich Purismus
und instrumentale Vielseitigkeit mal mehr, mal weniger die Waage.
Allerdings komme ich nicht umhin zu bemerken, das jene Songs
so von Schönklang, Harmonie und Perfektionismus vollgesogen
sind, dass sie fast keinen tieferen Eindruck mehr hinterlassen.
Wie Spuren im Schnee, die der Winterwind schnell wieder verweht…
Erst Surunuotta bezaubert wieder durch eine fragile und
eindringliche Melodie, lenkt die Aufmerksamkeit zurück
auf Band und Album. Mit dem folgenden großartigen Savoie
und meinem persönlichen Favoriten, dem hypnotisierend rhythmischen
Vuoksi findet Saivo seinen Höhepunkt.
Und da wäre natürlich auch noch das grandiose Finale
Siniset Runot mit seinem 2-minütigen Zwischenpart,
bei dem man versucht das Türchen in jene Anderswelt ein
Stückchen zu öffnen, hineinzulauschen und einen Blick
zu erhaschen. Einfach fantastisch.
Diese Anderswelt… ist auch eine Neuerung, denn TENHI
geben sich dieses Mal nicht der Natur hin, Saivo
bezeichnet und beschreibt musikalisch eines der Totenreiche
in den Legenden der Sami, welche sich unter doppelbödigen
Seen befindet und in denen die Verstorben genauso leben, wie
auf Erden, nur eben mit den bereits Verblichenen. In der Norwegischen
Sage gibt es die Saivo-Welt übrigens auch,
allerdings befindet sie sich dort in den Bergen.
Ein ebenfalls wiederkehrendes Highlight auf Saivo
ist die Violine, die mich ein ums andere Mal an den wehmütigen
Klang der asiatischen Erhu erinnert. Pure Melancholie.
Das fünfte Album der Finnen ist einmal mehr ein Meisterwerk,
vertonte Poesie und neben Sólstafir’s Svatir Sander
DAS musikalische Highlight in 2011!