THE SIXTH INCUBATOR - Live-Reincarnation-Ground-Zero

Eigenproduktion

Release: 2002

Von: Calani

Punkte: 6,5

Bei den meisten von euch dürfte es bei dem Namen INCUBATOR klingeln, sind doch die Nordlichter so was wie eine deutsche Doom/Death Metal Legende. Man erinnere sich nur an grandiose Alben wie Sympfonies Of Spiritial Cannibalism ('91) und MC Gillroy The Housfly ('92). Allerdings muss man hier nun ein paar Details auseinander klamüsern, um beiden Fronten gerecht zu werden.

Bei THE SIXTH INCUBATOR handelt es sich um die neue Band des ehemaligen INCUBATOR Sängers Chris Mummelthey, welche er zusammen mit Stefan Schunke nach Verlassen der Band auf die Beine gestellt hat. Live-Reincarnation-Ground-Zero ist das dazugehörige, in Eigenproduktion erstellte Debüt Album mit Live Flair. "Es war an der Zeit, die Fäden selber in die Hand zu nehmen, neu anzufangen und alte Fans zurückzugewinnen." ... so ein Zitat von Chris aus dem Info. Warum er allerdings einen Bandnamen so dicht am "Original" gewählt hat, ist mir schleierhaft. Denn seine Stimme ist so markant, das die meisten sie eh kennen und er keine Angst um seine Trademarks haben müsste. In Anbetracht der gespannten Lage zwischen Chris und seinen ehemaligen Bandkollegen wäre es auch fairer gewesen. Schließlich gibt es INCUBATOR noch, die sogar an einem neuen Album arbeiten. Dieser Bandname stiftet zunächst reichlich Verwirrung und verursacht Missverständnisse, allerdings muss man sich nun auf diese Weise sehr genau mit beiden Bands auseinandersetzen, will man nicht in oberflächliches Geschwafel abdriften.

Kommen wir aber nun zu den musikalischen Aspekten von THE SIXTH INCUBATOR. Da ich in den Infos nichts finden konnte, wo, wann und bei welcher Gelegenheit diese Platte live aufgenommen wurde, gehe ich mal davon aus, dass das obengenannte "Live Flair" im Studio entstanden ist. Musikalisch beschreitet man nach wie vor die Death Metal Roots, allerdings mit diversen Einflüssen, welche dem Album einige interessante Wendungen verleihen.
Schleppend langsame und brachiale Death Metal Gitarren (kein Doom!), mit nackenbrechenden Riffs werden mit industrialmäßigen Samples, Grindcore Elementen und diversen sphärischen Keyboardlines angereichert. Abgedrehte Solos, manchmal kalte Schreddergitarren und sogar 'ne Mundharmonika bei Western-Puss'N'Roll, mit einer Stimme, die wohl eher an Lemmy erinnert. Dazu Chris' markante Stimme, der sich die Seele aus dem Leib grunzt und schreit.
Ich geh mal davon aus, das der elektronisch defomierte Gesang, die spoken words und cleanen Parts von Stefan stammen ( ähm ja ... nach Rückfrage stellte sich heraus, das auch dieser Gesang aus Chris' unergründlichen oralen Tiefen stammt - Cal). Aus dem Booklet lässt sich leider überhaupt nicht entnehmen, wer für welche Instrumentierungen verantwortlich zeichnet. Es gibt übrigens auch keine Lyrics.
Die Produktion ist eine ziemlich Wucht, klar und differenziert. Harte Beats verführen manchmal eher zum tanzen, denn zum bangen. Die Liveeinspielungen in Kombination mit dem Sound sind recht authentisch und vermitteln entsprechendes Feeling. Ist es nun wirklich Live oder nicht? (ist es nicht :-P - Cal)

Grundsätzlich gefällt mir diese Mischung recht gut. Die Songs sind abwechslungsreich und die verwendeten Samples sind in ihrer musikalischen Ausrichtung breit gefächert. Von free-jazzigen Anleihen, über Westernromantik, bis hin zu kaltem Industrial und verspielten Ambiance, sowie düster wabernden Soundfragmenten, ist alles dabei. Allerdings ist für meinen Geschmack der Gesang manchmal zu sehr im Vordergrund und erdrückt den Rest der Musik. Der Drumcomputer klingt recht steril. Die einzelnen Elemente der Musik sind für sich gesehen ziemlich geil, passen aber manchmal nicht zum Rest. Will meinen, Live-Reincarnation-Ground-Zero klingt hin und wieder unausgegoren.

Fazit: Mit (echtem) Drummer, Bassist und 2 Gitarren plus Keyboarder und einer Verfeinerung des Stils sollte THE SIXTH INCUBATOR nix mehr im Wege stehen, sich einen eigenen Platz in der Death Metal Szene zu erspielen. Dieses Album ist auf jeden Fall ein beachtenswerter Anfang!
Anspieltipps: Burn; Dance-Gore; Weihnachten

The Sixth Incubator