VARIOUS ARTISTS – My Own Wolf: A New Approach To Ulver

 
Label: Cold Dimensions
Release: 28.07.2008
Von: Haris
Punkte: -/-
Time: 2:36:13
Stil: mixed styles
URL: ---
 
Eine klasse Idee, ULVER, einer der herausragendsten Bands der Neuzeit, in Form dieses fein aufgemachten Coveralbums Tribut zu zollen. Bereits im Jahre 2003 haben einige namhafte Musiker der Elektro-Szene dem norwegischen Wolfsrudel die Ehre erwiesen und einige feine Remixe für 1993-2003: 1st Decade In The Machines anlässlich des zehnjährigen Bandjubiläums angefertigt. Gott sei Dank haben Bogdan Raczynski, Martin Horntveth oder The Third Eye Foundation nicht im Traum daran gedacht, Garms vokale Meisterleistungen neu einzusingen bzw. von jemand anderem einsingen zu lassen. Schließlich ist der Sänger mit seiner unnachahmlichen Stimme das Aushängeschild von ULVER und jeder Versuch, gegen das elfte Gebot zu verstoßen und seine Vocals neu zu interpretieren, soll, so Gott will, mit ewigen Höllenqualen bestraft werden.
Auf My Own Wolf: A New Approach To Ulver trifft man einige dieser Kandidaten, die sich auf dem besten Wege zum Belzebub befinden. Ganz böse Fauxpas sind da sicherlich ASHTAR (The Marriage Of Heaven & Hell Medleys spindeldürrer Elfengesang) und YEAR ZERO (Nowhere/Catastrophe), die sich im stimmlichen Bereich äußerst schwachbrüstig, ideen- und leidenschaftslos präsentieren. Der Opener von CD 1 Lost In Moments (UNFURL) bildet da keine Ausnahme, kann aber mit einer gotisch metallischen Schlagseite überzeugen. Ganz interessant sind dabei die Gitarrenleads, welche die ausgeflippten Saxophonsoli bei weitem nicht so filigran, aber dafür technisch kompetent und gefühlvoll umsetzen.
Stilistisch gibt’s auf dem Coveralbum von hektischem, Industrial/EBM-lastigem Gothic (Graablick Blew Hun Vaer von FB[FoRce]), primitiv gebolztem Black Metal (z.B. Wolf And Hatred von ASMODÉE) über langsamsten, verstörenden Doom Death Metal (BOSQUE mit ihrer halbgaren Version von Utreise inklusive herrlich verstimmter Gitarren) bis hin zu sehr experimentellem und äußerst langatmigen Ambient-lastigen Interpretationen eine relativ weite Bandbreite. Langeweile kommt daher angesichts dieses Genre-Cocktails selten auf. Mir reicht Kurzweile aber nicht aus. Die Meßlatte der Originale ist nun mal so hoch gesteckt, dass man sich ganz schnell die Finger verbrennen kann, egal, ob man versucht, auf Nummer sicher zu gehen und sich nahe am Original hält oder ob man es wagt, aus der Vorlage etwas völlig eigenes zu schaffen.
Dennoch möchte ich einige durchaus gelungene Versionen hervorheben. AVATHAR haben aus Utreise einen groovenden Pagan Metal Song gezaubert. Genauso hörenswert sind die herrlich rumpelnde Doom Version von Not Saved (FLUORYNE) oder die äußerst atmosphärische, beängstigend wirkende Ambient-Version von Eitttlane (AIDAN BAKER).
Alles in allem ist My Own Wolf: A New Approach To Ulver ein äußerst buntes Tribut-Album. Das Label hätte jedoch durchaus selektiver bei der Bandwahl vorgehen dürfen: eine Scheibe hätte vollkommen ausgereicht, um ULVERs zahlreiche Stationen und ihr Schaffen flächendeckend zu repräsentieren. Unnötiger Ballast wäre uns dadurch erspart geblieben.