SUIDAKRA – Darkanakrad
 
Label: MDD Records
Release: 07.11.2024
Von: Seb
Punkte: 8.5/10
Time: 49:48
Stil: Melodic Death/Black Metal
URL: Suidakra
 

Ein ungewöhnlicher Vorname hat zwar so seine Nachteile (z.B. muss man deutlicher häufiger buchstabieren als der Durchschnitt), andererseits jedoch kann er bei der Suche für einen Bandnamen von Vorteil sein: So kann er, leicht abgewandelt oder wie hier einfach umgedreht, direkt als Name dienen. Und es würde wohl niemand abstreiten, dass SUIDAKRA ganz eindeutig "nach Metal klingt"! Nach nunmehr (die Zeit unter dem ursprünglichen Namen „Gloryfication“ mitgerechnet) glatten drei Jahrzehnten ist beim Düsseldorfer Quartett außer Frontmann Arkadius Antonik kein anderes Gründungsmitglied mehr aktiv, im Laufe der Jahre gab es ganze 12 Besetzungswechsel bis zuletzt 2022 Bassist Oje neu ins Boot geholt wurde und die Band seither wieder stabil besetzt ist.

Mir sind SUIDAKRA insbesondere von Ende der 1990er und Anfang der 2000er Jahre ein Begriff, wo sie sich direkt von Beginn an in der lokalen und später regionalen Szene einen Namen gemacht hatten. Direkt auf dem ersten Album konnten sie mit Warpipes Call Me bereits einen kleinen Underground-Hit landen, der auf vielen Pagan- und/oder Folk-Metal Partys der Zeit eine feste Größe auf der Playlist war. Ich weiß nicht woran genau es liegt (sicher ist, dass ich berufsbedingt ab 2007 weit seltener auf lokalen Underground-Konzerten und -Festivals war als zuvor), aber mit den Jahren hatte ich die Band fast vollständig aus den Augen verloren.

Nur durch Zufall habe ich Darkanakrad in der Promo-Liste gesehen und mir gedacht, doch einfach aus Nostalgie-Gründen darüber zu schreiben: nicht ahnend, dass sich inzwischen ein Back-Katalog von (das aktuelle mitgerechnet) sage und schreibe 16 Longplayern und einigen weiteren EPs und Singles angesammelt hatte, die zumindest zu Vergleichszwecken an-gehört werden wollten. Mit der daraus resultierenden Meinung, dass SUIDAKRA zwischen 2013 und 2020 ein (möglicherweise den vielen Besetzungs-Wechseln geschuldetes) Tief durchgemacht haben und eine ganze Reihe nach eigenem Anspruch eher schwächerer Alben herausgebracht haben, bin ich sicher nicht alleine. Umso mehr freut es mich, dass ich mit Darkanakrad offenbar zum richtigen Zeitpunkt wieder auf SUIDAKRA aufmerksam wurde, denn dieses Album ist richtig gut geraten. Die Band geht stilistisch wieder zu ihren Wurzeln zurück, ohne jedoch dabei jemals altbacken zu klingen. Die gewohnten epischen Melodien und zahlreichen Folk-Einflüsse werden geschickt mit (zwischendurch überraschend flottem) Melodic Death Metal sowie hier und da einer Prise Schwarzmetall verwoben und schaffen dabei jederzeit den Balance-Akt, nicht zu „soft“ zu werden. Eingeleitet und durchbrochen von sehr atmosphärischen Instrumentals bietet Darkanakrad acht ziemlich abwechslungsreiche Stücke, die alle Facetten aus den dreißig Jahren Bandgeschichte widerspiegeln. Hervorzuheben sind dabei meiner Meinung nach mit The Heart Of Darkness und Cruinnath’s Breath zwei der härter geratenen Nummern, sowie als komplettes Gegenstück der nachdenkliche, ganz ohne harte Klänge auskommende „Quasi-Ausklang“ In Shadows Deep. Lediglich den (insbesondere in der ersten Albumhälfte verstärkt eingesetzten) Klargesang hätten sich SUIDAKRA wegen mir gern sparen können, das ist aber überwiegend persönliche Präferenz und hat keinen Album-spezifischen Grund.
Als kleines Schmankerl schließt Darkanakrad in Form eines Medleys diverser At The Gates-Klassiker mit einer kleinen Verneigung vor einer Band, die unüberhörbar einigen Einfluss auf den Stil von SUIDAKRA hatte, ab.

Jedem alten SUIDAKRA-Fan kann ich das Album uneingeschränkt empfehlen, und auch sonst sollte jeder Liebhaber melodischen Death Metals ein Ohr riskieren. Ich hoffe, dass die Band den mit Darkanakrad eingeschlagenen Weg mit Fokus auf bewährte Stärken beibehält und mindestens noch Dekade Nummer vier (ohne weitere Besetzungs-Probleme) vollgemacht wird.