STURMGEIST – Manifesto Futurista

 
Label: Inhuman Music
Release: 20.04.2009
Von: Bulletrider
Punkte: 10/10
Time: 38:30
Stil: Black Metal
URL: Sturmgeist
 
Nach einiger Zeit des Pausierens legt Solefalds Cornelius von Jackhelln mit Manifesto Futurista endlich das dritte STURMGEIST Album vor. Allen, die mit der Kombination von Black Metal und stampfenden Elektroparts der beiden (meiner Meinung nach im Falle des Erstlings Meister Mephisto besonders gut) gelungenen Vorgänger nicht viel anfangen konnten, sei an dieser Stelle ein neuer Hörversuch ans Herz gelegt. Manifesto Futurista ist musikalisch gesehen eine deutlich andere Baustelle. Cornelius bzw. STURMGEIST greifen hier die avantgardistische Kunstbewegung des Futurismus auf und getreu des Auszugs „Ein Werk ohne aggressiven Charakter kann kein Meisterwerk sein“ aus dem ursprünglichen Manifests, wird hier ein pechschwarzer, finsterer und von Wut und Umwälzung befeuerter Brocken lupenreinen Black Metals geboten, gänzlich ohne die früheren Elektroeinflüsse.
Manifesto Futurista bietet auf beeindruckend hohem Niveau eine Fülle brillanter Black Metal Songs, die den Hörer mit solch einer Intensität packen und, bedingt durch die spürbare Leidenschaft, den Hass, die Wut und den daraus resultierenden Drang nach Revolution und Erneuerung nahezu greifbar machen und so zum „Ursprung“ des Black Metals, der Rebellion, fernab von Satan-Klischees in reinster Form zurückkehren.
STURMGEIST toben sich auf den Songs ihres Manifestos Futurista durch diverse Spielarten, hauptächlich nordischen Black Metals, und treten das Gaspedal dabei zwar deftigst, aber nicht immer bis zum Anschlag, durch. Qualitative Ausfälle sind meiner Meinung nach nicht vorhanden, aber dennoch stechen einige Songs besonders hervor. So sind bspw. der thrashige Opener Monolith und der wütende Titeltrack Manifesto Futurista absolute Nackenbrecher, die über höchst eingängige und mitkreischbare Refrains verfügen und sich direkt im Gehör festsetzen. Nicht minder genial brechen das zäh schleppende und zugleich wuchtige Let Us Be The Suns Of Our Time und das fast schon als rockig zu bezeichnend beginnende The Siegfried Order (meiner Ansicht nach das Highlight dieser Scheibe) über den Hörer herein. Fantastisch! Eine Atempause bekommt man bei STURMGEISTs Manifesto Futurista nur selten, dafür dann aber umso genialer. So ist Ritorno Glorioso ein kleines Meisterwerk an bombastischer Neo-Klassik, während Elegie D’Une Modernite Meurtriere durch eine langsamere Gangart und eine sich bedrohliche aufbauende Stimmung, in die sich die hier vorhandenen cleanen Vocals hervorragend einfügen, überzeugen kann.
Für mich ist Manifesto Futurista wirklich eines der besten und intensivsten Black Metal Alben, die ich je gehört habe und ist definitiv ein Album, an dem sich von nun an eine Menge Bands werden messen lassen müssen. Zusammen mit der philosophischen Aussagekraft ein wahrhaftiges Manifest!
Abschließend muss hier zwingend noch ein weiterer Auszug aus dem originalen Futuristischen Manifest zitiert werden, da er die Stimmung dieses Albums wirklich perfekt einfängt:
„…besingen werden wir die vielfarbige, vielstimmige Flut der Revolution in den modernen Hauptstädten; besingen werden wir die nächtliche, vibrierende Glut der Arsenale und Werften, die von grellen elektrischen Monden erleuchtet werden; die gefräßigen Bahnhöfe, die rauchende Schlangen verzehren; die Fabriken, die mit ihren sich hochwindenden Rauchfäden an den Wolken hängen; die Brücken, die wie gigantische Athleten Flüsse überspannen, die in der Sonne wie Messer aufblitzen;…“