Nach
einiger Zeit des Pausierens legt Solefalds Cornelius von Jackhelln
mit Manifesto Futurista endlich das dritte STURMGEIST
Album vor. Allen, die mit der Kombination von Black Metal und
stampfenden Elektroparts der beiden (meiner Meinung nach im
Falle des Erstlings Meister Mephisto besonders
gut) gelungenen Vorgänger nicht viel anfangen konnten,
sei an dieser Stelle ein neuer Hörversuch ans Herz gelegt.
Manifesto Futurista ist musikalisch gesehen eine
deutlich andere Baustelle. Cornelius bzw. STURMGEIST
greifen hier die avantgardistische Kunstbewegung des Futurismus
auf und getreu des Auszugs „Ein Werk ohne aggressiven
Charakter kann kein Meisterwerk sein“ aus dem ursprünglichen
Manifests, wird hier ein pechschwarzer, finsterer und von Wut
und Umwälzung befeuerter Brocken lupenreinen Black Metals
geboten, gänzlich ohne die früheren Elektroeinflüsse.
Manifesto Futurista bietet auf beeindruckend hohem
Niveau eine Fülle brillanter Black Metal Songs, die den
Hörer mit solch einer Intensität packen und, bedingt
durch die spürbare Leidenschaft, den Hass, die Wut und
den daraus resultierenden Drang nach Revolution und Erneuerung
nahezu greifbar machen und so zum „Ursprung“ des
Black Metals, der Rebellion, fernab von Satan-Klischees in reinster
Form zurückkehren.
STURMGEIST toben sich auf den Songs ihres Manifestos
Futurista durch diverse Spielarten, hauptächlich
nordischen Black Metals, und treten das Gaspedal dabei zwar
deftigst, aber nicht immer bis zum Anschlag, durch. Qualitative
Ausfälle sind meiner Meinung nach nicht vorhanden, aber
dennoch stechen einige Songs besonders hervor. So sind bspw.
der thrashige Opener Monolith und der wütende Titeltrack
Manifesto Futurista absolute Nackenbrecher, die über
höchst eingängige und mitkreischbare Refrains verfügen
und sich direkt im Gehör festsetzen. Nicht minder genial
brechen das zäh schleppende und zugleich wuchtige Let
Us Be The Suns Of Our Time und das fast schon als rockig
zu bezeichnend beginnende The Siegfried Order (meiner
Ansicht nach das Highlight dieser Scheibe) über den Hörer
herein. Fantastisch! Eine Atempause bekommt man bei STURMGEISTs
Manifesto Futurista nur selten, dafür dann
aber umso genialer. So ist Ritorno Glorioso ein kleines
Meisterwerk an bombastischer Neo-Klassik, während Elegie
D’Une Modernite Meurtriere durch eine langsamere Gangart
und eine sich bedrohliche aufbauende Stimmung, in die sich die
hier vorhandenen cleanen Vocals hervorragend einfügen,
überzeugen kann.
Für mich ist Manifesto Futurista wirklich
eines der besten und intensivsten Black Metal Alben, die ich
je gehört habe und ist definitiv ein Album, an dem sich
von nun an eine Menge Bands werden messen lassen müssen.
Zusammen mit der philosophischen Aussagekraft ein wahrhaftiges
Manifest!
Abschließend muss hier zwingend noch ein weiterer Auszug
aus dem originalen Futuristischen Manifest zitiert werden, da
er die Stimmung dieses Albums wirklich perfekt einfängt:
„…besingen werden wir die vielfarbige, vielstimmige
Flut der Revolution in den modernen Hauptstädten; besingen
werden wir die nächtliche, vibrierende Glut der Arsenale
und Werften, die von grellen elektrischen Monden erleuchtet
werden; die gefräßigen Bahnhöfe, die rauchende
Schlangen verzehren; die Fabriken, die mit ihren sich hochwindenden
Rauchfäden an den Wolken hängen; die Brücken,
die wie gigantische Athleten Flüsse überspannen, die
in der Sonne wie Messer aufblitzen;…“