SODOM – Sodom

 
Label: Steamhammer/SPV
Release: 21.04.2006
Von: Gunnar
Punkte: 8/10
Time: 43:08
Stil: Thrash Metal
URL: Sodom
 

So, da haben wir also ausgerechnet beim selbstbetitelten Jubiläumsalbum (25 Jahre SODOM gibt’s zu feiern) eins der bisher ungewöhnlichsten, nein: DAS bisher ungewöhnlichste Erzeugnis von Angelripper & Co. Durchaus gewagt. Denn vielen alten Fans – zu denen auch ich mich zähle - könnte und wird Sodom einiges an Kopfzerbrechen bereiten. Ich gebe es auch ganz unumwunden zu: Nach dem ersten Hören war ich einigermaßen überrascht, und zwar nicht gerade im positiven Sinn. Auch jetzt noch, beim sechsten Durchlauf, habe ich so meine Probleme mit der Scheibe, die zwar sehr hörenswert, aber eben teilweise auch sehr SODOM-untypisch ist. Der fette Thrash, den man auf den letzten beiden Alben wieder zelebriert hat, ist immer noch da, ist aber mit allerlei Zutaten gespickt worden, von denen man nicht unbedingt alle mögen muss. Eins ist aber klar: Das Album verdient es, dass man sich genauer mit ihm auseinandersetzt. Schon die akustische Einleitung deutet an, dass auf den SODOM-Hörer etwas Ungewöhnliches zukommt, und bereits das erste Stück Blood On Your Lips ist abwechslungsreicher als das meiste, was man bisher von der Band kennt. Trotz teilweise brachialer Härte fällt der hohe Melodieanteil auf, der das Album auch im weiteren Verlauf prägt. Der Mittelteil der Nummer ist äußerst gewöhnungsbedürftig. Jedenfalls mutig, dass man das Stück an den Anfang gestellt hat. Bei Wanted Dead wird die Sache dann noch deutlich schneller und heftiger, und noch stärker erinnern die langgezogenen Schreie im Strophenteil an Slayer in den 90er Jahren. Überhaupt: Angelripper schreit mehr denn je, das Grunzen ist dagegen leider fast völlig verschwunden – eine Neuerung, die nicht ganz meinen Geschmack trifft, ebenso wenig wie die Gesangs- und sonstigen Effekte, die hier in einem gewissen Maß Einzug gehalten haben. Buried In The Justice Ground ist die SODOM-Variante einer klassischen Heavy Metal – Hymne, wobei hier mit einem Refrain aufgewartet wird, der einerseits eingängig, andererseits durch seine Vielschichtigkeit auch wieder irgendwie sperrig ist. Klingt seltsam, oder? Anhören! Danach wird das Tempo wieder deutlich angezogen, trotzdem behält City Of God neben thrashigen Passagen auch den Melodiefaktor bei. Vor allem bei der Leadarbeit ist letzterer auf Sodom wirklich erstaunlich, da Herr Angelripper sich gegen melodische Soli ja früher vehement gesträubt und den Gitarristen Bernemann bisher immer von solchen abgehalten hat. Musikalisch etwas weniger spektakulär sind das harte, schnelle Bibles & Guns und das langsamere Axis Of Evil ausgefallen, sieht man vom gesprochenen Mittelteil bei letzterem ab. Aufgrund der Titel (Texte liegen mir leider keine vor) vermute ich aber, dass hier die politischen und gesellschaftlichen Auswüchse in den USA ihr verdientes Fett abkriegen. Gut so, vor allem nach dem – ganz egal wie es vielleicht (nicht) gemeint war – leicht verantwortungslosen „Tötet Osama Bin Laden“ – Gebrabbel, das Angelripper 2002 auf etlichen Konzerten von sich gegeben hat. Weiter geht es mit Lords Of Depravity, einer Nummer, die auch auf Tapping The Vein, Code Red oder M-16 stehen hätte können und damit wohl das „herkömmlichste“ hier vertretene Stück ist. Apropos M-16: Ich bin nach wie vor der Ansicht, dass dieses Album die packenderen Hits aufweist, als der vorliegende Nachfolger. Okay, was hätten wir da noch? Da wäre einmal das gutklassige, ausgewogene, zwischen Thrash und Melodie hin und her pendelnde No Captures, dem mit Lay Down The Law eine tolle Komposition folgt, die Melodie, Groove, Abwechslung und Eingängigkeit ebenso wie traditionelles und neues vereinigt – sehr empfehlenswert. Der Punk-Thrash regiert dann bei dem schnellen, einfachen, aber irgendwie doch auch im neuen Stil gehaltenen Nothing To Regret, bevor die schon vom Live-Album One Night In Bangkok bekannteThe Enemy Inside Nummer den Abschluss bildet, welche nochmal alle Elemente dieses Albums beinhaltet. Ich mag einiges von dem, dass mir da zusätzlich zum gewohnten Thrash aufgetischt wird, nicht sonderlich. Unbestreitbar ist allerdings, dass die Dinge sehr kompetent zu wirklich gelungenen Kompositionen zusammengefügt worden sind. Obwohl sich meine konservative und puristische Thrasher-Seele dagegen sträubt, zücke ich 8 Punkte. Die Qualität des Gebotenen rechtfertigt keine niedrigere Bewertung.