Blues, Jazz,
Folk, Bluegrass, Country und Rock’n’Roll.
Ja richtig gelesen, tatsächlich handelt es sich bei STRING
CHEESE INCIDENT um eine waschechte „Roots-“
Rock Band deren Einflüsse in den späten Sechzigern
und frühen Siebzigern liegt und laut Info zu einer neuen
Generation von Jam-Rock Bands gehören soll, die in den
USA wohl große Kreise ziehen sollen. Nun ja, Jam-Rock
hört sich nach endlosen Improvisationen, Solis bis zum
geht nicht mehr und einem ganzen Haufen Drogen an, was definitiv
hier nicht der Fall ist.
SCI haben fünf Hauptsongwriter, fünf
Sänger und damit ein verdammt weites Spektrum das sie abdecken,
welches im Bereich zwischen Blues, Jazz, Folk, Bluegrass, Country
und Rock’n’Roll liegt. Man könnte jetzt annehmen,
das sich die Stücke durch die verschiedenen Sänger
sehr, sehr unterschiedlich anhören und der Platte damit
eine durchgehende Linie fehlt… FALSCH! Ein großes
Plus und die Gemeinsamkeit, die diese Platte ausmacht, liegt
in der Relaxtheit, die schon fast seinesgleichen sucht. Egal
ob man sich jetzt in einen Schaukelstuhl auf einem Hausboot
auf dem Mississippi wünscht oder den Sonnenaufgang in der
Mojavewüste anschauen möchte, jedes Spektrum wird
bedient.
Natürlich ist da alles andere als modern, einige Stücke
wirken mehr als angestaubt und ein Hauch von Woodstock’scher
Wehmut rauscht auch durch die Stücke. Aber gerade das macht
den Flair von One Step Closer aus,
die natürlich nicht partytauglich ist, aber schon mal ideal
sein könnte, den Morgen nach einer kurzen Nacht auf einem
Open-Air Festival zu begrüßen.
Warum InsideOut - mir nur bekannt als Progrock-Label - diese
Band hier vertreibt, und ob sie damit gute Verkaufszahlen landen
werden, wage ich mal zu bezweifeln. Ein ideales Publikum würde
sich sicherlich beim Glitterhouse Records Label finden, die
genau wissen wie sie diese Zielgruppe erreichen können.
In diesem Magazin glaube ich eher, das sich nicht eine einzige
jämmerliche Gestalt diese Platte anhören wird…
Wer allerdings auch mal zeitlose Musik hören und wissen
will, bei welcher Musik seine Eltern ihn/sie gezeugt haben könnten,
der liegt hier vermutlich richtig.
Ach ja, wer hier Namedropping als Orientierung braucht, dem
seien Bob Dylan, Grateful Dead, Alman Brothers und eventuell
die Spätphase der The Doors genannt.
Grandiose und überraschende Platte. 9,5 Punkte.