Fans
von vielschichtigem U.S.-Gothicsound à la Faith And The
Muse aufgepasst! Verträumt atmosphärische, auch mal
aggressivere, elektrisch ausstaffierte Gothic-Klänge liefert
das männlich/weibliche Duo PURR MACHINE
aus L. A., der Stadt der Engel, mit ihrem aktuellem Album Starry.
Die Veröffentlichung des Vorgängers Ging
Ging liegt bereits acht Jahre zurück –
eine verdammt lange Zeit im Musikbusiness. Offenbar haben
PURR MACHINE diese Zeit aber genutzt, um vielfältige
Einflüsse in ihrer Musik zu verarbeiten und eine ganze
Horde an Gastmusikern zusammenzutrommeln, zu denen unter anderem
William Faith von der bereits erwähnten Gothic-Ikone Faith
And The Muse gehört.
Starry ist ein Album, das Genrekonventionen
und Trends in herrlicher Art und Weise die Stirn bietet und
den Hörer durch eine enorme Bandbreite an Sounds und Stimmungen
herausfordert. So geht die Tendenz mal Richtung Industrialrock,
mal sind es schräge Popkompositionen, mal verträumte,
von Synthieteppichen getragene Sounds mit fast schon Heavenly-Voices-artigen
Gesangseinlagen, doch sind es fast immer die dichten Soundarrangements,
die PURR MACHINE auszeichnen. Aus dem bunten
Stilpotpourri fischt man nach mehrmaligem Hören schon so
manche kleine Perle. Aggressiv kommt der Einstieg daher: Get
Close ist ein fast schon chaotisch anmutenden Opener. Sad
I’m Gone wirkt irgendwie wie eine drogenvernebelte
Ballade, Monkey Dreams erinnert an alte Clan Of Xymox
Songs, später dann Alternativpop (Keep Me In Mind)
und der rockige Ohrwurm Everlast bis in etwa der Mitte
der Albums der meditative Titelsong eine kurze Verschnaufpause
bietet. Ungewöhnlich hart tönt anschließend
Choose Your Fire aus den Boxen; lärmende Gitarren
liefern sich hier ein Stelldichein. Die wahren Highlights kommen
allerdings erst spät. Bei The Warning konstruiert
das Duo einen tollen Spannungsbogen, was man in den restlichen
Songs etwas vermisst, zeigen sie sich teilweise arg unstrukturiert,
songwriterisch irgendwie unfertig und kommen in ihrer Strukturlosigkeit
häufig nicht auf den Punkt. Das folgende Holding Back
My Tears – eine langsame, schwermütig vernebelte
Trauersoundwalze - ist dann auch gleich das zweite Highlight.
Insgesamt schwächeln PURR MACHINE bei
so manchen Songs, so dass Starry teilweise
schon zu einer anstrengenden Erfahrung werden kann, da es etlichen
Tracks an der nötigen Struktur fehlt und die vielfältigen
Elemente und Ideen nicht zu einem abgerundeten Ganzen mit rotem
Faden verarbeitet werden. So wird hier leider etliches an vorhandenem
Potential nicht genutzt. Nichtsdestotrotz ist Starry
eine außergewöhnliche Scheibe, die sich Liebhaber
von anspruchsvollen, fordernden Gothic-Sounds unbedingt reinziehen
sollten.