PESTILENCE – Resurrection Macabre

 
Label: Mascot Records
Release: 13.03.2009
Von: Haris
Punkte: 9/10
Time: 54:35
Stil: Death Metal
URL: Pestilence
 
Mit einem weinenden Auge trauere ich auf Resurrection Macabre den wunderschön melodischen Soli, der unbändigen Spielfreude und der einzigartigen Atmosphäre von Testimony Of The Ancients (dem facettenreichsten und besten Album der Niederländer) hinterher. Jedoch wird dem geneigten Fan schnell klar, dass PESTILENCE anno 2009 auf die selbstverliebte Zurschaustellung ihrer technischen Fähigkeiten der Spheres-Phase, die der Band letztendlich durch ausbleibenden Erfolg das Genick brach, verzichten - was nicht bedeutet, dass Patrick Mameli und seine unschlagbare Hintermannschaft (neben dem bereits aus der Testimony Of The Ancients-Besetzung bekannten Bassvirtuosen Tony Choy wurde auch Darkane-Wundertrommler Peter Wildoer rekrutiert) im technischen Bereich nachgelassen hätten, eher im Gegenteil. Nur wird die Instrumentenbeherrschung stets dem Song untergeordnet. Und genau diese reife Erkenntnis fehlte den Jungs auf Spheres.
Das bereits vorab veröffentlichte Eröffnungsduo Devouring Frenzy und Horror Detox zeigt deutlich die neue Marschrichtung der Niederländer auf: Patrick entlockt seiner Gitarre Stakkato-artige, treibende Riffs, Tausendsassa Peter verzückt einmal mehr mit seiner unnachahmlichen Technik zwischen Blastbeat und schleppend groovendem Midtempo und schüttelt sich mal eben ganz locker diese verrückten Fill-Ins über sämtliche Toms und Becken aus dem Ärmel, um die ihn der Großteil der Schlagwerker beneidet (herrlich: die Band hat vor einigen Wochen ein Video der Drumaufnahmen zu Hangman auf ihre Seite geladen – ich kann Euch nicht sagen, wie oft mein Kinnladen auf die Tastatur gekracht ist...). Tja, und Tony Choy ist ein Bassist wie aus dem Lehrbuch. Er füllt jede erdenkliche freie Stelle im von Jacob Hansen mächtig druckvoll produzierten Soundwall mit klasse Bassläufen (wie in Hate Suicide, Synthetic Grotesque oder dem Titeltrack zu hören). So weit, so gut...
Zählte Patrick auf Testimony Of The Ancients noch als hervorragender Shouter, der die Texte mit Inbrunst und voller Energie einbrüllte, so hinterlässt die neue Auslegung auf Resurrection Macabre einen leicht faden Beigeschmack. Die tieferen Vocals passen gewiss zum druckvollen Sound, jedoch muss auch ich mich nach mehrmaligem Hören den Nörglern teilweise anschließen. Vergleichsweise eindimensional wirkt Patricks gesangliche Leistung und kann mit dem hohen Standard der sonstigen instrumentalen Darbietung nicht ganz mithalten. Versteht mich nicht falsch, im Vergleich zu ewig gehypten Sängern in der Death Metal Szene hört man ab dem ersten Brüller auf Devouring Frenzy, dass hier der sympathische Fronter aus den Niederlanden am Start ist und steckt andere in die Jahre gekommenen Frontmänner mit seinem brutalen Organ in die Tasche. Im internationalen Vergleich ist der Gesang auf Resurrection Macabre also nach wie vor ganz oben mit dabei – gemessen an der eigenen Diskographie jedoch nicht.
Prinzipiell ist die Idee, die eine oder andere neue Version von Klassikern der Bandgeschichte neu einzuspielen, eine gute. Dabei kamen recht interessante Interpretationen oller Kamellen wie Out Of The Body (vom Klassiker Consuming Impulse aus dem Jahr 1989) mit einigen kleinen, feinen Änderungen (vor allem im Schlagzeugbereich) oder Chemo Therapy (vom Debütalbum Malleus Maleficarum aus dem Jahr 1988) heraus. Lediglich Lost Souls (Testimony Of The Ancients aus dem Jahr 1991) fällt hier aus dem Rahmen. Der morbide Charme des Originals fiel Patrick Mamelis neu entdeckter Vorliebe für griffiges Riffing zum Opfer und somit muss man auf die klasse Melodieführung im Strophenteil verzichten. Zudem wurde hier das Tempo des Grooves zuliebe heruntergeschraubt. Von den drei Bonustracks der einzige Ausreißer nach unten.
Bleibt festzuhalten, dass es PESTILENCE mit Resurrection Macabre geschafft haben, einen bitterbösen und aggressiven Bastard rauszuhauen, der trotz erwähnter Schwachpunkte das Prädikat „Album des Monats“ verdient hat und für mich neun fette Punkte wert ist.