Mit
einem weinenden Auge trauere ich auf Resurrection Macabre
den wunderschön melodischen Soli, der unbändigen Spielfreude
und der einzigartigen Atmosphäre von Testimony Of
The Ancients (dem facettenreichsten und besten Album
der Niederländer) hinterher. Jedoch wird dem geneigten
Fan schnell klar, dass PESTILENCE anno 2009 auf die selbstverliebte
Zurschaustellung ihrer technischen Fähigkeiten der Spheres-Phase,
die der Band letztendlich durch ausbleibenden Erfolg das Genick
brach, verzichten - was nicht bedeutet, dass Patrick Mameli
und seine unschlagbare Hintermannschaft (neben dem bereits aus
der Testimony Of The Ancients-Besetzung bekannten
Bassvirtuosen Tony Choy wurde auch Darkane-Wundertrommler Peter
Wildoer rekrutiert) im technischen Bereich nachgelassen hätten,
eher im Gegenteil. Nur wird die Instrumentenbeherrschung stets
dem Song untergeordnet. Und genau diese reife Erkenntnis fehlte
den Jungs auf Spheres.
Das bereits vorab veröffentlichte Eröffnungsduo Devouring
Frenzy und Horror Detox zeigt deutlich die neue Marschrichtung
der Niederländer auf: Patrick entlockt seiner Gitarre Stakkato-artige,
treibende Riffs, Tausendsassa Peter verzückt einmal mehr
mit seiner unnachahmlichen Technik zwischen Blastbeat und schleppend
groovendem Midtempo und schüttelt sich mal eben ganz locker
diese verrückten Fill-Ins über sämtliche Toms
und Becken aus dem Ärmel, um die ihn der Großteil
der Schlagwerker beneidet (herrlich: die Band hat vor einigen
Wochen ein Video der Drumaufnahmen zu Hangman auf ihre
Seite geladen – ich kann Euch nicht sagen, wie oft mein
Kinnladen auf die Tastatur gekracht ist...). Tja, und Tony Choy
ist ein Bassist wie aus dem Lehrbuch. Er füllt jede erdenkliche
freie Stelle im von Jacob Hansen mächtig druckvoll produzierten
Soundwall mit klasse Bassläufen (wie in Hate Suicide,
Synthetic Grotesque oder dem Titeltrack zu hören).
So weit, so gut...
Zählte Patrick auf Testimony Of The Ancients
noch als hervorragender Shouter, der die Texte mit Inbrunst
und voller Energie einbrüllte, so hinterlässt die
neue Auslegung auf Resurrection Macabre einen
leicht faden Beigeschmack. Die tieferen Vocals passen gewiss
zum druckvollen Sound, jedoch muss auch ich mich nach mehrmaligem
Hören den Nörglern teilweise anschließen. Vergleichsweise
eindimensional wirkt Patricks gesangliche Leistung und kann
mit dem hohen Standard der sonstigen instrumentalen Darbietung
nicht ganz mithalten. Versteht mich nicht falsch, im Vergleich
zu ewig gehypten Sängern in der Death Metal Szene hört
man ab dem ersten Brüller auf Devouring Frenzy,
dass hier der sympathische Fronter aus den Niederlanden am Start
ist und steckt andere in die Jahre gekommenen Frontmänner
mit seinem brutalen Organ in die Tasche. Im internationalen
Vergleich ist der Gesang auf Resurrection Macabre
also nach wie vor ganz oben mit dabei – gemessen an der
eigenen Diskographie jedoch nicht.
Prinzipiell ist die Idee, die eine oder andere neue Version
von Klassikern der Bandgeschichte neu einzuspielen, eine gute.
Dabei kamen recht interessante Interpretationen oller Kamellen
wie Out Of The Body (vom Klassiker Consuming Impulse
aus dem Jahr 1989) mit einigen kleinen, feinen Änderungen
(vor allem im Schlagzeugbereich) oder Chemo Therapy (vom
Debütalbum Malleus Maleficarum aus dem Jahr
1988) heraus. Lediglich Lost Souls (Testimony Of
The Ancients aus dem Jahr 1991) fällt hier aus
dem Rahmen. Der morbide Charme des Originals fiel Patrick Mamelis
neu entdeckter Vorliebe für griffiges Riffing zum Opfer
und somit muss man auf die klasse Melodieführung im Strophenteil
verzichten. Zudem wurde hier das Tempo des Grooves zuliebe heruntergeschraubt.
Von den drei Bonustracks der einzige Ausreißer nach unten.
Bleibt festzuhalten, dass es PESTILENCE mit Resurrection
Macabre geschafft haben, einen bitterbösen und
aggressiven Bastard rauszuhauen, der trotz erwähnter Schwachpunkte
das Prädikat „Album des Monats“ verdient hat
und für mich neun fette Punkte wert ist.