Während
L’ame Immortelle scheinbar das Zeitliche gesegnet haben
(naja, nicht wirklich), starten ihre beiden Protagonisten einmal
mehr Solo durch. In diesem Fall schreibt Sängerin Sonja
Kraushofer dieser Tage Briefe an einen Fremden, bereits ihr
viertes Soloalbum als PERSEPHONE. Und bevor
man überhaupt einen Ton von Letters To A Stranger
zu hören bekommt, darf man sich erst einmal über eine
wundervoll gestaltete CD-Box freuen.
Die CD selbst gibt es im eigenen Pappschuber, der dem Design
der Box entspricht. Dazu das Falt-Booklet aus romantisch verklärten
Grafiken mit Sonja und den beteiligten Musikern und 12 handgeschriebenen
Text-Sheets, eines für jeden Song und eines für die
Credits. Keine Ahnung, ob das wirklich Sonjas Handschrift ist,
einfach zu lesen ist sie jedenfalls nicht ;)
PERSEPHONE ist ein klassisches Projekt, und
diesmal sogar in seiner Gesamtheit, denn Letters
To A Stranger wurde vom Philharmonischen Kammerorchester
Wernigerode eingespielt. Wer mit Klassik nichts anfangen kann
und auch die Stimme von Sonja Kraushofer nicht mag, wird hier
wohl das Laufen bekommen. Denn Sonja bleibt nicht nur in wild
romantischen und melancholischen Gefilden, sie spielt mit Einflüssen
und Elementen, wechselt mal ins Theatralische oder wird gar
Tangorös bei Mean. Dementsprechend fällt
auch die Instrumentierung aus und dürfte für ungewohnte
Ohren das eine oder andere Mal recht experimentell klingen.
Sonja versucht viel, kann zugegebenermaßen nicht immer
überzeugen bzw. muss man ihr viel künstlerischem Freiraum
zugestehen (Stained, Wishful).
Nichtsdestotrotz ist Letters To A Stranger
ein stimmiges Album, Abweichungen von der Grundstimmung sind
gut inszeniert und platziert. Hier hat Martin Höfer (auch
von Janus her bekannt), der nicht nur am Cello brilliert, sondern
auch für die orchestralen Arrangements verantwortlich zeichnet,
eine wirklich fantastische Arbeit geleistet.
Wer für graue Herbst-/Wintertage zum Sterben schöne
Songs braucht, weil gerade der/die unerreichbare „Fremde“
im Kopf rumspukt ist mit Fateful, Untitled
oder auch Blue bestens versorgt.
In Letters To A Stranger muss man
sich bewusst fallen lassen, sich darauf einlassen, den Worten
lauschen, dann entwickelt dieses Album auch seine ganze Schönheit.