In
den 80ern hatte das britische 4AD-Label Bands wie Dead Can Dance,
die Cocteau Twins, den Clan Of Xymox und Bauhaus unter Vertrag
und war zu so etwas wie seinem eigenen Markenzeichen geworden,
das Aushängeschild eines verträumt-rockigen Gothic-Universums,
das zu allen Rändern offen ist. Sich selbst hofierend in
der vermutlich einzigen Band, die einer Label-Philosophie entsprang:
This Mortal Coil. Möglicherweise der Höhepunkt –
und das Einläuten des Endes – des unverwechselbaren
4AD-Stils.
Das zweite PLACE4TEARS Album klingt wie eine Rückbesinnung
auf jene glorreiche Zeit, in der Wehmut und Erfüllung so
dicht beieinander lagen, und im Four Calendar Café die
schwarze Milch der Frühe Abends getrunken wurde.
Zwar fehlen die ausladenden Keyboardschwaden weitgehend; stattdessen
geben flirrende Gitarren den verhangenen Takt vor, und zu den
Reminiszenzen an die Cocteau Twins und Dead Can Dance (ohne
weltmusikalische Einsprengsel und Ausflüge) gesellt sich
ein Prise frühe The Cure.
Das ganze Konzept ist stimmig und getragen und funktioniert
als kontemplativer Ohrenschmaus wie ein langes Bad an einem
wolkenverhangenen Herbsttag. Man kann sich wohlig fallen lassen
und wird aufgefangen, ohne in Myriaden von Kitsch und den ewig
gleichen Plattitüden dramatischen Goth-Rocks unterzugehen.
Nicht ganz so gut sieht es aus, wenn die Band aus Bayern (nicht
gerade die typische Heimstatt dunkler Rockmusik) das Tempo anzieht
(The Yearning). Dann geraten Musik und der ansonsten
respektable Gesang in leichte Schieflage. Glücklicherweise
kommt das nur sehr selten vor.
Und so lassen wir
uns treiben und werden getragen von einer Welle sanft wogender
Elegie. Nur gelegentlich gibt es was hinter die Löffel.
Eher eine milde Massage als düsteres Erschrecken.
Gefällt auch im Hochsommer und macht Lust mit diesem,
eigentlich herbstlichen Soundtrack, als hoffnungsloser Romantiker
auf einem Balkon im Abendrot zu schwelgen.
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