NEUROSIS – The Eye Of Every Storm
 
Label: Relapse
Release: 28.06.2004
Von: Dajana
Punkte: 9/10
Time: 68:54
Stil: Neurosis ;)
URL: Neurosis
 

Wer mit The Eye Of Every Storm etwas im Stile von A Sun That Never Sets erwartet hat, wird zunächst mal verwundert die Ohren spitzen. Im Vergleich zu diesem Meisterwerk, das an die Grundfesten menschlicher Verzweiflung rüttelt, beginnt The Eye Of Every Storm gelassen, ja nahezu heiter. Aber der erste Eindruck trügt, denn sonst wären NEUROSIS nicht NEUROSIS. Bereits mit dem zweiten Teil des Openers Burn taucht man wieder tief in die psychedelischen Abgründe des Seins. Oberflächlich in kontemplativer Ruhe versinkend, baut man hier diesmal auf sehr subtile, ja geradezu transzendente Weise die typische NEUROSIS Atmosphäre auf, überschwemmt den Hörer mit dem ureigenen Chaos an Gefühlen und Emotionen. Dabei reflektiert der Name des Albums perfekt die Musik. Dem früheren akustischen Inferno hat man einen ruhenden Mittelpunkt entgegengesetzt, mit dem man das Chaos keineswegs kontrollieren kann oder will; die perfekt ausgetüftelten Harmonien kommen nur immer wieder zum Mittelpunkt zurück, bilden den roten Faden, der sich durch die sich auftürmenden Soundgebilde windet. Der Sound ist viel minimalistischer, jedes Riff, Melodie, Harmonie, Samples perfekt und ganz bewusst inszeniert, so dass jedes Detail für sich selbst und in seiner Gesamtstruktur seine Wirkung vollendet entfalten kann. Steve von Till und Scott Kelly verzichten weitestgehend auf paralysierende Schreie zugunsten hypnotischen meist cleanem Gesangs oder kommen auch mal ganz ohne aus. Der Titeltrack The Eye Of Every Storm und Bridges seien hier dem geneigten Hörer besonders ans Herz gelegt.
Leider fehlen zum typischen Promo die Texte und das Booklet, denn NEUROSIS sind ja dafür bekannt, das ihre Musik Hand in Hand mit den textlichen Inhalten und der optischen Gestaltung geht, die den Gesamteindruck natürlich noch um einiges intensivieren.
Ob NEUROSIS sich nun selbst übertroffen haben, liegt im Auge/Ohr des jeweiligen Betrachters/Hörer. The Eye Of Every Storm ist ohne Zweifel ein weiteres Meisterwerk, mit dem die Band eine neue Ebene musikalischer Ausdruckskraft erreicht hat. Dennoch würde ich das eine oder andere ältere Album ein ganz klein wenig vorziehen ;)