Bei
kaum einem Album aus dem Bereich Black Metal hat man bereits
im Vorfeld derartige Lobeshymnen und Vorschußlorbeeren
lesen können, wie beim aktuellen Werk der Norweger KEEP
OF KALESSIN. Je näher dann der Termin rückte,
desto gespannter konnte man sein, ob Kolossus
diesen vorab hochgesteckten Erwartungen auch gerecht werden
würde, denn auch die Band selber schürte mit ihren
Äußerungen im Vorfeld die Erwartungshaltung noch
zusätzlich.
Beim ersten Hören
wird sich den meisten, so wie auch mir, allerdings vermutlich
erstmal ein leichtes Fragezeichen auf der Stirn abzeichnen.
Mit dem grandiosen Vorgänger Armada hat
das Album bis auf einige wenige Songs nämlich nicht mehr
allzu viel zu tun, obwohl dieser bereits eine Abkehr der Band
vom ganz klassischen Black Metal darstellte.
Stattdessen bietet sich eine enorme Vielfalt unterschiedlicher
miteinander vermischter Stilrichtungen, von z.B. phasenweise
einfach wesentlich schneller gespieltem, dennoch klar erkennbarem
Metal im Stil der Achtziger (Against The Gods, Warmonger)
über unüberhörbaren Zitate aus dem Thrash Metal,
orientalische und akustische Einsprengsel und gefühlt
überhaupt so ziemlich alles was man je unter dem Oberbegriff
Metal zusammengefasst hat.
Das ist zwar auch nach mehrmaligem Durchhören noch recht
interessant, wirkt aber hin und wieder auch etwas gezwungen,
und ich muss zugeben, dass mir bei all den Experimenten auf
Kolossus die weniger innovativen und an den
„alten“ Stil gemahnenden Stücke wie Escape
The Union und Ascendant noch immer am besten gefielen.
So passt auf den neuen Sound von KEEP OF KALESSIN inzwischen
womöglich, wie von Frontmann O.C. verwendet, der Begriff
Extreme Metal besser als der des Black Metal. Puristischen
und eingefahrenen Schwarzmetall-Anhängern und/oder Fans
der älteren Alben der Norweger wird Kolossus
trotz aller Lobhudelei im Vorfeld daher wohl weniger gut gefallen.
Insgesamt schwer einzuordnen, technisch ohne Frage brillant,
kompositorisch zumindest immer interessant, aber halt mitunter
auch einfach zu viel des Guten/des Gemischs... Gehört
haben sollte man die Platte aber auf jeden Fall mal.
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