HYPOCRISY – The Arrival
 
Label: Nuclear Blast
Release: 16. 02. 2004
Von: Medion
Punkte: 6,5
Time: 40:26
Stil: Melodic Death Metal
URL: Hypocrisy
 
Mit Catch 22 hatte sich das Death-Metal-Flaggschiff HYPOCRISY keinen großen Gefallen getan. Das Experimentieren mit NuMetal-Riffs und -Gesang, sowie ein äußerst schräger Sound vergraulte viele Fans, und auch die Songs selbst konnte man, rein objektiv betrachtet, als eher durchschnittlich betrachten. Mit dem hoffentlich in nächster Zeit erscheinenden neuen Pain-Album wird Mastermind Peter Tägtren wohl alles Moderne weiter auf sein zweites Standbein verlagern, weshalb es mit The Arrival nun wieder ein wenig back-to-the-roots gehen kann. Die Richtung geben bereits Cover-Artwork und Titel vor, und so bewegt sich der neue Output im Bereich von Abducted und Hypocrisy. Auffallend ist in erster Linie die perfekte Produktion, welche wohl als beste in Tägtgrens Laufbahn angesehen werden kann - hier stimmt einfach alles, keine verwaschenen Gitarren, keine scheppernden Drums mehr. Was die Songs selbst angeht, bin ich hingegen eher gespaltener Meinung. So liefern HYPOCRISY mit ihrem neunten Studioalbum zwar wieder eine homogene Mischung aus langsamen und schnellen Songs, können aber, wie fast schon obligat, nur auf halber Strecke überzeugen. Zugegeben, ich war noch nie Fan der schnelleren Songs, weil die Stärke der Schweden eigentlich im gemäßigten Bereich liegt. Aber davon abgesehen sind diese auf The Arrival trotzdem die wirklich schwächsten. Der Opener Born Dead Buried Alive beginnt mit coolem Tapping, braust dann aber in einem 08/15-Schweden-Death-Riff los, das noch enttäuschender als so manches Material auf Into The Abyss ist. Als guter Einstieg ist hier eigentlich nur das Intro des Songs gerechtfertigt. Aber gut… Mit Eraser schmeißt das Trio dann jenen Song nach, der bereits auf der Dimmu Borgir-Tour live angetestet wurde. Moderner Death Metal mit geiler Bridge und tollem Refrain, ein neuer Hit. Auch das nachfolgende Stillborn drückt mächtig und ist HYPOCRISY at its best (mit einem Querverweis auf die verblichenen Immortal). Mit dem können leider das an Roswell 47-angelehnte aber enttäuschende Slave To The Parasites nicht wirklich mithalten, auch das bereits zu 4th Dimension-Zeiten als Bonustrack vorliegende und jetzt neu aufgenommene The Abyss wirkt eher fade. Interessant wird’s wieder mit dem atmosphärischen und kongenialen The Departure sowie dem Rausschmeißer War Within. Alles in allem also kein perfektes Album, besser als die beiden Vorgänger aber ohne Zweifel. Kopfzerbrechen bereiten mir nur die Stimmeffekte, die Tägtgren diesmal eindeutig übertrieben hat, Dimmu Borgir lassen grüßen ;)
HYPOCRISY sind auch nach mehr als einer Dekade noch nicht aufgebraucht, ein wenig mehr Inspiration hätte aber definitiv nicht geschadet.