Neun Jahre
hat es gedauert, bis die Norditaliener HYADES
ihr Debüt präsentieren konnten. Bereits 2001 konnten
sie mit ihrem Song Burning auf dem Heavy oder was?!
– Sampler auf sich aufmerksam machen. Jetzt haben sie
bei Mausoleum einen Deal unterzeichnet, der es ihnen gestattet,
ihre kraftvolle Mischung aus Thrash, Thrash, nochmals Thrash
und ein wenig Power Metal einem größeren Publikum
zu präsentieren.
Stilistisch haben sich die HYADES seit dem
hier rezensierten Demo No Bullshit – Just
Metal noch mehr in Richtung Bay Area bewegt. Größen
wie Exodus, gaaaanz frühe Metallica und Testament standen
als Paten. Auch Destruction, Sacred Reich und Living Death haben
ihre Spuren im Songwriting hinterlassen. Doch entgegen aller
Vorurteile klingt Abuse Your Illusions
alles andere als altbacken oder langweilig.
Der Schwung, mit dem die Italo – Thrasher diese zehn Bomben
hochgehen lassen, animieren selbst eine 666-jährige Halbmumie
zum mitbangen. Auch die starke Produktion trägt einiges
dazu bei, und so klingen Songs wie der Opener No Man’s
Land oder Pictures Of A World einfach wie aus
einem Guss.
Textlich nehmen sich HYADES kein Blatt vor
dem Mund und behandeln auf ironische Weise genau jene Themen,
die schon das witzige Cover und der Albumtitel erahnen lassen:
Kriegspropaganda (Smart Bombs, Dumb War), Todesstrafe
(Blameless In The Deathrow – traurigerweise sehr
aktuell) und der 11.September (Sept. 11, allerdings
nicht den 2001, sondern den 1973, als Pinochet mit Hilfe der
USA der Demokratie in Chile ein Ende setzte und sein Terrorregime
errichtete). Desweiteren kriegt ein gewisser Weorge Gackler
Bush in Liar gleich tonnenweise Fett ab. Die Idee,
Bushs Aussagen zur Rechtfertigung des Irakkrieges (wir erinnern
uns: „There is no doubt that Iraq has weapons of mass
destruction...“) während des Solos abzuspielen, ist
einfach genial.
Der Silberling wird mit dem lustigen Beastie Boys – Cover
Fight For Your Right To Party abgerundet. Alles hätte
ich mir als Coversong erwarten können, aber dieses Stück
sicherlich nicht. HYADES meistern es auf ihre
Art und Weise und bieten damit einen starken thrash-metallischen
Partyhammer.
Alles in allem ist Abuse Your Illusions
ein starkes Thrashmetal Album geworden. Man hört es der
Band an, dass es sich um fünf erfahrene und vor allem sehr
talentierte Burschen handelt und nicht um irgendwelche blutige
Anfänger. Das Gitarrenspiel Negondas und Testas ist, wie
schon vom Vorgänger No Bullshit – Just
Metal gewöhnt, allererste Sahne. Die Rhythmussektion
(Orlando b., und Ridolfi, dr.) setzt starke Akzente. Sehr, sehr
überrascht hat mich die Leistung des Sängers Colombo.
Nie hätte ich mir gedacht, dass er seine Stimme auch bei
so einem harten Stück Eisen derart gekonnt einsetzen könnte.
Also, dieser Bastard aus Boltendahl und Dirkschneider verleiht
mit seiner energischen, reibenden Stimme den Songs den letzten
Kick, um voll abzufahren. Spektakulär!
HYADES werden mit diesem Output sicherlich
mehr als nur Achtungserfolge einheimsen! Watch out!