Acedia
ist eine der sieben Todsünden, gemeinhin als Faulheit bekannt,
besser trifft es allerdings der Terminus „Trägheit
des Herzens“. Josef Pieper vermutete hinter dem Begriff
die tiefere Bedeutung, „dass der Mensch seinem eigenen
Sein letztlich nicht zustimmt“. Hier kommt das englische
Duo HISTORY OF GUNS ins Spiel, die Acedia
als „A total absence of spiritual light“ interpretieren.
Von dieser Abwesenheit handelt das Album, von Menschen, hineingeworfen
in eine düstere, ungerechte Welt, die gerade geborene hilflose
Wesen wieder ausspuckt wie Unrat. Gefangen zwischen Sehnsüchten,
Missbrauch, Todeswünschen und Alkohol bleibt nur der zynische
Rat „Go Bleed In Silence“. Mit manischer Attitüde
bringt Del Alien die düsteren Texte unters Volk, vermeidet
aber aggressives Keifen ebenso, wie allzu tiefes Grollen. Viel
eher erinnert sein Gesang an Nik Fiend und vor allem Peter Murphy,
dessen Bauhaus auch musikalisch nicht weit entfernt sind. Empty
Eyes klingt geradezu wie das gemeinsame Kind von „She’s
In Parties“ und „Bela Lugosi’s Dead“.
Die stakkatohart ausgestoßenen Textskizzen atmen viel
vom Odeur des Punk, doch die Musik des Duos ist viel zu komplex,
um sie auf simple Drei Akkord-Schemata zu reduzieren. Electroclash,
Dark Wave, wütender Rock, meditative Momente mit ruhiger
Pianobegleitung und zeitlupenhafter Stroboskop-Ästhetik,
dazu eine Prise Gothic Punk, als Erinnerung an eine Zeit, in
der sich hinter „Gothic“ noch nicht die ewig gleichen
stereotypen Gitarrenwälle in Begleitung leidgeprüfter
Operndiven verbargen. HISTORY OF GUNS wandeln nicht selbstmitleidig
durch ein Tal der Tränen, sie spielen gegen das Wüten
einer gnadenlosen Welt an. Keine Musik für Strandparties,
aber dennoch häufig tanzbar. ...But I’ll Be Waiting
sollte sowieso ein Hit in allen dunklen Kaschemmen am Rande
des Universums sein. Für die volle Dröhnung sorgt
der Rest des Albums.