HISTORY OF GUNS – Acedia

 
Label: Line Out Records
Release: 27.07.2008
Von: Joking
Punkte: 8/10
Time: 42:56
Stil: Industrial Romance Gothic Punk
URL: History Of Guns
 
Acedia ist eine der sieben Todsünden, gemeinhin als Faulheit bekannt, besser trifft es allerdings der Terminus „Trägheit des Herzens“. Josef Pieper vermutete hinter dem Begriff die tiefere Bedeutung, „dass der Mensch seinem eigenen Sein letztlich nicht zustimmt“. Hier kommt das englische Duo HISTORY OF GUNS ins Spiel, die Acedia als „A total absence of spiritual light“ interpretieren. Von dieser Abwesenheit handelt das Album, von Menschen, hineingeworfen in eine düstere, ungerechte Welt, die gerade geborene hilflose Wesen wieder ausspuckt wie Unrat. Gefangen zwischen Sehnsüchten, Missbrauch, Todeswünschen und Alkohol bleibt nur der zynische Rat „Go Bleed In Silence“. Mit manischer Attitüde bringt Del Alien die düsteren Texte unters Volk, vermeidet aber aggressives Keifen ebenso, wie allzu tiefes Grollen. Viel eher erinnert sein Gesang an Nik Fiend und vor allem Peter Murphy, dessen Bauhaus auch musikalisch nicht weit entfernt sind. Empty Eyes klingt geradezu wie das gemeinsame Kind von „She’s In Parties“ und „Bela Lugosi’s Dead“. Die stakkatohart ausgestoßenen Textskizzen atmen viel vom Odeur des Punk, doch die Musik des Duos ist viel zu komplex, um sie auf simple Drei Akkord-Schemata zu reduzieren. Electroclash, Dark Wave, wütender Rock, meditative Momente mit ruhiger Pianobegleitung und zeitlupenhafter Stroboskop-Ästhetik, dazu eine Prise Gothic Punk, als Erinnerung an eine Zeit, in der sich hinter „Gothic“ noch nicht die ewig gleichen stereotypen Gitarrenwälle in Begleitung leidgeprüfter Operndiven verbargen. HISTORY OF GUNS wandeln nicht selbstmitleidig durch ein Tal der Tränen, sie spielen gegen das Wüten einer gnadenlosen Welt an. Keine Musik für Strandparties, aber dennoch häufig tanzbar. ...But I’ll Be Waiting sollte sowieso ein Hit in allen dunklen Kaschemmen am Rande des Universums sein. Für die volle Dröhnung sorgt der Rest des Albums.