Nach
einer Best-Of-CD und einer Live DVD und was weiß ich nicht
noch alles hat HIM-Kopf und Frauenschwarm Ville
Valo für Uneasy Listening eigenen Angaben nach höchstpersönlich
ganz tief im staubigen Bandarchiv gewühlt, um einige rare
und unveröffentlichte Aufnahmen auf die kaufwütigen
Fans loszulassen. Uneasy Listening Vol. 1
beschäftigte sich bereits ausgiebig mit der softeren Seite
des erfolgreichen Finnenexports. Uneasy Listening
Vol. 2 Scheibe bildet nun sozusagen den Gegenpart
und widmet sich der etwas raueren Seite im Schaffen der Mannen
um Ville Valo. In Verbindung mit „Uneasy Listening“
erwarte ich nach dieser Ankündigung jetzt natürlich
nicht unbedingt Death-Metal-Gebolze, aber nichtsdestotrotz hält
die Zusammenstellung doch amüsanterweise ein Paar Überraschungen
bereit, die so manches Fangirl verwirren könnten.
Mit einem schicken Artwork versehen, strotzt das dünne
Booklet leider nicht gerade vor Informationsfülle. Schade,
denn wenn sich Herr Valo schon höchst persönlich in
seine staubige Archive begibt, dann hätte er doch wenigstens
die Songauswahl mit Liner Notes kommentieren können. Jedenfalls
reizt die Scheibe mit knapp über einer Stunde Spielzeit
die Kapazität einer CD nicht gerade aus. Die Auswahl der
Songs konzentriert sich zum Glück nicht auf eine schnöde
Ansammlung der größten Charthits, die mal eben schnell
in härteren Versionen umgewandelt wurden, sondern bietet
ein buntes Sammelsurium an Tracks in raren oder unveröffentlichten
(Live-)-Versionen, bei dem dennoch Bandklassiker wie Wicked
Game, Pretending oder Right Here In My Arms
nicht fehlen. Diese Songs sind aber vergleichsweise weniger
spannend. Interessanter sind da schon die drei enthaltenen Coverversionen.
Augenzwinkernden Humor beweisen die Finnen dabei mit Rendezvous
With Anus von den Jeansfetischisten Turbonegro. Traditionsbewusstsein
und eine jaulende Hammondorgel darüber hinaus mit ihrer
wirklich feinen und doomig zähen Version von Hand Of
Doom von Black Sabbath. So richtig die Post ab geht aber
eigentlich nur bei Sailin’ On von den Punkrockern
Bad Brains, das zwei Minuten Spielzeit nicht einmal erreicht.
Die HIM-eigenen Songs gehören dem Motto der Scheibe entsprechend
zur eher flotteren Kategorie und ziehen sich quer durch die
Discographie der Finnen wie der Opener Buried Alive By Love
oder ganz, ganz alte Songs wie Sigillum Diaboli von
der ersten raren EP, die der Großteil der Fans bislang
wohl nur von Liveauftritten oder der limitierten Ausgabe des
Erfolgsalbums Razorblade Romance kennen
dürfte. Insgesamt sind die Modifikationen der Remixe aber
eher gering, bis auf Soul On Fire, das gar im Industrialrockgewand
daherkommt und dabei die Gitarren auf ein Minimum zurückgefahren
werden.
Und für wen lohnt sich nun die Zusammenstellung? Für
eingefleischte Fans ist Uneasy Listening Vol. 2
aufgrund der seltenen Versionen sicherlich ein Must Have. Leute,
die einfach nur einen Überblick über HIM
bekommen wollen, greifen wohl besser zur regulären Best
Of. Vielleicht gewinnen die Finnen aber auch mit Uneasy
Listening Vol. 2 ein paar Hörer dazu, die
mit den manchmal arg jaulenden Schnulzensongs eher weniger was
anfangen konnten. Möglicherweise sorgt die Scheibe aber
auch für weniger angespannte Minen von Schwermetallern,
wenn die Freundin mal wieder HIM hören
möchte ;)