HIM – Uneasy Listening Vol. 2

 
Label: GUN Records
Release: 20.04.2007
Von: Daniel
Punkte: -/-
Time: 62:29
Stil: „Lovemetal“
URL: HIM
 
Nach einer Best-Of-CD und einer Live DVD und was weiß ich nicht noch alles hat HIM-Kopf und Frauenschwarm Ville Valo für Uneasy Listening eigenen Angaben nach höchstpersönlich ganz tief im staubigen Bandarchiv gewühlt, um einige rare und unveröffentlichte Aufnahmen auf die kaufwütigen Fans loszulassen. Uneasy Listening Vol. 1 beschäftigte sich bereits ausgiebig mit der softeren Seite des erfolgreichen Finnenexports. Uneasy Listening Vol. 2 Scheibe bildet nun sozusagen den Gegenpart und widmet sich der etwas raueren Seite im Schaffen der Mannen um Ville Valo. In Verbindung mit „Uneasy Listening“ erwarte ich nach dieser Ankündigung jetzt natürlich nicht unbedingt Death-Metal-Gebolze, aber nichtsdestotrotz hält die Zusammenstellung doch amüsanterweise ein Paar Überraschungen bereit, die so manches Fangirl verwirren könnten.
Mit einem schicken Artwork versehen, strotzt das dünne Booklet leider nicht gerade vor Informationsfülle. Schade, denn wenn sich Herr Valo schon höchst persönlich in seine staubige Archive begibt, dann hätte er doch wenigstens die Songauswahl mit Liner Notes kommentieren können. Jedenfalls reizt die Scheibe mit knapp über einer Stunde Spielzeit die Kapazität einer CD nicht gerade aus. Die Auswahl der Songs konzentriert sich zum Glück nicht auf eine schnöde Ansammlung der größten Charthits, die mal eben schnell in härteren Versionen umgewandelt wurden, sondern bietet ein buntes Sammelsurium an Tracks in raren oder unveröffentlichten (Live-)-Versionen, bei dem dennoch Bandklassiker wie Wicked Game, Pretending oder Right Here In My Arms nicht fehlen. Diese Songs sind aber vergleichsweise weniger spannend. Interessanter sind da schon die drei enthaltenen Coverversionen. Augenzwinkernden Humor beweisen die Finnen dabei mit Rendezvous With Anus von den Jeansfetischisten Turbonegro. Traditionsbewusstsein und eine jaulende Hammondorgel darüber hinaus mit ihrer wirklich feinen und doomig zähen Version von Hand Of Doom von Black Sabbath. So richtig die Post ab geht aber eigentlich nur bei Sailin’ On von den Punkrockern Bad Brains, das zwei Minuten Spielzeit nicht einmal erreicht. Die HIM-eigenen Songs gehören dem Motto der Scheibe entsprechend zur eher flotteren Kategorie und ziehen sich quer durch die Discographie der Finnen wie der Opener Buried Alive By Love oder ganz, ganz alte Songs wie Sigillum Diaboli von der ersten raren EP, die der Großteil der Fans bislang wohl nur von Liveauftritten oder der limitierten Ausgabe des Erfolgsalbums Razorblade Romance kennen dürfte. Insgesamt sind die Modifikationen der Remixe aber eher gering, bis auf Soul On Fire, das gar im Industrialrockgewand daherkommt und dabei die Gitarren auf ein Minimum zurückgefahren werden.
Und für wen lohnt sich nun die Zusammenstellung? Für eingefleischte Fans ist Uneasy Listening Vol. 2 aufgrund der seltenen Versionen sicherlich ein Must Have. Leute, die einfach nur einen Überblick über HIM bekommen wollen, greifen wohl besser zur regulären Best Of. Vielleicht gewinnen die Finnen aber auch mit Uneasy Listening Vol. 2 ein paar Hörer dazu, die mit den manchmal arg jaulenden Schnulzensongs eher weniger was anfangen konnten. Möglicherweise sorgt die Scheibe aber auch für weniger angespannte Minen von Schwermetallern, wenn die Freundin mal wieder HIM hören möchte ;)