HEXPEROS – The Veil Of Queen Mab

 
Label: Equilibrium Music
Release: 29.10.2010
Von: Joking
Punkte: 6.5/10
Time: 47:48
Stil: Neo Classic Barock Gothic
URL: Hexperos
 
Der König hält Hof. Er ist ein bisschen melancholisch gestimmt, also wird die übliche Schandmaul-Kapelle in den Kerker gesteckt und etwas Elegischeres muss her. Waren die Italiener nicht gut darin – große Oper und leiden an der Welt? Also flugs HEXPEROS auf die Bühne geholt, die hauptsächlich aus Multiinstrumentalist Francesco Forgione und Sängerin Alessandra Santovito bestehen.

Gute Wahl. Denn bald füllt sich der Thronsaal mit erhabenen Klängen, voller Inbrunst und hohem musikalischen Können vorgetragen. Das erinnert nur marginal an aufgeregte Mittelalter-Bands, die den Kirmesplatz ins heimische Wohnzimmer holen wollen. Sattdessen wird die Geschichte der Königin Mab (sieh‘ und hör‘ nach bei Shakespeare, Percy Bysshe Shelley, Hector Berlioz, J. M. Barrie, Donovan und Jim Butcher) mit barocker Wucht und Erhabenheit vorgetragen. Harfe, Laute, Flöten, Holzgebläse, diverses Schlagwerk, und vielerlei Tasteninstrumente liefern das passende, nur dezent elektrische Fundament.

Irgendwo stand zu lesen, The Veil Of Queen Mab böte die perfekte Musik für’s kuschelige Beisammensein. Aber nur, wenn man die Kostüme aus dem Theaterfundus die ganze Zeit anbehält. Vergleiche mit Dead Can Dance sind nicht abwegig; komplett abziehen sollte man aber die Neigung zu orientalischer Musik und kleine Rock-Eskapaden.
Die Musik von HEXPEROS ist getragen, ernsthaft, schreitet langsam, aber stetig voran und vermeidet jede Extravaganz. Die einzelnen Songs sind nicht gerade geprägt von mitreißender Ausstrahlung. Zwar machen Sängerin Alessandra und ihre Mitstreiter eine gute Figur, aber auf Dauer wirkt die angestrengte Ernsthaftigkeit etwas ermüdend. Als Soundtrack zu einem düsteren Mystery-History-Movie (direkt auf DVD und nicht im Kino erschienen. Da liefert Lisa Gerrard die musikalische Untermalung.) bestens geeignet. Ohne begleitenden Film wünscht man sich allerdings das ein oder andere kleine fidele Schelmenstück als auflockerndes Intermezzo.
Der König würde es danken.