HELRUNAR – Sól I (Der Dorn Im Nebel) & Sól II (Zweige Der Erinnerung)

 
Label: Prophecy Productions
Release: 07.01.2011
Von: Stormlord
Punkte: 10/10
Time: 44:58 + 48:17
Stil: Black Metal
URL: Helrunar
 
HELRUNAR, die Meister der atmosphärischen Dichte, biegen mit einem zweiteiligen Monsterwerk um die Ecke. Die Musik berührt zutiefst, braucht allerdings eine Weile, um das emotionale Nervenzentrum zu fesseln.

Gewohnt tiefgründig und lyrisch alles andere als kitschig oder gar peinlich, lassen uns HELRUNAR an ihrem musikalischen Universum teilhaben, das von Kontrasten lebt. Das beginnt schon beim Gesang - die naturnahen Texte werden richtig fies gekeift oder auch im Gegensatz sehr zurückhaltend, sprechend oder flüsternd interpretiert. Die leisen und reduzierten Parts treffen mitten ins Herz, wogegen die schnellen Ausbrüche extrem kraftvoll ihre Muskeln spielen lassen.
Oft verweilen HELRUNAR längere Zeit im Midtempo oder lassen ein Gitarrenriff einsam in der kargen Klanglandschaft stehen, dann schleppen sie sich wie ein verwundetes Tier dahin oder zelebrieren eiskalten Black Metal mit Stil.

Sól I – Der Dorn Im Nebel:
Auf dem ersten Teil von Sól dominiert die Atmosphäre, eingängige, heraus stechende Kompositionen finden sich vorerst nicht – es sind die Dynamiken, die den Stücken eine pulsierende Energie verleihen. Die Musiker schrecken auch nicht vor unbequemen Melodien zurück, die leichten Dissonanzen erzeugen eine frostige Stimmung. Dabei überzeugen die Künstler sowohl in gedrosseltem Tempo mit harschem Grollgesang als auch in den pfeilschnellen Sequenzen. Schon beim Stück Kollapsar wird diese variantenreiche Technik des Songaufbaus angewandt, Flüsterteil inklusive. Oben erwähnter Zusatz „vorerst“ heißt so viel wie: nach dem 2. Hördurchgang packt mich auch Sól I mit voller Wucht. Bei Unter dem Gletscher geht es schleifend und hypnotisch mit einem Hammerrefrain zur Sache, dann werfen uns HELRUNAR im Stück Nebelspinne nur karge, aber umso eindringlichere Worte zum genussvollen Verzehr vor; schlussendlich fegen sie wie ein Föhnsturm mit dem Titel Tiefer Als Der Tag alles hinfort, integrieren aber einen extrem ruhigen Teil zum Spannungsaufbau, bevor der exzessive Schlussteil nur mehr Asche hinterlässt. Das ist Musik zum Hören, Fühlen und Genießen!

Sól II – Zweige Der Erinnerung:
Die Hits, die den Hörer sofort anspringen, befinden sich eher auf Sól II, vor allem Aschevolk und Rattenkönig. Letzteres begeistert mit seiner aufgetürmten Riffgewalt und dem heftigen Laut-Leise-Kontrast, der formidabel Gänsehaut beschwört. Die schleppenden Takte werden von hymnischen Leads abgelöst, die einem im positivsten Sinne die Haare zu Berge stehen lassen. Stampfende Rhythmen erhöhen den Energielevel noch einmal und lassen nur verbrannte Erde und gefesselte Hörer zurück – 11 Minuten akustischer Wahnsinn!
Danach schreitet der Moorgänger würdevoll und unheimlich mächtig voran, mit zart gezupften Melodien im Hintergrund. Doch trotzdem wird ständig das Gefühl von unterschwelliger Aggression verbreitet – doch der Ruhe folgt kein Sturm. Das gefällt mir an HELRUNAR besonders: vorhersehbar sind sie selten!
Das Heldenepos Sól beschließt diesen Doppelschlag in erhabener Weise: choralartige Gesänge und schwebende Melodik vereinen sich mit schleppenden Takten. Die Band klingt finster, beschwörend und einfach nur schwarz, lässt zwischendurch aber mit sanften Gitarrentönen positive Töne aufblitzen. Das Stück steigert sich mit feinen Leadmelodien in einen instrumentalen Schlussrausch.

Abschließend sei ein höchst erfreuliches Fazit gezogen: dieses Album ist ein wahrer Hochgenuss! Zerbrechlich-zarte Akustikgitarren haben ebenso ihre Berechtigung wie aggressiver Black Metal; der Stimmvortrag passt sich trefflich an und variiert von sanftmütig bis garstig kreischend. Intensiv, fordernd und emotional entwickelt Sól eine unheimlich packende Dynamik, die langfristig süchtig macht!