HELRUNAR – Grátr
 
Label: Eigenproduktion
Release: Dezember 2003
Von: Dajana
Punkte: 8.5/10
Time: 42:00
Stil: Black Metal
URL: Helrunar
 

Nachdem ich von HELRUNAR auf der Nebelmondparty regelrecht fasziniert war, hab ich mir die bis dato einzige Veröffentlichung Grátr an Lang gezogen, mit der man sich auch im Sommer einen Vertrag bei Prophecy’s Sublabel Lupus Lounge ergattern konnte. Das allein spricht eigentlich schon für sich und die Qualität von Grátr. Tatsächlich hält man hier ein sehr intelligentes, ungemein atmosphärisches Meisterwerk schwarzmetallischer Kunst in den Händen, völlig klischeefrei und eines der wenigen Alben, die wirklich die klirrende Kälte – innen wie außen – musikalisch umsetzen können.
Musik und Texte bilden eine Einheit und beziehen sich auf das Reich der Göttin Hel, wo man symbolisch zur seelenkalten und sinnentleerten Gegenwart eine Brücke schlägt. Das spiegelt sich dann in deutschen, wie norwegischen Texten und sogar altnordischen Rezitationen aus den Skaldenversen und Edda-Dichtungen wieder.
Musikalisch beginnt man mit dem deutsch gesprochenen, akustischen und frostigen Intro Der Fährtensucher, das mit dem Satz: „... schon fast zu Eis erstarrt, erblickt seine Auge, fast glaubt er ihnen nicht, ein blaues Licht und dann:.“ unglaublich geschickt zu Raune mit der Tiefe überleitet. Dieser Song besticht schon mal mit einem sehr einprägsamen Riffing, das man jederzeit wiedererkennen wird, gefolgt von eindringlichen Männerchören und der charismatischen Stimme von Skald Draugir, der sowohl die typischen Black Metal Screams bedient, aber auch hervorragend clean singen kann. Von der Geschwindigkeit her nutzt man die gesamte Breite, wütet rasend schnell, schafft bangfreudige Mid-tempo Bereiche und wird auch mal ganz langsam, um akustischen Parts oder Rezitationen den nötigen Entfaltungsfreiraum zu geben. Keine der Geschwindigkeiten wird überzogen, es wird immer zum genau richtigen Zeitpunkt zugelegt oder abgebremst, auch wenn durchschnittlich gesehen, die schnellen Passagen überwiegen. Eine absolute Hymne ist ohne Zweifel der Titeltrack selbst, das genau jene Gitarrenparts enthält, die ich früher bei Thy Serpent schon unwiderstehlich fand. Andere Highlights wären z.B. Hornung oder Das heilige Feuer.
Was noch auffällt, ist der Einsatz von Maultrommeln, die eine ganz eigene Atmosphäre verbreiten und bei Black Metal Bands wohl eher selten vorzufinden sind.
Fazit: Grátr ist ein außergewöhnlich gut durchdachtes und ausgereiftes Debüt, mit dem man zu Recht allerorten für positive Resonanzen sorgen konnte. Vielmehr macht Grátr aber neugierig auf das, was da kommen mag, wenn HELRUNAR schon beim aller ersten Output solch Potential an den Tag legen und zukünftig unter dem Dach von Prophecy Productions werkeln dürfen.