Nachdem
ich von HELRUNAR auf der Nebelmondparty regelrecht
fasziniert war, hab ich mir die bis dato einzige Veröffentlichung
Grátr an Lang gezogen, mit
der man sich auch im Sommer einen Vertrag bei Prophecy’s
Sublabel Lupus Lounge ergattern konnte. Das allein spricht eigentlich
schon für sich und die Qualität von Grátr.
Tatsächlich hält man hier ein sehr intelligentes,
ungemein atmosphärisches Meisterwerk schwarzmetallischer
Kunst in den Händen, völlig klischeefrei und eines
der wenigen Alben, die wirklich die klirrende Kälte –
innen wie außen – musikalisch umsetzen können.
Musik und Texte bilden eine Einheit und beziehen sich auf das
Reich der Göttin Hel, wo man symbolisch zur seelenkalten
und sinnentleerten Gegenwart eine Brücke schlägt.
Das spiegelt sich dann in deutschen, wie norwegischen Texten
und sogar altnordischen Rezitationen aus den Skaldenversen und
Edda-Dichtungen wieder.
Musikalisch beginnt man mit dem deutsch gesprochenen, akustischen
und frostigen Intro Der Fährtensucher, das mit
dem Satz: „... schon fast zu Eis erstarrt, erblickt
seine Auge, fast glaubt er ihnen nicht, ein blaues Licht und
dann:.“ unglaublich geschickt zu Raune mit der
Tiefe überleitet. Dieser Song besticht schon mal mit
einem sehr einprägsamen Riffing, das man jederzeit wiedererkennen
wird, gefolgt von eindringlichen Männerchören und
der charismatischen Stimme von Skald Draugir, der sowohl die
typischen Black Metal Screams bedient, aber auch hervorragend
clean singen kann. Von der Geschwindigkeit her nutzt man die
gesamte Breite, wütet rasend schnell, schafft bangfreudige
Mid-tempo Bereiche und wird auch mal ganz langsam, um akustischen
Parts oder Rezitationen den nötigen Entfaltungsfreiraum
zu geben. Keine der Geschwindigkeiten wird überzogen, es
wird immer zum genau richtigen Zeitpunkt zugelegt oder abgebremst,
auch wenn durchschnittlich gesehen, die schnellen Passagen überwiegen.
Eine absolute Hymne ist ohne Zweifel der Titeltrack selbst,
das genau jene Gitarrenparts enthält, die ich früher
bei Thy Serpent schon unwiderstehlich fand. Andere Highlights
wären z.B. Hornung oder Das heilige Feuer.
Was noch auffällt, ist der Einsatz von Maultrommeln, die
eine ganz eigene Atmosphäre verbreiten und bei Black Metal
Bands wohl eher selten vorzufinden sind.
Fazit: Grátr ist ein außergewöhnlich
gut durchdachtes und ausgereiftes Debüt, mit dem man zu
Recht allerorten für positive Resonanzen sorgen konnte.
Vielmehr macht Grátr aber neugierig
auf das, was da kommen mag, wenn HELRUNAR schon
beim aller ersten Output solch Potential an den Tag legen und
zukünftig unter dem Dach von Prophecy Productions werkeln
dürfen.