HEL – Tristheim

 
Label: Det Germanske Folket
Release: 20.04.2007
Von: Stormlord
Punkte: 9/10
Time: 39:54
Stil: Neofolk
URL: Hel
 
Tristheim stellt für mich eine Überraschung aus dem Hause HEL dar, entpuppt sich der Grundtenor als doch sehr ruhig, nachdenklich und entspannt, ohne jedwede Geschwindigkeitsattacken oder irgendeine aggressive Note. Doch ich kann dieser Herangehendweise sehr viel abgewinnen, da mich die Platte doch an solche Glanzleistungen wie Where At Night The Wood Grouse Plays von Empyrium erinnert. Ähnlich versiert und mit wunderbaren Melodien versehen erspielen sich auch HEL in einer ruhigen Stunde meine Gunst.

Ganze 15 Lieder hindurch präsentieren die Künstler Valdr und Skaldir verträumte Weisen mit sonorem Gesang, teilweise gesprochen oder gar geflüstert, der Stimmung der jeweiligen Komposition angepasst. Tristheim beinhaltet nicht umsonst das Wort „trist“, die verbreitete Stimmung lässt sich wohl am besten mit den Attributen traurig, nachdenklich und introvertiert beschreiben. Die Protagonisten erscheinen vor dem geistigen Auge gänzlich in ihre Darbietung versunken; deshalb berührt mich dieses Werk, weil ich das Herzblut spüren kann – und die musikalische Hingabe, ja Leidenschaft erlebbar wird. Die meisten Songs sind kurz gehalten, mir kommt allerdings vor, dass die Klänge mehr Zeit zum Atmen und Entfalten der Stimmungen bräuchten. Überwältigend gelingt dies mit Tief Verborgen, bei dem eine Harmonika der Atmosphäre ein zusätzliches Maß an Intensität verleiht und eine meterdicke Gänsehaut provoziert. Die akustische Gitarre trägt aber den Löwenanteil zum Stimmungsaufbau bei. Diese Aufgabe übernimmt bei Tiefes Wasser das Klavier mit einer sanften, fast spartanisch anmutenden Weise. Schon allein wegen dem Gebrauch der norwegischen Sprache fällt Lenger Enn Erindring („länger als die Erinnerung“) aus dem lyrischen Rahmen, stellt aber keineswegs einen Fremdkörper dar, sondern ist der Variation zuträglich. Die darauf folgenden Gedanken wirken mit leicht aufbrausender Stimme dagegen wie ein aufrührerischer Geist inmitten von nachdenklichen Gemütern. Ein herrlicher, doch leider zu kurzer Einsatz eines Streichinstruments schickt wieder angenehme Schauer über den Rücken.
Tristheim schöpft seine für mich unwiderstehliche Kraft und Faszination aus einem mit einfachsten Mitteln erzeugten Stimmungsmeer, das Wellen der Nachdenklichkeit, Ruhe, Entspannung, aber auch aufkeimendes, geschickt akzentuiertes, marginal lauteres Tosen beinhaltet. Das Album kommt einem Spaziergang in einem nebeligen Tal entlang eines sanft plätschernden Flusses mit einigen wenigen Stromschnellen gleich. Einfach zum Genießen!