Tristheim
stellt für mich eine Überraschung aus dem Hause HEL
dar, entpuppt sich der Grundtenor als doch sehr ruhig, nachdenklich
und entspannt, ohne jedwede Geschwindigkeitsattacken oder irgendeine
aggressive Note. Doch ich kann dieser Herangehendweise sehr
viel abgewinnen, da mich die Platte doch an solche Glanzleistungen
wie Where At Night The Wood Grouse Plays von Empyrium erinnert.
Ähnlich versiert und mit wunderbaren Melodien versehen
erspielen sich auch HEL in einer ruhigen Stunde
meine Gunst.
Ganze 15 Lieder
hindurch präsentieren die Künstler Valdr und Skaldir
verträumte Weisen mit sonorem Gesang, teilweise gesprochen
oder gar geflüstert, der Stimmung der jeweiligen Komposition
angepasst. Tristheim beinhaltet
nicht umsonst das Wort „trist“, die verbreitete
Stimmung lässt sich wohl am besten mit den Attributen
traurig, nachdenklich und introvertiert beschreiben. Die Protagonisten
erscheinen vor dem geistigen Auge gänzlich in ihre Darbietung
versunken; deshalb berührt mich dieses Werk, weil ich
das Herzblut spüren kann – und die musikalische
Hingabe, ja Leidenschaft erlebbar wird. Die meisten Songs
sind kurz gehalten, mir kommt allerdings vor, dass die Klänge
mehr Zeit zum Atmen und Entfalten der Stimmungen bräuchten.
Überwältigend gelingt dies mit Tief Verborgen,
bei dem eine Harmonika der Atmosphäre ein zusätzliches
Maß an Intensität verleiht und eine meterdicke
Gänsehaut provoziert. Die akustische Gitarre trägt
aber den Löwenanteil zum Stimmungsaufbau bei. Diese Aufgabe
übernimmt bei Tiefes Wasser das Klavier mit
einer sanften, fast spartanisch anmutenden Weise. Schon allein
wegen dem Gebrauch der norwegischen Sprache fällt Lenger
Enn Erindring („länger als die Erinnerung“)
aus dem lyrischen Rahmen, stellt aber keineswegs einen Fremdkörper
dar, sondern ist der Variation zuträglich. Die darauf
folgenden Gedanken wirken mit leicht aufbrausender
Stimme dagegen wie ein aufrührerischer Geist inmitten
von nachdenklichen Gemütern. Ein herrlicher, doch leider
zu kurzer Einsatz eines Streichinstruments schickt wieder
angenehme Schauer über den Rücken.
Tristheim schöpft seine für
mich unwiderstehliche Kraft und Faszination aus einem mit
einfachsten Mitteln erzeugten Stimmungsmeer, das Wellen der
Nachdenklichkeit, Ruhe, Entspannung, aber auch aufkeimendes,
geschickt akzentuiertes, marginal lauteres Tosen beinhaltet.
Das Album kommt einem Spaziergang in einem nebeligen Tal entlang
eines sanft plätschernden Flusses mit einigen wenigen
Stromschnellen gleich. Einfach zum Genießen!
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