HEILUNG – Futha

 
Label: Season Of Mist
Release: 28.06.2019
Von: Dajana
Punkte: 8.5/10
Time: 73:37
Stil: Nordic Folk
URL: Heilung
 

HEILUNG in Worte zu fassen... ist eine Herausforderung. Viel gäbe es zu sagen, zu hinterfragen und zu philosophieren, zu den verwendeten Quellen, den Runen, den Interpretationen. Schnell könnte man sich in den vielen Details verlieren, oder man lehnt sich einfach zurück und genießt die Magie der Musik.
HEILUNG ist ein Gesamtkonzept aus Musik, Stimmen, Texten, Performance, Sprache, Ausdruck, Atmosphäre und Instrumenten. Alles greift auf verschiedenen Ebenen ineinander, jeder Aspekt ist wichtig, fein ausziseliert und dürfte bei jedem Hörer unterschiedliche Reaktionen und Emotionen auslösen, die insgesamt schwer zu umfassen sind.

HEILUNG sind in ihrer Art wirklich außergewöhnlich und erzeugen ein Gefühl und eine Vorstellungskraft, die weit über Bands wie Tenhi, Hagalaz' Runedance oder Of The Wand & The Moon hinausgeht, die in den Neunzigern den Weg für aktuelle (Nordic/Ritual) Folk Bands wie Wardruna, HEILUNG und anderen bereiteten.
HEILUNG sehen sich als eine künstlerische Annäherung an die archaischen Kulturen der Menschen aus der Eisenzeit oder an die Wikinger, basierend auf originale Artefakte und überlieferten Texten. Das Interesse an diese Zeit brachte Christopher Juul und Maria Franz (die beide in Euzen musizieren) mit Kai Uwe Faust bei einer Wikinger-Aufführung zusammen und mündete 2014 in der Gründung von HEILUNG. Nur ein Jahr später wurde das Debüt Ofnir veröffentlicht, noch weitgehend unbemerkt von der breiten Masse. Die spektakulären Liveshows waren es, die anschließend einen regelrechten Hype rund um die Band auslösten. Die nordische Mythologie war schon immer populär und hat zusammen mit dem Schamanismus nun nahezu den musikalischen Mainstream erreicht.
Das Trio kombiniert traditionelle Instrumente mit geophonen Klängen, dezent modernen Sounds sowie Schlachtenlärm zu tribalhaften, hypnotisierenden Rhythmen, die den Hörer, je nach Umgebung, in einen nahezu meditativen Trancezustand versetzen können. Die Wirkung ist in der Tat phänomenal, besonders, wenn man HEILUNG live erlebt. Da wird der Bandname zur Berufung.

Während Ofnir (Beinamen von Odin) das Maskuline abbilden soll, repräsentiert Futha (das Weibliche, das Geheimnisvolle) nun den dazugehörigen femininen Gegenpart. Groß sind die Unterschiede nicht. Wieder gibt es neun Tracks mit ähnlichen Strukturen. Allerdings ist die schöne Stimme von Maria Franz dieses Mal bei fast allen Tracks zu hören, dominiert das wunderbare Norupo und das ebenso schöne Svanrand, meine Highlights auf Futha, die mir persönlich viel zu kurz ausgefallen sind.
Natürlich schnarrt, schreit und flüstert auch Kai Uwe Faust wieder, rezitiert Vapnatak und Elivagar (die für mich beide verzichtbar gewesen wären). Insgesamt ist der "Geschlechterunterschied" beider Alben jedoch minimal. Da hätte ich mir rückblickend Ofnir "animalischer" oder "wilder" gewünscht. Dafür ist Futha etwas lebhafter als Ofnir, kraftvoller von der Produktion her und für mein Empfinden deshalb das stärkere Album.
Futha ist einmal mehr eine außergewöhnliche Reise, eine „amplified history from early medieval northern Europe“, der man sich gerne hingibt.