HEATHEN – The Evolution Of Chaos

 
Label: Mascot Records
Release: 29.01.2010
Von: Psycho
Punkte: 8.5/10
Time: 68:30
Stil: Thrash Metal
URL: Heathen
 
Das scheint ein gutes Jahr für den schon für Tod erklärten Thrash Metal zu werden: neben interessanten Newcomern bringen viele hochklassige Helden unserer Jugend 2010 neue Alben raus, teilweise weil sie es nach längerer Pause noch mal wissen wollen, andere, weil sie auch so die Zeit gut überstanden haben. Zur ersteren Kategorie gehören u.a. HEATHEN, eine der klassischen Bay Area-Bands, die immer durch die besonders gelungene Verbindung aus Härte und Melodie auffielen, nachzuhören auf den beiden uneingeschränkt empfehlenswerten Alben Breaking The Silence (1987) und Victims Of Deception (1991).

Nach den zwischenzeitlichen Lebenszeichen in Form einer mit einigen Cover-Songs angereicherten Best Of (2004) sowie einer Demo-CD im Jahre 2005 erscheint in diesem Jahr nun endlich der schon lange fertig gestellte dritte Longplayer. Obwohl schon für letzten Sommer angekündigt, kam die neue Overkill doch beinahe noch eher raus, und die hat die Messlatte ganz schön hoch gelegt. Um es vorweg zu nehmen: dieses Niveau erreichen HEATHEN leider nicht ganz. Natürlich gibt es auf The Evolution Of Chaos wieder die typischen überlangen Speed/Thrash-Perlen, die mit ihren treibenden und dabei doch hochmelodischen Riffs und dem guten Gesang immer wieder Akzente setzen. Beispiele hierfür wären etwa Control By Chaos oder Undone. Ungewöhnlich auch das epische, über 11 Minuten lange Beinahe-Instrumental No Stone Unturned, welches noch mal das gute Händchen der Band für superbe Melodien eindrucksvoll demonstriert.

Leider gibt es aber auch einige Sachen, die mir nicht so gut gefallen. Da wäre z.B. A Hero's Welcome zu nennen, eine Art Halbballade, die für meine Ohren einfach viel zu pathetisch und letztendlich auch schmalzig klingt. Ebenfalls auf der Negativseite wäre zu vermerken, dass man bei einigen Stücken manchmal denkt, man lausche gerade Exhibition B (dem auch noch dieses Jahr erscheinenden neuen Exodus-Album). Besonders krass fällt dies bei Fade Away auf, Riffing und Songstruktur sind hier wirklich 1:1 adaptiert. Ob dies nun Zufall ist oder dem Umstand geschuldet ist, dass Lee Altus ja auch bei Exodus Gitarre spielt lasse ich einfach mal dahingestellt...

Ansonsten bekommt man aber durchweg hochklassiges Material geboten, bei dem kein Nackenwirbel unbewegt bleibt, und welches immer noch locker 8,5 Punkte rechtfertigt. Stilistisch hat sich seit den 90ern praktisch überhaupt nichts verändert, wer's also damals schon geil fand, kann auch jetzt bedenkenlos zugreifen. Wer Thrash (oder von mir aus auch Speed) Metal erst in den letzten Jahren (neu) für sich entdeckt hat, sollte hingegen unbedingt mal reinhören.