HEATHEN – Empire Of The Blind

 
Label: Nuclear Blast
Release: 18.09.2020
Von: Dajana
Punkte: 8/10
Time: 47:22
Stil: Thrash Metal
URL: Heathen
 

Nein, eilig hatten es HEATHEN noch nie. Aber wenn man bedenkt, dass wir auf The Evolution Of Chaos fast 20 Jahre warten mussten (gut, die Band war seinerzeit aufgelöst), dann dürfen wir uns jetzt glücklich schätzen, dass es bei Empire Of The Blind nur 10 Jahre gedauert hat ;)
Okay, Scherz beiseite. Geplant war das so nicht. Empire Of The Blind sollte eigentlich viel eher die Fans beglücken, aber das recht intensive Arbeitspensum bei Exodus hat Lee Altus und Kragen Lum (als Ersatz für Gary Holt, wenn dieser bei Slayer zockte) so eingespannt, dass HEATHEN leider hintenangestellt werden musste.
So kam es dann auch, dass Kragen Lum Empire Of The Blind nahezu im Alleingang geschrieben hat, was sonst eigentlich das Metier von Lee Altus ist. Hat das hörbare Auswirkungen? Ich würde sagen: ja.

Empire Of The Blind ist direkter und eingängiger. Vertrackte progressive Fingerfertigkeiten, wie man sie von Lee Altus erwarten würde, lassen sich kaum finden. Die Produktion ist modern, knackig und die Geschwindigkeit moderater als noch auf dem Vorgänger. Das macht das Album abgeklärter, vielleicht auch beliebiger, lässt aber Power und Spielfreude keineswegs vermissen. Dafür gibt es mehr Groove, mehr Thrash und einen gewissen Dreh in Richtung Power Metal. Der Titeltrack Empire Of The Blind mag dafür exemplarisch herangezogen werden. Tatsächlich fühle ich mich ein kleines bisschen an die Schweden von Morgana Lefay erinnert.
Natürlich gibt es immer noch rasante Passagen, aber das Hauptaugenmerk liegt auf treibende und melodische Midtempo-Stampfer wie Blight, das fantastische Sun In My Hand oder Devour. HEATHEN können es aber auch episch, siehe Shrine Of Apathy. Es gibt großartige Twin-Gitarren-Melodien, ausgedehnte Gitarrensolos (da lässt es sich Lee Altus dann doch nicht nehmen zu zaubern) und Mitsingrefrains. Der Gesang von David White ist ein bisschen tiefer und ein bisschen rauer geworden, passt aber nach wie vor hervorragend zur Musik.

Insgesamt haben HEATHEN alles richtiggemacht. Empire Of The Blind macht richtig Spass, Tracks und Atmosphäre harmonieren, die Texte sind tiefgründig, behandeln aktuelle Themen, und das Album klingt trotz der gestückelten Entstehungsphase wie aus einem Guss.
Aber... All jene, welche HEATHEN aus ihren Anfangstagen kennen, werden den besonderen Charakter der Band und die stilistische Ausrichtung von Breaking The Silence und Victims Of Deception sicherlich vermissen. Diese Zeiten dürften ein für alle Mal vorbei sein. Das macht Empire Of The Blind keineswegs zu einem schlechten Album. HEATHEN 2020 klingen einfach nur anders. Vielleicht noch nicht besonders originell, aber das kann ja noch kommen. Die Nähe zum Thrash und den Bay Area Grössen sollten sie aber meiden, dafür fehlt es HEATHEN heuer an Aggressivität.
Im Übrigen zocken beim Instrumental A Fine Red Mist neben dem ehemaligen HEATHEN Gitarrist Doug Piercy auch Gary Holt und Rick Hunolt von Exodus.