Irgendwie haben französische Bands immer einen ganz besonderen Charme. Zumindest für mich. Einen, den ich nie wirklich fassen oder exakt beschreiben könnte. Dabei ist es völlig egal, um welches Genre es sich handelt.
Da machen auch die jüngst (2020) gegründeten ǤỨŔŪ keine Ausnahme. Das erste Lyric-Video, Bathed In Sunlight, welches mit der Pressemitteilung zum Debütalbum veröffentlicht wurde, hat mich umgehend in den Bann gezogen. Die Band selbst hält sich bedeckt und ist so mysteriös wie der Bandname. Die Mitglieder firmieren nur unter ihren Vornamen und kommen aus verschiedenen Ecken Frankreichs. Mehr Informationen gibt es nicht.
Ich habe keine Ahnung, ob der Bandname in seiner Schreibweise eine besondere Bedeutung hat oder ob das nur überbordende Diakritika des spanischen „el gurú“ sind (das französische "le gourou" passt ja nicht). Spanisch deshalb, weil das Cover-Artwork einen Ausschnitt aus Goyas „La romería de San Isidro“ darstellt, eine der sogenannten Black Paintings, die zu seinem Lebensende hin in Madrid entstanden sind. Interessanterweise sind die Texte aber in englischer Sprache verfasst.
Ähnlich wie in Goya’s Black Paintings, entfaltet sich auch auf dem Debüt Nova Lvx eine intensive und bedrückend düstere Atmosphäre. Musikalisch wie lyrisch. Dafür fusionieren ǤỨŔŪ Black mit Doom Metal, lassen aber auch eine ordentliche Portion epischen Pagan Metal einfliessen. Der Gesang von Jerry wechselt von abgrundtiefen Growls über klassisches blackmetallisches Krächzen bis hin zu theatralischen opernartigen Klargesang. Genau dann wird es auch immer episch und erinnert deutlich an Primordial’s Nemtheanga erinnert, besonders bei Pilgrim On The Path Of Tears. Mir kommen insgesamt aber auch Arcturus in den Sinn.
Das Intro zum Opener In The Crimson Smoke, mit seinen langgezogenen Tönen und semi-akustischen Anschlägen, lässt einen kurz an Sólstafir denken, geht dann aber in klassischen Black Metal über, dem abwechselnd doomige, klargesungene Abschnitte und blackmetallische Blastparts folgen. Der Track ist trotz seiner knapp 9 Minuten abwechslungsreich, ja geradezu kurzweilig, bleibt aber irgendwie nicht wirklich hängen.
Bei Pilgrim On The Path Of Tears fangen ǤỨŔŪ doomig an und wechseln dann zügig in einen sehr lässigen aber im gemächlichen Mid-Tempo belassenen Immortal/Abbath Black’n’Roll-Modus, inklusive leidenschaftlicher ugh’s. Man erwartet regelrecht über kurz oder lang ein „Mighty Ravendark“ zu hören zu bekommen ;)
Der Doom Metal vollends ausgespielt wird dann im folgenden Track Bathed In Sunlight, der zunächst schwerst in Melancholie schwelgt und langsam vor sich hin mäandert, dann aber mit einem prägnanten Riff und mit epischen Gesängen aufwartet. Kein Black Metal, keine Blastparts.
Abgerundet wird das Debüt vom Titeltrack Nova Lvx, dem kürzesten und eingängigsten Song auf dem Album. Die Basslinien sind markant aber auch lässig und geben dem Song sowas wie einen beschwingten Touch. Der Gesang changiert zwischen typischem Gekrächze und epischen Nova Lux Schlachtrufen, zu denen man unwillkürlich die Fäuste in den Himmel reckt. Harte Gitarrenanschläge und immer wieder eingestreute Blastparts treffen auf eine eingängige Melodie. Und selbst die Gitarren-Solos fallen auf und bleiben hängen. Ein extrem geiler Song, bei dem man komplett ausrasten möchte und den man am besten bei voller Lautstärke geniesst. Killer!
Zugegeben, hier und da verlieren sich ǤỨŔŪ ein wenig, werden zuweilen belanglos oder klingen zu sehr nach bereits bekannter Kost. Gerade die ersten beiden Songs hinterlassen wenig bleibenden Eindruck. Das ist objektiv gesehen ein bisschen mager und die vergebenen 7.5 Punkte daher mehr als wohlwollend, weil Nova Lvx dann doch, und trotz allem, ein (für mich) faszinierendes Debüt ist. Eines, das hypnotisiert, eines, das dieses besondere Etwas an sich hat und dass ich wirklich gerne mag. Und Nova Lvx macht, ob seiner kurzen Laufzeit, auch beim zehnten Mal immer noch sehr viel Freude und wird weder langweilig noch ermüdend. Das punktet. Ich bin gespannt, wie es weitergeht!