GRAVEWORM – Diabolical Figures

 
Label: Massacre Records
Release: 26.06.2009
Von: Stormlord
Punkte: 7/10
Time: 42:08
Stil: Black/Death/Gothic Metal
URL: Graveworm
 
Schon nach ein paar Sekunden des flotten Openers Vengeance Is Sworn ist klar: GRAVEWORM haben sich einen eigenen Sound erarbeitet, der diesmal wieder mehr melodische Black Metal Einflüsse integriert. Klarerweise wurde die moderat heftige Musik von Andy Classen im Stage One Studio in ein sehr gutes Soundgewand gesteckt. Auf der einen Seite denkt man sich als Fan der Band: gut, dass sich nur minimale Veränderungen ergeben haben – doch andrerseits meine ich gleichzeitig, dass die Band ihr kreatives Potential nicht vollends auszuschöpfen vermag.

Natürlich können GRAVEWORM nach wie vor sehr gute Songs komponieren. Sie vergessen neben dezenter Aggression auch niemals ruhige Klänge oder lassen neben der durchgehend melodischen Gitarrenarbeit auch das Keyboard als tragendes Element in den Vordergrund treten. Zwischendurch dominiert auch stampfendes Midtempo, vermischt sich mit gekreischten Passagen und headbangerfreundlichen, treibenden Riffs, die den Zuhörer wiederholt die Faust gen Himmel recken lassen. Gut gelungen ist die Mischung beim Titelstück Diabolical Figures, das mit nett eingestreuten Keyboardsequenzen im Hintergrund aufwartet - nur leider muss ich auf einen zwingenden Refrain vergeblich warten.
Auch beim folgenden Hell’s Creation stimmt eigentlich alles: ein Rhythmus, bei dem ich immer mit muss, explosive Gitarrenleads, unaufdringliche Keys, die eine hymnische Note mit einbringen – doch ein alles krönender Chorus kommt mir leider auch dieses Mal nicht zu Gehör. Forlorn Hope ist danach mit spartanischer, moderner Schlagseite gewürzt, variiert das Tempo in fließender Weise, setzt mit coolem Groove Akzente und der Refrain schlägt dann auch höhere (Schall-)Wellen: dieses Stück bleibt im Gedächtnis!
Bei Architects Of Hate fällt die Eingängigkeit vollends der Aggression zum Opfer, weshalb dieses Liedchen spurlos und unspektakulär an mir vorüberplätschert. Noch schneller gehen GRAVEWORM während New Disorder vor, das dem Titel entgegengesetzt aber durchaus einen strukturierten Aufbau besitzt – trotzdem bleiben die Südtiroler hier ein wenig farblos. Die scheinbar unvermeidliche Coverversion Message In A Bottle ist nett, aber… wie sag’ ich’s denn bloß… verzichtbar, weil nicht übertrieben kreativ präsentiert.
Zum Ende hin geben sich während des Titels Ignorance Of Gods melodischer Black Metal und stampfender Dark Metal die Klinke in die Hand. Könnt ihr euch denken, was mir hier erneut wieder ein wenig missfällt? Ja genau, der Widerhaken-Refrain fehlt, der diesen gutklassigen Song veredeln würde. Auch das abschließende Riffgeschrubbe namens The Reckoning mundet mir nicht wirklich, da es halbherzig hingeworfen und nicht überzeugend wirkt.

Somit fällt meine Gesamtwertung recht zwiespältig aus: ich zolle GRAVEWORM Respekt für ihre Konstanz, doch Diabolical Figures fehlt für meinen Geschmack eindeutig an packenden Hooklines und überragenden Refrains. Als langjähriger Fan lege ich die Messlatte sehr hoch und GRAVEWORM schaffen es diesmal nicht, meine Erwartungen zu erfüllen. Da ist auf alle Fälle mehr drin!