Bei GRAVE
FLOWERS handelt es sich um ein schwedisches Zwei-Mann-Projekt,
wobei Matte Andersson (evtl. einigen Lesern noch von Godgory
bekannt) wohl die treibende Kraft darstellen dürfte. Musikalisch
fühle ich mich sehr an Amorphis (Tales From A 1000 Lakes),
Paradise Lost (Gothic, Icon) und teilweise ein wenig My Dying
Bride erinnert. Also Gothic Metal mit viel Gitarrren-Harmonien
(hier sogar zusätzlich mit manchmal extensiven Leads) und
dezenten Keyboards. Der Gesang ist hingegen durchgehend clean
gehalten und ähnelt in der Stimmlage und der Betonung ein
wenig dem von Count Raven, was durch die immer wieder durchschimmernden
Doom-Elemente in der Musik noch verstärkt wird, dabei allerdings
nicht so extrem rüberkommt.
Mit dem Doppelpack At Night und Lackrosy gelingt
dem Duo zunächst ein vielversprechender Einstieg: schöne
Melodien, gekonnte Breaks und die notwendige Abwechslung an
den richtigen Stellen, dazu das ganze gepaart mit einem wohldosierten
Schuss Melancholie. Aber bereits das nächste Stück
Fear Of Future kann diesen Standard nicht mehr halten
und offenbart trotz tieferen Gesangs und schöner Akustikgitarren
doch einige einlullende Längen. Auch die meisten der folgenden
Tracks zeigen deutliche Schwächen und verfahren meist nach
dem Schema: stark anfangen und dann noch stärker nachlassen.
Was man dann so nach dem guten Beginn auch über den restlichen
Verlauf der CD sagen kann, denn nur selten gelingt es, den beabsichtigten
Spannungsbogen wirklich über die gesamte Länge eines
Titels aufrecht zu halten. Spätestens nach der zweiten
Strophe kommen fast immer deutliche Anzeichen von Langeweile
auf, was natürlich auf Dauer nicht gut gehen kann.
Besonders negative Beispiele sind hier die beiden längeren
Stücke gegen Ende, wobei Matte bei Cold Despair
auch gesanglich klar an seine Grenzen stößt. In der
Kaufversion gibt es dann als letztes Stück eine Cover-Version
von Count Raven (wie passend) namens Leaving The Warzone.
Kann ich mich zwar jetzt gerade nicht mehr dran erinnern und
befindet sich auch leider nicht mit auf meinem Promo, aber hier
könnte ich mir schon vorstellen, dass GRAVE FLOWERS
diesen Song gut umgesetzt haben, da der Count Raven-Stil einfach
ideal zu der Stilistik der Band passen dürfte.
Trotzdem ist Incarcerated Sorrows
klar eine der schlechteren Firebox-Veröffentlichungen,
die ich bisher gehört habe. Aufgrund der beschriebenen
Schwächen und der mangelnden Originalität sind da
nicht mehr als 5,5 Punkte drin.