GRANTIG
liefern mit So muss es sein quasi den Präzedenzfall
für ein Album ab, wie man es so aus Deutschland nicht erwartet
hätte. Das noch recht junge Quartett aus München hat
sich nämlich einer präzisen Mischung aus Pantera-Thrash,
Hardcore-Attitüde und straightem In-die-Fresse-Rock verschrieben,
welche dem Hörer mit unwiderstehlichem Groove und viel
Power um die Ohren geblasen wird. Dabei zeigen sie im technischen
Bereich gar keine und im kompositorischen Teil nur minimale
Schwächen (die man aber durch viel Spielfreude kaschiert);
die sehr raue und erdige Produktion sorgt dann endgültig
dafür, dass man eher auf Südstaaten-Metal (aus den
USA, nicht DE *lol*) tippen würde…
…wenn da nicht die deutschen Texte wären, die nach
einer kurzen Eingewöhnungszeit perfekt zur Musik passen
und dem krachigen Gebräu noch den letzten Kick geben. Das
liegt zum einen an Sänger/Gitarrist Jonathan Schmidt, der
mit einem wirklich mächtigen "Throat" aufwarten
kann und daher fast landesweit mit Phil Anselmo-Vergleichen
überzogen wird. Zum anderen sind aber auch die Texte rundherum
gelungen: keine nichts sagenden Plattitüden, keine abgeschmackten
Fun-Texte, keine billigen Schockeffekte, aber auch keine hochgestochene
Intellektellen-Wirrungen oder abgehobenen Moralappelle, sondern
vielmehr treffende Situationsbeschreibungen, mit klaren Worten,
dem nötigen Maß an Ironie und Verve vorgetragen.
Davon könnten sich andere Bands echt 'ne Scheibe abschneiden!
Kein Wunder also, dass GRANTIG bei mir derzeit zum Dauergast
im CD-Schacht bzw. MP3-Player geworden sind. Thrash-Granaten
wie Jeder kann es schaffen, Sodom und Gomorrha
oder der (textlich) bitterböse Totentanz stehen
gleichberechtigt neben Groove-Monstern wie dem Titel-Track oder
Wir haben nichts dazu gelernt. Die Abwechslung kommt
also nicht zu kurz, und zum Abschluss gibt es mit Immer wieder
sogar noch eine gelungene, stark Blues-angehauchte Ballade.
Das größte Plus stellt für mich aber die extrem
direkte Ausstrahlung von So muss es sein dar,
die Scheibe kommt einfach sofort auf den Punkt, in den Stücken
finden sich ebenfalls keinerlei Mätzchen, und es wird ohne
Umschweife gnadenlos nach vorne gerockt, bis auch die letzte
Faust oben ist und sämtliche Kehlen heiser sind. So muss
es sein! 9 Punkte.