Freunde
der Nacht, da klappt mir das Messer in der Tasche auf! Ich zitiere
den ersten Satz des Promoflyers: „Metal Attitüde
und brandneue Melodien, das zeichnet die italienischen Metaller
GODDASS aus.“ Der Experte der diesen und die folgenden
Sätze geschrieben hat, ist wohl unbedingt drauf aus, die
italienische „Nachwuchs-Combo“ in den Dreck zu reiten.
Zur Klarstellung: Wir reden hier von Metalcore! Wenn ich mich
verscheißern lassen möchte, dann bitte mit Niveau.
Aber da kann ja die Band nichts für.
2004 in Turin gegründet hauen die im Schnitt 20-jährigen
italienischen Hengste mit My Beautiful Sin nach
zwei selbstproduzierten Scheiben und einer EP ihr erstes Werk
unter Vertrag bei Firefield Records raus. Schon mit den ersten
Scheiben konnten GODDASS ordentliche Erfolge bis hin
zu einer Headlinertour im Jahr 2007 in Großbritannien
einsacken. Wohl auch deswegen hat das schwäbische Label
für das aktuelle Werk Matt Hyde als Produzenten an die
Regler gestellt. Mit Machine Head, Bullet For My Valentine und
Trivium als seine Referenzen scheinen Firefield großes
mit GODDASS vorzuhaben. Und ja, die Produktion punktet
auf ganzer Linie! Aber was ist nun mit den vollmundigen Versprechen
von der Entdeckung neuer Klangwelten? So ganz neu, wer hätte
es gedacht, sind die nun nicht mehr. Vielmehr beschäftigen
sich die vier Italiener damit, Metal der Melodie beizumischen
und so die Pole geschickt zusammenzuführen. Das gelingt
ihnen auch. Spielerisch sind die Jungs voll auf der Höhe,
zweifelsohne. Melodische Hooklines zaubern sie genauso aus dem
Hut wie fette Metalparts, ja sogar bis hin zu einer eher für
My Beautiful Sin Verhältnisse untypischen
Überschallnummer You (Hate), wobei der Track sich
mit zunehmender Spielzeit wieder in die melodische Bahnen einnordet.
So richtig abkaufen will ich die Nummer allerdings nicht, denn
hier liegt genau das, was ich GODDASS ankreide. So gut
wie sie auch spielen und auftreten, so unspektakulär und
frei von Überraschungsmomenten ist die Scheibe. You
(Hate) bildet eher den Ausgleich für die Kuschelnummer
Never And Over. Der Hauch von eiskalter Berechnung will
einfach nicht weichen sondern entwickelt sich mehr und mehr
zu einem Luftzug. Gut arrangierte Double-Bass und Songstrukturen,
Breakdowns, Melodiegeschwängerte Riffs und Vocals…
auf gutem Niveau. Ob das vorhandene Material für die angedachte
US-Tour und dem satten Markt reicht? Diesen einen Überraschungsmoment
nehme ich gerne mit.