Vertrackte
Rhythmik, düster, bedrohlich grummelt es, prescht nach
vorne, schlägt Haken und stürzt sich ungestüm
auf den geneigten Hörer. Unterstützt durch deutsche
Texte, tatsächlich eigenwillig passend und genau beobachtend,
bewegen sich die meisten Lieder auf GEISTs Album Für
Alle Zeit im Midtempobereich. Oft wird beim Tempowechsel
sogar gedrosselt anstatt zugelegt. Das Titelstück, die
Ballade Für Alle Zeit ist der Höhepunkt –
neben dem phantastischen Einssein, welches den Hidden
Track einleitet. Eine Erfindung mit der ich immer noch auf
Kriegsfuß stehe, selbst wenn der Abschluss wie hier äußerst
gelungen ist. - eines spannenden und abwechslungsreichen Albums.
Hier erinnert Fares Rahmuns starke Stimme stellenweise an Peter
Heppner, rückt aber im weiteren Verlauf wieder näher
an Eddie Vedder, was den Songs teilweise herzhaftes Grunge-Feeling
verleiht. Nicht als Wiederholung ewiger Verdrießlichkeiten
ersonnen in verregneten Großstädten, sondern als
kreatives und beseeltes Spiel mit neuer deutscher Härte.
Es brauchen keine Geschwindigkeitsrekorde gebrochen, kein Schlagzeug
niedergeknüppelt werden; stattdessen treibende Bassläufe,
ökonomisch eingesetzte Gitarren von beißend bis sacht
akustisch und ein Drummer, dem auch komplizierte Rhythmen scheinbar
locker von der Hand gehen. Dazu ein Sänger, der sich zwar
durch dunkelste Beziehungswinkel wühlt, der aber sowohl
Betroffenheitslyrik wie Jammeroden außen vor lässt.
Tiefer Respekt für jemanden, der Zeilen wie „und
wieder ducke ich mich vor deiner Unberechenbarkeit“ sehr
überzeugend ausstößt. Wenig Plattheiten, kein
Rothenbaumchausee-Weltschmerz á la Blumfeld, kein Scharwenzeln
um die Großartigkeit des eigenen Leidens wie bei Naidoo
und Konsorten.
Ganz starker Einstieg – selbst wenn Tool (die gerne als
Vergleich herangezogen werden) noch konsequenter, melancholischer
und vertrackter zur Sache gehen - vor allem da die Kölner
Band mit Für Alle Zeit ihr Debütalbum
vorlegt. Da ist Spiel drin, und die Möglichkeit einen eigenen
Weg zu gehen, abseits der neuen deutschen Schrammelbands samt
ihrer frischfrommfröhlichfreien Pennälerlyrik. Wir
sind gespannt… und hören Für Alle Zeit
mit wachsender Begeisterung.
PS.: Der Song aus
dem Versteck: ich geb’s zu – selten einen passenderen
Schrei nach der Stille gehört.
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