GEIST – Für Alle Zeit

 
Label: Danse Macabre
Release: 30.03.2007
Von: Joking
Punkte: 8.5/10
Time: 64:59
Stil:

Alternative/Progmetal/
Grunge/Art- Rock

URL: Geist
 
Vertrackte Rhythmik, düster, bedrohlich grummelt es, prescht nach vorne, schlägt Haken und stürzt sich ungestüm auf den geneigten Hörer. Unterstützt durch deutsche Texte, tatsächlich eigenwillig passend und genau beobachtend, bewegen sich die meisten Lieder auf GEISTs Album Für Alle Zeit im Midtempobereich. Oft wird beim Tempowechsel sogar gedrosselt anstatt zugelegt. Das Titelstück, die Ballade Für Alle Zeit ist der Höhepunkt – neben dem phantastischen Einssein, welches den Hidden Track einleitet. Eine Erfindung mit der ich immer noch auf Kriegsfuß stehe, selbst wenn der Abschluss wie hier äußerst gelungen ist. - eines spannenden und abwechslungsreichen Albums. Hier erinnert Fares Rahmuns starke Stimme stellenweise an Peter Heppner, rückt aber im weiteren Verlauf wieder näher an Eddie Vedder, was den Songs teilweise herzhaftes Grunge-Feeling verleiht. Nicht als Wiederholung ewiger Verdrießlichkeiten ersonnen in verregneten Großstädten, sondern als kreatives und beseeltes Spiel mit neuer deutscher Härte. Es brauchen keine Geschwindigkeitsrekorde gebrochen, kein Schlagzeug niedergeknüppelt werden; stattdessen treibende Bassläufe, ökonomisch eingesetzte Gitarren von beißend bis sacht akustisch und ein Drummer, dem auch komplizierte Rhythmen scheinbar locker von der Hand gehen. Dazu ein Sänger, der sich zwar durch dunkelste Beziehungswinkel wühlt, der aber sowohl Betroffenheitslyrik wie Jammeroden außen vor lässt. Tiefer Respekt für jemanden, der Zeilen wie „und wieder ducke ich mich vor deiner Unberechenbarkeit“ sehr überzeugend ausstößt. Wenig Plattheiten, kein Rothenbaumchausee-Weltschmerz á la Blumfeld, kein Scharwenzeln um die Großartigkeit des eigenen Leidens wie bei Naidoo und Konsorten.
Ganz starker Einstieg – selbst wenn Tool (die gerne als Vergleich herangezogen werden) noch konsequenter, melancholischer und vertrackter zur Sache gehen - vor allem da die Kölner Band mit Für Alle Zeit ihr Debütalbum vorlegt. Da ist Spiel drin, und die Möglichkeit einen eigenen Weg zu gehen, abseits der neuen deutschen Schrammelbands samt ihrer frischfrommfröhlichfreien Pennälerlyrik. Wir sind gespannt… und hören Für Alle Zeit mit wachsender Begeisterung.

PS.: Der Song aus dem Versteck: ich geb’s zu – selten einen passenderen Schrei nach der Stille gehört.