GEÏST – Kainsmal

 
Label: Cold Dimensions
Release: 10.07.2006
Von: Seb
Punkte: 10/10
Time: 37:00
Stil: Black Metal
URL: Geist
 
GEÏST ist eine weitere der in jüngster Zeit emporstrebenden deutschen Black Metal Bands. Obwohl die Band erst im vergangenen Jahr gegründet wurde, ist nun schon das zweite Studioalbum Kainsmal auf die Welt losgelassen worden. Ein solches Arbeitstempo legt natürlich die Befürchtung nahe, dass GEÏST möglicherweise im Überschwang nach dem beeindruckenden Erstling Patina unreifes Material heraushauen, wie das ja leider in vergleichbaren Situationen schon häufig vorkam. Aber weit gefehlt...
Kainsmal schafft es meiner Ansicht nach mühelos, an die Qualität des Vorgängers anzuknüpfen und diese in vieler Hinsicht noch zu steigern. Zum einen gefallen mir die sozusagen „gesteigerte Durchschnittsgeschwindigkeit“ und die gesteigerte Aggressivität, die sich insgesamt erkennen lassen, sehr gut. Zudem ist diesmal auch kein einziger der Songs zu langatmig geraten, auch das ein Schritt nach vorne. Zusätzlich gewinnt Kainsmal durch neu hinzugewonnene Elemente, unter anderem durch das Mitwirken zweier Gastmusiker die für Atmosphäre und Keyboards zuständig waren. Glücklicherweise sind bei dem aber alle Eigenschaften, die schon den Vorgänger zu einem sehr guten Album gemacht haben, erhalten geblieben. GEÏST spielen nach wie vor Black Metal, der aber durch ungewöhnliche Arrangements und Songstrukturen wesentlich emotionaler, düsterer und spannungsgeladener wirkt, als das meiste das man sonst in diesem Bereich geboten kommt. Als Referenzstück für alles, was die Band zu leisten imstande ist, kann man vermutlich das grandiose Titelstück des Albums nehmen: Aus einer akustischen Einleitung geht es zunächst über in einen kurzes rasenden reinen Black Metal Part, welcher in einen ruhigen, machtvollen doomigen Mittelteil mündet. Urplötzlich schlägt dieser wieder in zornige Raserei um, um dann die größte Überraschung auf Kainsmal bereitzuhalten: Mitten in das Getöse hinein hört man Klaus Kinski Nietzsches „Vereinsamt“ rezitieren, und im Verlauf dieses an Hoffnungslosigkeit genau zu den restlichen Texten passenden Gedichts verlangsamt sich die Musik bis, man wieder bei Akustikgitarren angekommen und ganz am Ende nur noch für die letzten Zeilen Kinski zu vernehmen ist. Ähnliches könnte man auch über die fünf anderen Titel zu Papier bringen, die mit Anspielungen und Zitaten auf deutsche Dichtkunst und auch eigenen vorzüglichen Texten aufwarten und musikalisch genauso beeindruckend sind.
Ich mag jedoch jedem lieber empfehlen, sich das Album einfach zu kaufen, und es sich wieder und wieder anzuhören, so wie es mir auch ergangen ist, nachdem es die erste Runde im Player hinter sich hatte. Wer davon nicht in seinen Bann gezogen wird, muss schon taub sein ;)