GEÏST
ist eine weitere der in jüngster Zeit emporstrebenden deutschen
Black Metal Bands. Obwohl die Band erst im vergangenen Jahr
gegründet wurde, ist nun schon das zweite Studioalbum Kainsmal
auf die Welt losgelassen worden. Ein solches Arbeitstempo legt
natürlich die Befürchtung nahe, dass GEÏST
möglicherweise im Überschwang nach dem beeindruckenden
Erstling Patina unreifes Material
heraushauen, wie das ja leider in vergleichbaren Situationen
schon häufig vorkam. Aber weit gefehlt...
Kainsmal schafft es meiner Ansicht
nach mühelos, an die Qualität des Vorgängers
anzuknüpfen und diese in vieler Hinsicht noch zu steigern.
Zum einen gefallen mir die sozusagen „gesteigerte Durchschnittsgeschwindigkeit“
und die gesteigerte Aggressivität, die sich insgesamt erkennen
lassen, sehr gut. Zudem ist diesmal auch kein einziger der Songs
zu langatmig geraten, auch das ein Schritt nach vorne. Zusätzlich
gewinnt Kainsmal durch neu hinzugewonnene
Elemente, unter anderem durch das Mitwirken zweier Gastmusiker
die für Atmosphäre und Keyboards zuständig waren.
Glücklicherweise sind bei dem aber alle Eigenschaften,
die schon den Vorgänger zu einem sehr guten Album gemacht
haben, erhalten geblieben. GEÏST spielen
nach wie vor Black Metal, der aber durch ungewöhnliche
Arrangements und Songstrukturen wesentlich emotionaler, düsterer
und spannungsgeladener wirkt, als das meiste das man sonst in
diesem Bereich geboten kommt. Als Referenzstück für
alles, was die Band zu leisten imstande ist, kann man vermutlich
das grandiose Titelstück des Albums nehmen: Aus einer akustischen
Einleitung geht es zunächst über in einen kurzes rasenden
reinen Black Metal Part, welcher in einen ruhigen, machtvollen
doomigen Mittelteil mündet. Urplötzlich schlägt
dieser wieder in zornige Raserei um, um dann die größte
Überraschung auf Kainsmal bereitzuhalten:
Mitten in das Getöse hinein hört man Klaus Kinski
Nietzsches „Vereinsamt“ rezitieren, und im Verlauf
dieses an Hoffnungslosigkeit genau zu den restlichen Texten
passenden Gedichts verlangsamt sich die Musik bis, man wieder
bei Akustikgitarren angekommen und ganz am Ende nur noch für
die letzten Zeilen Kinski zu vernehmen ist. Ähnliches könnte
man auch über die fünf anderen Titel zu Papier bringen,
die mit Anspielungen und Zitaten auf deutsche Dichtkunst und
auch eigenen vorzüglichen Texten aufwarten und musikalisch
genauso beeindruckend sind.
Ich mag jedoch jedem lieber empfehlen, sich das Album einfach
zu kaufen, und es sich wieder und wieder anzuhören, so
wie es mir auch ergangen ist, nachdem es die erste Runde im
Player hinter sich hatte. Wer davon nicht in seinen Bann gezogen
wird, muss schon taub sein ;)