Der
erste Eindruck löst Erstaunen, wenn nicht gar Entsetzen
aus: da werben GANG LOCO doch tatsächlich mit der
Zusammenarbeit mit dem „Splatterfilm Regisseur Andreas
Schnaas“. Schnaas verdanken wir den grottigen „Violent
Shit“ und seine nicht minder missratenen Geschwisterchen,
Kinder und Kindeskinder. Schnaas ist zwar nicht ganz so untalentiert
wie der andere Andreas namens Bethmann, aber Welten trennen
die Beiden auch nicht gerade…
Hier soll offensichtlich eine Affinität beschworen werden,
die an Quentin Tarantinos und vor allem Robert Rodriguez Zusammenarbeit
mit Tito & Tarantula gemahnt: Denn im neuen Machwerk des
Herrn Schnaas zeichnen GANG LOCO nicht nur für die
Musik verantwortlich „sondern stehen gleichermaßen
als degenerierte Zombieband vor der Kamera“. Doppel-Aua.
Dabei hat die Band diese Anbiederung an die Niederungen deutschen
Filmschaffens gar nicht nötig.
Denn No Better Tomorrow ist ein Album, dessen
musikalische Qualität Meilen vom filmischen Siechtum eines
Andreas Schnaas entfernt ist. GANG LOCO bieten schnörkellosen
Garagenrock mit kleinen Überraschungen, der auch nach mehrmaligem
Hören nicht nervt. Die Band brettert durch’s Album
wie ein fetter Truck, der zwar die Autobahn verpasst hat, aber
auf der Landstraße die Sau rauslässt. Nebenbei wird
eigenwillig und gut It’s No Good von Depeche Mode
gecovert, als wären Synthesizer nie erfunden worden. Das
kracht, rumpelt, macht Spaß und lässt auch manche,
wenig originelle Melodienführung vergessen. Selbst die
Beinahe-Balladen wissen zu gefallen, in Bad Mojo sogar
mit Harmonika. Abschluss und eines der besten Stücke des
Albums. Alles im vollfetten grünen Bereich. Da braucht
es doch keinen Andreas Schnaas als Schützenhilfe…
oder etwa doch??? Wenn dem so wäre, dann: armes Deutschland.
No Better Tomorrow wird hiermit artig ans Herz
gelegt - als Tanzbodenaufmischer und gern gesehener Gast auf
der nächsten Halloweenparty.
PS.: Interessanterweise verweist die Band mit dem Albumtitel
auf ungleich Größeres als ein kleindeutsches Splatter-Universum:
in eine Zeit und Welt, in der John Woo noch richtig gute Filme
drehte…