GAIL OF GOD - Severed
Label: Apollyon
Release: 10.01.2003
Von: Psycho
Punkte: 6,5
 
Gar nicht mal so üblen Krach präsentieren uns GAIL OF GOD auf ihrem zweiten Album Severed. Was durchaus lobend gemeint ist; zwar kenne ich das Debüt 5th Angel nicht, aber die Reviews waren seinerzeit alles andere als berauschend. Insofern kann man diesmal schon einen Schritt nach vorne attestieren, denn das Album klingt insgesamt relativ rund und brutal, mit einer recht wuchtigen und krachenden Produktion, bei der der Schwerpunkt klar auf den Gitarren liegt. Insgesamt ein Silberling, den man sich ziemlich gut anhören kann.

Dabei wird, man höre und staune, nicht wie üblich ungeniert bei den angesagten Szenegrößen geklaut, sondern für meinen Geschmack ist hier doch bereits eine gewisse Eigenständigkeit zu erkennen, die es allerdings noch auszubauen gilt. Über das gesamte Album wirkt Severed nämlich noch zu monoton, auch wenn das für ein Industrialalbum zunächst etwas merkwürdig klingt. Es fehlt hier aber einfach noch an der Masse beklemmender Sounds und Melodien, welche die CD über die gesamte Länge tragen könnten.

Richtig überzeugend finde ich daher eigentlich nur den fünften Track, Closed Circuit, der wirklich geil und brutal alles niederwalzend rüberkommt. Bei den restlichen Stücken finden sich immer wieder gute Ansätze, aber der letzte Kick fehlt meistens noch, so z.B. beim Opener Human, dem teilweise psychotisch klingenden Here I Am oder dem mich, wie einige andere Stücke auch, in manchen Passagen entfernt an die ganz harten Seigmen erinnernde Wormhole. Wobei allerdings klar gesagt sei, dass die Norweger (jetzt Zeromancer) in einer ganz anderen Liga anzusiedeln sind (oder waren...). Trotzdem findet sich die eine oder andere strukturelle Parallele, und auch die Melodieführung geht manchmal ein wenig in diese Richtung. Wobei das aber wirklich immer nur vereinzelte Momente sind, die GAIL OF GOD insgesamt nicht ihren spezifischen Stempel aufdrücken. Mal schauen, wie sich das noch weiter entwickelt...

Bleibt zum Schluß noch zu erwähnen, dass Mainman Gail Liebling bei der nächsten Veröffentlichung in Punkto optische Gestaltung der Verpackung professionellere Hilfe in Anspruch nehmen sollte. Das beweist nämlich nicht nur das völlig lächerlich aussehende Cover, sondern auch die restliche Booklet-Gestaltung. Beides kommt über Demo-Niveau (wenn überhaupt) nicht hinaus und wirkt schlicht und ergreifend billig. Vielleicht war das aber wirklich nur eine Frage des Geldes, auch wenn andere Bands mit vermutlich ähnlich bescheidenen Mitteln deutlich bessere Resultate erzielen.

Gail Of God