BEN FROST – All That You Love Will Be Eviscerated EP

 
Label: Mute
Release: 23.03.2018
Von: BRT
Punkte: 8.5/10
Time: 31:08
Stil: Electronic/Experimental/Ambient
URL: Ben Frost
 

Die Schublade mit dem ganzen Rock & Metal Zeug war dem Rezensenten gerade mal wieder etwas zu klein und überfüllt, also schnappte er sich ganz geschwind die aktuelle EP des australischen (und in Island residierenden) Experimental-Elektronikers BEN FROST, um ein bisschen den Kopf frei zu bekommen. Nicht dass ich von der Musik grundsätzlich monstermäßig die Ahnung hätte… aber Künstler wie Brian Eno, Brian Williams (Lustmord) oder Fennesz landen schon recht oft im Player, somit ist der Ausflug in elektronische Sphären keineswegs sporadischer Natur.
BEN FROST hat bereits unzählige Alben, Soundtracks und Kollaborationen veröffentlicht, ist in der elektronischen Welt somit kein ganz Unbekannter mehr. Seine Musik ist aber weder dem flächig-sphärischem Ambient, noch der beat-lastigen Tanzmusik oder den Sequenzer Ausflügen der Berliner Schule zuzuordnen. Sie erzeugt aber dennoch Atmosphäre, Stimmungen und Bilder. Hier treffen Filmmusik-ähnliche Soundscapes auf Störgeräusche, Noise & Drones, Herzschlag-artige Beats und dramatische Wendungen aufeinander, so dass die Musik keinen klassisch meditativen Effekt hat - die einzelnen Songs erzählen eher eine jeweils eigene Geschichte.
All That You Love Will Be Eviscerated ist eine spannende und atmosphärische Platte, die Bock macht, sich mit dem Schaffen des Künstlers näher auseinanderzusetzen. Die Platte lullt nicht ein, sorgt immer dafür dass man aufmerksam bleibt, da das klassische Muster, welches die elektronische Musik allzuoft verströmt, immer wieder aufgebrochen wird. Sie ähnelt eher einem Soundtrack, in dem die einzelnen Tracks die einzelnen Kapitel repräsentieren – wechselnd von entspannt über verstörend bis hin zu bedrohlich. Schade, dass die EP mit 31 Minuten dann doch zu kurz ist.
All That You Love Will Be Eviscerated ist Musik für einen dystopischen Science-Fiction-Film, nicht zu düster aber immer beunruhigend.
Namedropping: Künstler wie Tim Hecker oder Fennesz sind vermutlich vergleichbar, da sie einen ähnlich unkonventionellen Ansatz elektronischer Musik anbieten wie BEN FROST.