EBONY ARCHWAYS – Misanthropia
 
Label: Kvlt und Kaos Productions
Release: 31.05.2024
Von: Stormlord
Punkte: 10/10
Time: 45:36
Stil: Dark Metal
URL: Ebony Archways
 

Die Natur entlädt ihre sanfte Gewalt gerade in einem frühsommerlichen Gewitter, während die ersten Töne des kraftvollen Openers Drowning For A Breath ins Ohr perlen. Die Musik wirkt teils wie ein wütender Regenguss, dann wieder beruhigend dahinmäandernd wie ein gemächlicher Strom. Die Akustikgitarren erinnern an einen glasklaren Gebirgsbach, die sonore Stimme gibt den Songs eine tragische Tiefe. Im vokalen Bereich offerieren uns die Musiker auf ihrem neuen Werk mehr Abwechslung als früher: neben den charakteristischen Beiträgen von Michel bringen die weiblichen Parts und mehrstimmigen Passagen auf jeden Fall spannende Variationen ins Spiel. Tempomäßig lotet das Quintett die Skala von zart bis hart wunderbar aus. Die rifflastige und gitarrenorientierte Ausrichtung kommt durch die gelungene kraftstrotzende Abmischung sehr gut zur Geltung. Die Gitarrenarrangements sind ausgefeilt und variieren wohltuend in ihrer teils zweistimmigen Detailverliebtheit. Die emotionalen Texte strahlen eine düstere Melancholie aus, doch es gibt musikalisch nicht nur Schwermütiges, sondern auch rockige Power und kampfeslustiges Aufbegehren. Der Volltreffer Nothing ist ganz und gar nicht nichts, sondern bietet neben schönen mehrstimmigen Gesangspassagen elegische Leads und feinsinnige orchestrale Veredelung. Ein großartiger Song! Allgemein bleiben viele Gesangslinien sofort im Ohr hängen, ohne offensichtlich auf Catchiness getrimmt worden zu sein - und diese unaufdringliche Effektivität strahlt Spielfreude, Komponiergeschick und ein gutes Händchen für Ohrwurmmelodien aus. Coole Breaks wie im Verlauf von Demon On My Trail sind rhythmische Kniffe, die für zusätzlich Pfeffer in der Dark-Rock-Suppe sorgen. Schwelgerisch und getragen geht es bei Lost My Anchor (wieder mit weiblicher Unterstützung von Gastsängerin Lorena Valta) zu, hier gefällt der Spoken Word-Part und das zügige Drumming besonders gut. Das Riffing von Embers tendiert Richtung Melodic Death und glänzt zudem durch prägnante Leadmelodien und Stop-And-Go-Rhythmik. Eine Prise Doom und Machine Head/Gojira-artige Gitarrenspielereien und thrashige Vibes durchziehen das kaskadenartig treibende Our Palace. Danach tun die zurückhaltenden Einleitungsklänge des etwas sperrigen Thorny Crown gut, fordern aber im weiteren Songverlauf volle Konzentration; die Backgroundvocals (obey! dismay! decay!) animieren zum Mitsingen, das flirrende Solo und zurückhaltende Töne lockern das coole Groove-Gerüst auf. Die überfallsartigen Blasts des Abschlussknallers Venom Calls überraschen neben den interessanten Drumfiguren, den gewohnt coolen Gesangslinien und dem ausgefeilten Riffing inklusive herzerweichendem Akustikteil gar nicht mehr, denn die Band zeigt sich 45 Minuten durchgehend in bärenstarker Verfassung!

So kraftvoll, beherzt und lebendig klangen EBONY ARCHWAYS noch nie – hoch lebe (die) Misanthropia!