DEVIN TOWNSEND PROJECT – Addicted

 
Label: InsideOut
Release: 13.11.2009
Von: Joking
Punkte: 7/10
Time: 46:43
Stil: Heavy Bombastic Pop Metal
URL: Devin Townsend Project
 
Mit Addicted erscheint nach Ki der zweite Teil des auf vier Alben angelegten, gerne als Selbstfindungsmaßnahme umschriebenen, Zyklus des DEVIN TOWNSEND PROJECTs.
Wie sagt der Meister: „Mit Ki habe ich musikalisches Neuland beschritten [...] Addicted dagegen ist total simpel: 10 schnörkellose, rockende Songs“.
Naja, „total simpel“ stellt man sich irgendwie anders vor.

Das Album rockt tatsächlich, aber es ist dermaßen überladen und auf vordergründigen Krawall produziert, dass man nur staunend zugucken kann, lustig auf und ab hopsen, oder ob dieses voluminösen Soundgewitters mit Tekkno-Metal-Schlagseite („upta-upta-didel-dam-didel-jah-addicted“, so ähnlich jedenfalls) ins Heulen oder Schwärmen gerät.
Neben
TOWNSEND himself leiht die zauberhafte Anneke van Giersbergen Addicted ihre vorzügliche Stimme. Nach dem Abschied von den Edelmelancholikern The Gathering, darf sie TOWNSENDs aktuelles Album mit glockenheller Fröhlichkeit überziehen, die in, ähem, interessantem Gegensatz zu den schmetternden Gitarrenwällen und der eruptiven Wall of Sound-Technologie, steht.
Das ist teilweise wilde Headbangermucke, die sich zu später Stunde auf der Dorfdisco gut machen würde. Zerbläst das Schützenzelt mit pompösen Klangkaskaden, die zwar nicht vom Sound, aber vom schlicht treibenden Rhythmus, Kirmestekkno mit Arschtritten zum Metal bugsieren (Resolve).
Großer Kracher unter Krachern ist die Semi-Ballade Ih-Ah, fast eine Hommage an Winnie the Poohs existenzialistischen Kumpel Eeyore, deren Einleitung allerdings verdächtig nach einem Vorspiel der Backstreet Boys klingt (Ironie, ick hör dir trapsen?!).
In den Schatten gestellt wird das noch von den Passagen in denen
DEVIN TOWNSEND den Opernsänger gibt (Bend It Like Bender, The Way Home, Numbered). Vor allem Bend It Like Bender ist rauschhaftes Vaudeville-Theater. „We are young and we have fun”, auch wenn es am Ende bei einem “alles in allem“ und “heilige Kuh!” bleibt. Anneke ist sehr überzeugend.

Addicted ist eine überbordende Heavy-Pop-Bombast-Metal-Kegelparty, die immer in die Vollen geht, während der es wabert und knallt, als fände sie in der großräumigen Halle des Bergkönigs statt.
Wer sich noch an Xanadu, die Zusammenarbeit des Electric Light Orchestras mit Olivia Newton-John, erinnern kann, den Regler auf doppelte Geschwindigkeit stellt, hat eine ungefähre Vorstellung davon, wie Addicted klingt.
Ein überkandideltes, durch und durch künstliches Produkt, das auf seine eigene, vermessene Art verdammt gute Laune macht - gleichzeitig aber ein einziger Witz ist.
Ich habe sehr gelacht: „Ih-Ah"...