DER ROTE MILAN – Moritat

 
Label: Unholy Conspiracy Deathwork
Release: 01.02.2019
Von: Stormlord
Punkte: 8/10
Time: 40:34
Stil: Black Metal
URL: Der Rote Milan
 

Bedächtig, nachdenklich, ja beinahe introvertiert beginnen DER ROTE MILAN ihr Werk, doch schon bald bricht der Sturm los und die Blasts zerfetzen die trügerische Zurückhaltung. Fieses Kreischen wurde als vokalistische Ausdrucksform gewählt, rhythmisch akzentuiertes Riffing taucht kurzfristig als Ankerpunkt auf. Flüstern begleitet einen erneut sehr besonnenen Part, der abrupt mit einer heftigen Temposteigerung endet. Hier wird Abwechslungsreichtum groß geschrieben und die Band verlangt des Hörers gesamte Aufmerksamkeit während des Openers Die Habsucht.
Bedrohlich stampfende Grooves und giftig herausgeschrieene Vocals lassen bei Drohende Schatten das Blut in den metallisierten Adern gefrieren, denn der direkte, wütende Zugang vertont die Sagen aus der Bandheimat in authentischer Weise. Die alten Geschichten von Tod und Verderben eignen sich hervorragend für ein schwarzmetallisches Korsett.
Die Musiker mischen beim Tempo sehr gut durch, hin und wieder geht es recht ruhig zu; klar kommt der garstige, fiese Black-Metal-Charakter nie zu kurz. Bei Gnosis Der Vergänglichkeit setzt man auf den Effekt der Gleichförmigkeit, der Song gleitet etwas monoton vorüber und ich vermisse eine Steigerung, die auf einen Höhepunkt zuläuft.
Der Letzte Galgen ist dagegen variabel, spannend und kompakt gestaltet. Einige Rhythmuswechsel steigern das Hörvergnügen nebst vielen Blastbeats, strukturgebenden Riffs und herrlich desperaten Stimmen sowie einigen perfekt integrierten Atempausen. Als schönen Ausklang lassen die Künstler sogar eine dezent folkloristische Note einfließen. Das Intensitätslevel wird stets hoch gehalten, doch Monotonie wird durch geschickte Tempowechsel oder dissonante Zwischentöne sowie interessante Stimmgebung tunlichst vermieden.
Das Abschlussmonster und Titelstück Moritat vereint in breiter ausgerollter Machart alle Stärken: groovige Riffs, die kurz durchblitzen, hexengleiche Vocals, heftige Blasts und sogar ein saucooler Refrain fressen sich durch Mark und Bein. Die Stimmung kippt von purer Aggression hin zu tiefster Verzweiflung und ohnmächtiger Wut. Das geht unter die Haut und zeigt, dass die Band im Vergleich zum Vorgänger Aus Der Asche eine Menge an kompositorischer Reife zugelegt hat und ihr Potential mehr und mehr auszuschöpfen vermag. Moritat stellt sich als sehr gutes Album mit einem furiosen Abschluss heraus!