DRAGON MANDOLE – Bard’s Tale I: Esprits Du Soleil Levant (Spirits Of The Rising Sun)

 
Label: Eigenproduktion
Release: Sommer 2009
Von: Bulletrider
Punkte: 10/10
Time: 79:51
Stil: Asian Ambient/Folk (Metal)
URL: Dragon Mandole
 
Es gibt so Momente, da ahnt man schon, dass man möglicherweise ein musikalisches Kleinod in den Händen hält. So bspw. beim Anblick des in kompletter Eigenregie veröffentlichten Albums Bard’s Tale I: Esprits Du Soleil Levant (Spirits Of The Rising Sun) der französischen Ein-Mann „Band“ DRAGON MANDOLE, welches als liebevoll und wunderschön gestaltetes etwa A5 großes und ausklappbares Digipack daher kommt und von einer antiken, thailändischen Darstellung des Affengottes Hanuman geziert wird. Alles zusammengetragen und gestaltet von Multi-Instrumentalist Padrigh, welcher sich auf Esprits Du Soleil Levant u.a. akustischen und elektrischen Gitarren, Banjos, Mandolinen, Flöten, Drums und noch vielem mehr bedient, womit DRAGON MANDOLE wirklich von Anfang bis Ende als Herzenssache erweist, völlig ohne wie auch immer geartete äußere Einflüsse. Allein dafür gebührt Padrigh gehöriger Respekt.
Auf Esprits Du Soleil Levant schicken Padrigh bzw. DRAGON MANDOLE den Hörer „through unknown places of Asia, from North to South, and to the other secret side“, im wahrsten Sinne durch Traumwelten und bescheren ein außergewöhnliches Klangerlebnis. Zu jedem der elf Lieder finden sich im Digipack sehr persönliche und vielfältige Informationen. Mal werden eigene Träume vertont, mal vergessene Sagen und manche Songs sind sogar Charakteren aus Videospielen oder Animes gewidmet (bspw. aus dem PS2 Spiel ICO und dem Anime „Die Königin der 1000 Jahre“). So viel erstmal zur Aufmachung, zum Hintergrund und zur Idee an sich.
Die musikalische Umsetzung dieses Konzepts in Worte zu fassen, ist allerdings nicht wirklich einfach. Die mit den unterschiedlichsten Instrumenten erschaffenen Sounds von DRAGON MANDOLE lassen sich in den Grundzügen generell schon am besten als traditionell asiatische Klanglandschaften beschreiben. Da ich mich allerdings mit den Ursprüngen dieser Musik nicht wirklich auskenne, muss ich an dieser Stelle einschieben, dass ich mir halt gut vorstellen kann, dass trad. asiatische Musik zumindest in Teilen so klingen könnte. In einer schwierig zu beschreibenden Art und Weise meine ich auch die Einflechtung klassischen Tremolo Gitarren basierten Black Metals herauszuhören – nur dass in diesem Fall die elektrischen Gitarren durch traditionelle Folkinstrumente ersetzt wurden. Das hört sich seltsam an? Ist es auch, definitiv – klingt in der Umsetzung aber großartig! In einigen Songs tauchen zusätzlich dazu auch E-Gitarren auf, die aber eher in den Hintergrund gemischt sind und im eher episch begleitenden Stil daherkommen. Irgendwie erinnern DRAGON MANDOLE in diesen Momenten vage an eine asiatische Version von Bathorys Epik a la Hammerheart. Ich sagte ja – die Musik auf Esprits Du Soleil Levant ist einfach schwierig zu kategorisieren. Nicht, dass ich falsch verstanden werde – mit Metal hat dieses Album trotz dieser Einsprengesel nicht wirklich etwas zu tun. Es ist einfach wunderbare Musik, die sich manchen (wenigen) Stellen metallischer Stilelemente bedient.
Als meine persönlichen Highlights würde ich das ruhige, meditative und irgendwie bedrückende Memories Of Ico, das mächtige (und den Traum einer endlosen Elefantenkarawane perfekt untermalende) La Routes Des Xangs und das epische Les Chevaux Dans Le Matin sowie den 20 minütigen höchst intensiven Schlusstrack En Suivant la Rivière nennen, doch ist Esprits Du Soleil Levant einfach von vorne bis hinten brillant und im wahrsten Sinne des Wortes traumhaft. Ich bin jetzt schon mehr als gespannt, was uns Padrigh/DRAGON MANDOLE auf den folgenden Bard’s Tale Alben, die sich laut Homepage mit anderen Kulturen (baltisch, keltisch etc.) beschäftigen, kredenzen werden. Für Esprits Du Soleil Levant zücke ich begeistert die Höchstnote und begebe mich nach Fertigstellung dieser Rezension erneut in Traumwelten. Fantastisch, einfach nur fantastisch! Zusammen mit der anfangs erwähnten liebevollen, persönlichen Aufmachung und dem wirklich lächerlichen Preis von zehn Euro (inkl. weltweitem Versand!) nichts anderes als ein Meisterwerk und ein Muss für Freunde ruhiger und nicht alltäglicher Klänge.