Es
gibt so Momente, da ahnt man schon, dass man möglicherweise
ein musikalisches Kleinod in den Händen hält. So bspw.
beim Anblick des in kompletter Eigenregie veröffentlichten
Albums Bard’s Tale I: Esprits Du Soleil Levant (Spirits
Of The Rising Sun) der französischen Ein-Mann „Band“
DRAGON MANDOLE, welches als liebevoll und wunderschön
gestaltetes etwa A5 großes und ausklappbares Digipack
daher kommt und von einer antiken, thailändischen Darstellung
des Affengottes Hanuman geziert wird. Alles zusammengetragen
und gestaltet von Multi-Instrumentalist Padrigh, welcher sich
auf Esprits Du Soleil Levant u.a. akustischen
und elektrischen Gitarren, Banjos, Mandolinen, Flöten,
Drums und noch vielem mehr bedient, womit DRAGON MANDOLE
wirklich von Anfang bis Ende als Herzenssache erweist, völlig
ohne wie auch immer geartete äußere Einflüsse.
Allein dafür gebührt Padrigh gehöriger Respekt.
Auf Esprits Du Soleil Levant schicken Padrigh
bzw. DRAGON MANDOLE den Hörer „through unknown
places of Asia, from North to South, and to the other secret
side“, im wahrsten Sinne durch Traumwelten und bescheren
ein außergewöhnliches Klangerlebnis. Zu jedem der
elf Lieder finden sich im Digipack sehr persönliche und
vielfältige Informationen. Mal werden eigene Träume
vertont, mal vergessene Sagen und manche Songs sind sogar Charakteren
aus Videospielen oder Animes gewidmet (bspw. aus dem PS2 Spiel
ICO und dem Anime „Die Königin der 1000 Jahre“).
So viel erstmal zur Aufmachung, zum Hintergrund und zur Idee
an sich.
Die musikalische Umsetzung dieses Konzepts in Worte zu fassen,
ist allerdings nicht wirklich einfach. Die mit den unterschiedlichsten
Instrumenten erschaffenen Sounds von DRAGON MANDOLE lassen
sich in den Grundzügen generell schon am besten als traditionell
asiatische Klanglandschaften beschreiben. Da ich mich allerdings
mit den Ursprüngen dieser Musik nicht wirklich auskenne,
muss ich an dieser Stelle einschieben, dass ich mir halt gut
vorstellen kann, dass trad. asiatische Musik zumindest in Teilen
so klingen könnte. In einer schwierig zu beschreibenden
Art und Weise meine ich auch die Einflechtung klassischen Tremolo
Gitarren basierten Black Metals herauszuhören – nur
dass in diesem Fall die elektrischen Gitarren durch traditionelle
Folkinstrumente ersetzt wurden. Das hört sich seltsam an?
Ist es auch, definitiv – klingt in der Umsetzung aber
großartig! In einigen Songs tauchen zusätzlich dazu
auch E-Gitarren auf, die aber eher in den Hintergrund gemischt
sind und im eher episch begleitenden Stil daherkommen. Irgendwie
erinnern DRAGON MANDOLE in diesen Momenten vage an eine
asiatische Version von Bathorys Epik a la Hammerheart. Ich sagte
ja – die Musik auf Esprits Du Soleil Levant
ist einfach schwierig zu kategorisieren. Nicht, dass ich falsch
verstanden werde – mit Metal hat dieses Album trotz dieser
Einsprengesel nicht wirklich etwas zu tun. Es ist einfach wunderbare
Musik, die sich manchen (wenigen) Stellen metallischer Stilelemente
bedient.
Als meine persönlichen Highlights würde ich das ruhige,
meditative und irgendwie bedrückende Memories Of Ico,
das mächtige (und den Traum einer endlosen Elefantenkarawane
perfekt untermalende) La Routes Des Xangs und das epische
Les Chevaux Dans Le Matin sowie den 20 minütigen
höchst intensiven Schlusstrack En Suivant la Rivière
nennen, doch ist Esprits Du Soleil Levant einfach
von vorne bis hinten brillant und im wahrsten Sinne des Wortes
traumhaft. Ich bin jetzt schon mehr als gespannt, was uns Padrigh/DRAGON
MANDOLE auf den folgenden Bard’s Tale
Alben, die sich laut Homepage mit anderen Kulturen (baltisch,
keltisch etc.) beschäftigen, kredenzen werden. Für
Esprits Du Soleil Levant zücke ich begeistert
die Höchstnote und begebe mich nach Fertigstellung dieser
Rezension erneut in Traumwelten. Fantastisch, einfach nur fantastisch!
Zusammen mit der anfangs erwähnten liebevollen, persönlichen
Aufmachung und dem wirklich lächerlichen Preis von zehn
Euro (inkl. weltweitem Versand!) nichts anderes als ein Meisterwerk
und ein Muss für Freunde ruhiger und nicht alltäglicher
Klänge.