DRAGONFORCE – Inhuman Rampage

 
Label: Noise Records/Sanctuary
Release: 13.01.2006
Von: Reverend
Punkte: 10/10
Time: 56:06
Stil: Extreme Power Metal
URL: Dragonforce
 
Die internationale Power Metal Institution DRAGONFORCE beschert uns mit ihrem nunmehr dritten Longplayer erneut ein infernalisches Feuerwerk hyperschneller Klänge. Stilistisch hat sich zu den Vorgängeralben Valley Of The Damned und Sonic Firestorm nicht viel verändert, noch immer liefern sich die beiden Ausnahmegitarristen Herman Li und Sam Totman Soloduelle, bei denen in Sachen Geschwindigkeit sogar Prog-Ikonen wie Steve Vai oder John Petrucci neidisch werden dürften. Man darf mit Fug und Recht behaupten, dass Herman Li der derzeit wohl schnellste Gitarrist der ganzen Szene ist. Im Vergleich zu den Anfängen der Band hat aber auch sein Kollege Sam stark aufgeholt und spielt so ziemlich alle anderen Power-Metal Gitarristen (Shit happens, Tolkki!) locker gegen die Wand. Es muss unglaublich motivierend sein, an der Seite eines Musikers wie Herman zu spielen. Ohne übertreiben zu wollen darf ich sagen, dass die gesamte Besetzung der Band, besonders auch Keyboarder Vadim, Sänger ZP Theart und Drummer Dave, auf Inhuman Rampage alles gegeben haben und ein anstrengendes, aber unheimlich positives, fröhliches und frisches Gesamtbild hinterlassen, so dass man das Album sicherlich nicht nur zum Staunen und Schwärmen, sondern auch zum Mitsingen gerne wieder einlegt. Die Texte und Gesangsmelodien sind allesamt nicht sonderlich kreativ und Fans von Bands wie Dream Theater fänden sie unter Umständen schon fast ein wenig billig, aber DRAGONFORCE wollten noch nie etwas anderes erreichen als mitsingtaugliche Hymnen zu komponieren, die durch instrumentelle Virtuosität glänzen und einfach gute Laune machen. Sänger ZP's Stimme ist wahrscheinlich nicht jedermanns Sache, da er doch ein wenig hoch und teilweise recht unsanft zu Werke geht, aber er macht seine Sache gut und man kann sich wirklich an ihn gewöhnen, da sein Stil einfach gut zur etwas provokanten Art der Musik passt. Wer also auf Gute-Laune-Metal steht und das Bedürfnis hat, aus musikalischer Sicht nur das Beste vom Besten an seine Ohren zu lassen, der sollte all die mäßig motivierten skandinavischen, deutschen und amerikanischen Power Metal Kapellen, die ihren Zenit längst überschritten haben (Ja, ich rede hier ausdrücklich nur von Helden vergangener Zeiten wie Stratovarius, Helloween, Blind Guardian, Iced Earth und Co., deren letzte Alben ausgebrannt und blutleer klangen - Edguy und Sonata Arctica nehme ich mal raus!) links liegen lassen und sich eine geballte Ladung DRAGONFORCE geben, er wird nicht enttäuscht werden. Die Band ist übrigens auch ein absoluter Geheimtipp für Freunde klassischer Computerspielmusik aus C64- oder Super-Nintendo Zeiten, denn nicht selten verirren sich mal kleine Ausschnitte aus alten Spielen in den Soli und lockern die Atmosphäre ungemein auf. Im Gegensatz zu den Vorgängeralben wirkt Inhuman Rampage teilweise fast schon progressiv, da die Band jetzt stärker mit abgedrehten Keyboardsounds und interessanten Stimmeffekten arbeitet. Insgesamt scheint man sich auch noch stärker als bisher dem asiatischen Markt anzunähern, da gerade Songs wie Operation Ground & Pound teilweise instrumental einem Anime-Soundtrack entsprungen sein könnten. Sicher ist es keine Musik, die man täglich hören kann – das liegt aber nicht an mangelnder Qualität, sondern vielmehr daran, dass man einfach in Sachen Geschwindigkeit nach einer Weile nicht mehr mitkommt und sich eine Pause gönnen muss.