Die
internationale Power Metal Institution DRAGONFORCE
beschert uns mit ihrem nunmehr dritten Longplayer erneut ein
infernalisches Feuerwerk hyperschneller Klänge. Stilistisch
hat sich zu den Vorgängeralben Valley Of The
Damned und Sonic Firestorm nicht
viel verändert, noch immer liefern sich die beiden Ausnahmegitarristen
Herman Li und Sam Totman Soloduelle, bei denen in Sachen Geschwindigkeit
sogar Prog-Ikonen wie Steve Vai oder John Petrucci neidisch
werden dürften. Man darf mit Fug und Recht behaupten, dass
Herman Li der derzeit wohl schnellste Gitarrist der ganzen Szene
ist. Im Vergleich zu den Anfängen der Band hat aber auch
sein Kollege Sam stark aufgeholt und spielt so ziemlich alle
anderen Power-Metal Gitarristen (Shit happens, Tolkki!) locker
gegen die Wand. Es muss unglaublich motivierend sein, an der
Seite eines Musikers wie Herman zu spielen. Ohne übertreiben
zu wollen darf ich sagen, dass die gesamte Besetzung der Band,
besonders auch Keyboarder Vadim, Sänger ZP Theart und Drummer
Dave, auf Inhuman Rampage alles gegeben
haben und ein anstrengendes, aber unheimlich positives, fröhliches
und frisches Gesamtbild hinterlassen, so dass man das Album
sicherlich nicht nur zum Staunen und Schwärmen, sondern
auch zum Mitsingen gerne wieder einlegt. Die Texte und Gesangsmelodien
sind allesamt nicht sonderlich kreativ und Fans von Bands wie
Dream Theater fänden sie unter Umständen schon fast
ein wenig billig, aber DRAGONFORCE wollten
noch nie etwas anderes erreichen als mitsingtaugliche Hymnen
zu komponieren, die durch instrumentelle Virtuosität glänzen
und einfach gute Laune machen. Sänger ZP's Stimme ist wahrscheinlich
nicht jedermanns Sache, da er doch ein wenig hoch und teilweise
recht unsanft zu Werke geht, aber er macht seine Sache gut und
man kann sich wirklich an ihn gewöhnen, da sein Stil einfach
gut zur etwas provokanten Art der Musik passt. Wer also auf
Gute-Laune-Metal steht und das Bedürfnis hat, aus musikalischer
Sicht nur das Beste vom Besten an seine Ohren zu lassen, der
sollte all die mäßig motivierten skandinavischen,
deutschen und amerikanischen Power Metal Kapellen, die ihren
Zenit längst überschritten haben (Ja, ich rede hier
ausdrücklich nur von Helden vergangener Zeiten wie Stratovarius,
Helloween, Blind Guardian, Iced Earth und Co., deren letzte
Alben ausgebrannt und blutleer klangen - Edguy und Sonata Arctica
nehme ich mal raus!) links liegen lassen und sich eine geballte
Ladung DRAGONFORCE geben, er wird nicht enttäuscht
werden. Die Band ist übrigens auch ein absoluter Geheimtipp
für Freunde klassischer Computerspielmusik aus C64- oder
Super-Nintendo Zeiten, denn nicht selten verirren sich mal kleine
Ausschnitte aus alten Spielen in den Soli und lockern die Atmosphäre
ungemein auf. Im Gegensatz zu den Vorgängeralben wirkt
Inhuman Rampage teilweise fast schon
progressiv, da die Band jetzt stärker mit abgedrehten Keyboardsounds
und interessanten Stimmeffekten arbeitet. Insgesamt scheint
man sich auch noch stärker als bisher dem asiatischen Markt
anzunähern, da gerade Songs wie Operation Ground &
Pound teilweise instrumental einem Anime-Soundtrack entsprungen
sein könnten. Sicher ist es keine Musik, die man täglich
hören kann – das liegt aber nicht an mangelnder Qualität,
sondern vielmehr daran, dass man einfach in Sachen Geschwindigkeit
nach einer Weile nicht mehr mitkommt und sich eine Pause gönnen
muss.