Eigentlich
ist es ja fast schon erstaunlich, dass heutzutage immer noch
Alben wie Turning Season Within von DRACONIAN
erscheinen. Wird das Thema Death/Gothic-Metal mit der Gesangsaufteilung
Grunz-Ork und Säusel-Elfe doch immer wieder gerne als mausetot
und völlig out verschrien. Auf der anderen Seite kann man
die Leute natürlich nicht davon abhalten, die Musik zu
machen, die ihnen selber gut gefällt. Und häufig (leider
nicht immer) wird dies auch von den Hörern honoriert, die
bei gelungenen Veröffentlichungen die Schubladen und Kategorisierungen
einfach ignorieren und sich stattdessen lieber an guter Musik
erfreuen.
Kein Wunder also, dass die Band ihr inzwischen viertes Album
veröffentlichen konnte und dabei einen durchgehend hohen
Qualitätslevel zu bieten hat. Schließlich merkt man
bei jedem Ton, wie viel Herzblut in den epischen Melodiekonstrukten
steckt, wie ansteckend die tragisch-melancholische Stimmung
zelebriert wird und mit wie viel Liebe zum Detail die einzelnen
Stücke komponiert wurden.
Tracks wie das größtenteils schmissige When I
Wake, das traurig-schöne Not Breathing oder
das eher minimalistisch gehaltene The Empty Stare mit
seinem 70ies-lastigen Mittelteil entpuppen sich daher bereits
nach wenigen Durchläufen als richtige Perlen, die mit hypnotischen
Klangteppichen den Hörer mitreißen und in die erzeugte
Atmosphäre eintauchen lassen, auch wenn Morphine Cloud
doch einen Tick zu viel nach MDB klingt. Einziger richtiger
Nachteil: etwas Neues bietet diese CD definitiv nicht. Wer sich
bisher für das Genre interessiert hat und/oder die Highlights
kennt bzw. bereits sein eigen nennt, der braucht Turning
Season Within streng genommen nicht.
Warum es dann trotzdem noch 8,5 Punkte gibt? Weil sich Sängerin
Lisa Johansson mit ihrer Leistung positiv von dem sonst üblicher
Weise Gebotenen abhebt. Weil Turning Season Within
mit zeitlos schönen Harmonien aufwarten kann. Weil die
CD in sich mit ihren romantisch-dunklen Momenten stimmig ist
und alles bestens zusammen passt, ohne in Kitsch zu verfallen.
Und weil DRACONIAN ein tolles Album ohne Ausfälle
gelungen ist. Punkt.