Ist
schon komisch: irgendwie gehe ich immer mit relativ hohen Erwartungen
an eine neue DIARY OF DREAMS heran, aber so richtig zünden
tut es dann in der Regel meist nicht mehr. Muss wohl historische
Gründe haben, denn in ihren ersten Jahren war die Band
um Adrian Hates durchweg ein Garant für sowohl stimmige
als auch anspruchsvolle Düsterkost. Nach einem Schwenk
zu deutlich tanzbareren Sounds und einer damit leider einhergehenden
gewissen Beliebigkeit konnte dann der vermehrte Einsatz von
Gitarren und Rock-Elementen als belebendes Element verbucht
werden. Inzwischen hat sich dieser Effekt aber auch abgenutzt,
und so boten die letzten Alben aus meiner Sicht trotz teilweise
starker Songs einfach zu wenig Überraschungsmomente.
Die kann das neue Album Ego:X zwar durchaus bieten,
allerdings weniger im musikalischen Bereich, sondern mehr beim
Drumherum. Diesmal hat man nämlich um die Songs eine Art
gesprochenen Rahmen gepackt. Und so findet sich dann also zwischen
den meisten Stücken eine Stimme (professionell agierend:
Martin Kessler, die deutsche Synchronstimme von z.B. Vin Diesel
oder Nicholas Cage) aus dem Off, die zu düster-wabernden
Sounds bedeutungsschwangere Halb-Weisheiten oder andere philosophische
Ansichten von sich gibt. Falls es dabei insgesamt einen roten
Faden gibt, ist er mir zumindest nicht aufgefallen... Überhaupt
erinnert mich das ganze Prinzip stark an die letzte Helrunar-Veröffentlichung
(um mal das zeitnaheste Beispiel zu nennen), nur dass die Umsetzung
dort um einiges stimmungsvoller ausfiel und in ein erkennbares
Gesamtkonzept passte.
Musikalisch fühle
ich mich hingegen etwas irritiert. Während man live richtig
zackig auftritt, dort sogar mal den Headbanger gibt und auch
ansonsten so rockig wie möglich agiert, wirkt das Ganze
auf CD seltsam zurückhaltend oder sogar gebremst. Vielfach
nehmen Piano-Passagen bzw. -Melodiebögen den Schwung
aus der Sache. Das mag in Hinsicht auf eine mögliche
Massenkompatibilität begründet sein, wirkt auf mich
aber eher so, also suche man (immer) noch die richtige Balance
zwischen Romantik und Rock'n'Roll. Oder, etwas derber gesagt,
so klingt es manchmal wie Richard Clayderman in Gothic (und
mit Gesang...). Dieser Eindruck wird auch anderweitig geschürt;
oder brauchte die Welt wirklich einen gemeinsamen Song mit
Amelia Brightman, also quasi der Kopie (genauer gesagt der
kleinen Schwester) des schon unsäglichen Originals?
Nun sind DIARY OF DREAMS aber allemal kompetent genug,
um zu zeigen, dass sie es auch anders können. Und so
finden sich mit Lebenslang oder Echo In Me einfach
gute Songs auf der CD, an denen es für sich genommen
nichts auszusetzen gibt. Allerdings werden auf Ego:X
zu oft die gleichen Trademarks wie auf den letzten Alben durchgekaut,
in diesem Kontext und vor dem Hintergrund doch massiv vermisster
Abwechslung betrachtet verliert dann auch ein an sich gutes
Stück. Vor allem, wenn die gleichen Elemente beständig
immer wieder und wieder durchgekaut werden. Beat und Rhythmus,
die verwendeten Melodiebögen, Arrangements und Sounds:
ständig fühlt man sich an bereits veröffentlichte
Songs erinnert, bis es einem irgendwann zuviel des Gleichklangs
und der Monotonie wird. Da sind sie folglich wieder, die fehlenden
Überraschungsmomente...
Ego:X
ist daher trotz sicherlich viel investierter Arbeit und Mühe
ein Album geworden, welches den momentanen Zustand der Band
unbeabsichtigt gut dokumentiert: zu viel Stillstand, zu wenig
Innovation und letztendlich auch zu viel Krampf. Natürlich
ist die Qualität immer noch hoch genug, als das man von
einem schlechten Album sprechen könnte, ich gehe aber
sehr wahrscheinlich zu Recht davon aus, dass gehobener Durchschnitt
nicht den Ambitionen von DIARY OF DREAMS entsprechen
dürfte... knapp 7 Punkte.
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