DIARY OF DREAMS – Ego:X (Extended Edition)

 
Label: Accession Records
Release: 26.08.2011
Von: Psycho
Punkte: 7/10
Time: 69:57 + 17:48
Stil: Electro Rock/Future Pop
URL: Diary Of Dreams
 
Ist schon komisch: irgendwie gehe ich immer mit relativ hohen Erwartungen an eine neue DIARY OF DREAMS heran, aber so richtig zünden tut es dann in der Regel meist nicht mehr. Muss wohl historische Gründe haben, denn in ihren ersten Jahren war die Band um Adrian Hates durchweg ein Garant für sowohl stimmige als auch anspruchsvolle Düsterkost. Nach einem Schwenk zu deutlich tanzbareren Sounds und einer damit leider einhergehenden gewissen Beliebigkeit konnte dann der vermehrte Einsatz von Gitarren und Rock-Elementen als belebendes Element verbucht werden. Inzwischen hat sich dieser Effekt aber auch abgenutzt, und so boten die letzten Alben aus meiner Sicht trotz teilweise starker Songs einfach zu wenig Überraschungsmomente.
Die kann das neue Album Ego:X zwar durchaus bieten, allerdings weniger im musikalischen Bereich, sondern mehr beim Drumherum. Diesmal hat man nämlich um die Songs eine Art gesprochenen Rahmen gepackt. Und so findet sich dann also zwischen den meisten Stücken eine Stimme (professionell agierend: Martin Kessler, die deutsche Synchronstimme von z.B. Vin Diesel oder Nicholas Cage) aus dem Off, die zu düster-wabernden Sounds bedeutungsschwangere Halb-Weisheiten oder andere philosophische Ansichten von sich gibt. Falls es dabei insgesamt einen roten Faden gibt, ist er mir zumindest nicht aufgefallen... Überhaupt erinnert mich das ganze Prinzip stark an die letzte Helrunar-Veröffentlichung (um mal das zeitnaheste Beispiel zu nennen), nur dass die Umsetzung dort um einiges stimmungsvoller ausfiel und in ein erkennbares Gesamtkonzept passte.

Musikalisch fühle ich mich hingegen etwas irritiert. Während man live richtig zackig auftritt, dort sogar mal den Headbanger gibt und auch ansonsten so rockig wie möglich agiert, wirkt das Ganze auf CD seltsam zurückhaltend oder sogar gebremst. Vielfach nehmen Piano-Passagen bzw. -Melodiebögen den Schwung aus der Sache. Das mag in Hinsicht auf eine mögliche Massenkompatibilität begründet sein, wirkt auf mich aber eher so, also suche man (immer) noch die richtige Balance zwischen Romantik und Rock'n'Roll. Oder, etwas derber gesagt, so klingt es manchmal wie Richard Clayderman in Gothic (und mit Gesang...). Dieser Eindruck wird auch anderweitig geschürt; oder brauchte die Welt wirklich einen gemeinsamen Song mit Amelia Brightman, also quasi der Kopie (genauer gesagt der kleinen Schwester) des schon unsäglichen Originals?
Nun sind DIARY OF DREAMS aber allemal kompetent genug, um zu zeigen, dass sie es auch anders können. Und so finden sich mit Lebenslang oder Echo In Me einfach gute Songs auf der CD, an denen es für sich genommen nichts auszusetzen gibt. Allerdings werden auf Ego:X zu oft die gleichen Trademarks wie auf den letzten Alben durchgekaut, in diesem Kontext und vor dem Hintergrund doch massiv vermisster Abwechslung betrachtet verliert dann auch ein an sich gutes Stück. Vor allem, wenn die gleichen Elemente beständig immer wieder und wieder durchgekaut werden. Beat und Rhythmus, die verwendeten Melodiebögen, Arrangements und Sounds: ständig fühlt man sich an bereits veröffentlichte Songs erinnert, bis es einem irgendwann zuviel des Gleichklangs und der Monotonie wird. Da sind sie folglich wieder, die fehlenden Überraschungsmomente...

Ego:X ist daher trotz sicherlich viel investierter Arbeit und Mühe ein Album geworden, welches den momentanen Zustand der Band unbeabsichtigt gut dokumentiert: zu viel Stillstand, zu wenig Innovation und letztendlich auch zu viel Krampf. Natürlich ist die Qualität immer noch hoch genug, als das man von einem schlechten Album sprechen könnte, ich gehe aber sehr wahrscheinlich zu Recht davon aus, dass gehobener Durchschnitt nicht den Ambitionen von DIARY OF DREAMS entsprechen dürfte... knapp 7 Punkte.