DISSENTER - Apocalypse Of The Damned

Label: Cold Blood Industries

Release: 08.05.2002

Von: Psycho

Punkte: 7,5

Aaarrrgghh, mit ihrem zweiten Album (bis Mitte der 90er firmierte man noch unter dem Namen Bloodlust) haben DISSENTER wirklich ein ultraschweres, -fettes und -brutales Stück Todesblei abgeliefert. Apocalypse Of The Damned läßt einem absolut keine Minute zum Luft holen; die vielen verschiedenen Riffs, Tempiwechsel und Songstrukturen, gepaart mit der aus den tiefsten Abgründen hervorgurgelnden Stimme ergeben in ihrer Summe ein definitiv genickbrechende Kombination. Dabei ist das Gebotene gar nicht mal so superoriginell. Als erster und hauptsächlicher Vergleich fällt mir spontan Morbid Angel ein, allerdings eine sehr viel rohere und härtere Version der Jungs aus Florida. Ob das am rauheren polnischen Klima liegt?

Jedenfalls geben DISSENTER fast permanent mächtig Vollgas, und genau da liegt auch das einzige Manko dieser Scheibe. Denn trotz aller Abwechslung vermisse ich doch ein oder zwei Songs, die mal etwas anderes strukturiert oder von mir aus auch langsamer sind, um den Ablauf im Ganzen etwas variabler zu gestalten. Aus diesem Grund ist es auch recht schwer, wirkliche Highlights zu ermitteln, weil Apocalypse Of The Damned zuweilen wie im Rausch am Hörer vorbei eilt und es zumindest mir nicht leicht machte, von Anfang bis Ende konzentriert bei der Sache zu bleiben.

Erwähnenswert ist auf jeden Fall der Opener Runic Hymn, der mit verschachtelten Breaks, wilden Blastausbrüchen, schrägem Psycho-Riffing und einem gehörigen Aggressionspotential aufwarten kann. Bereits hier fällt auf: die Produktion ist trotz aller Rauhheit sehr differenziert ausgefallen. Man hört wirklich jeden Fitzel heraus, und der Druck nagelt einen förmlich an die Wand. Die Leads sind dabei durchweg völlig losgelöst und schweben in ihrer ganz eigenen, gepitchten "Melodik". Und dann kann man jetzt schon sagen, daß die drei Jungs mit der Live-Umsetzung ihrer Songs einige Probleme haben werden. Nicht aufgrund mangelnder technischer Fähigkeiten (die sind nämlich durchweg topp; hört euch nur mal den Drummer an!), sondern wegen des sehr häufigen Einsatzes von doppelläufigen Gitarrenriffs. Da könnte schlicht der zweite Axtman fehlen ...
Diese Charakteristika ziehen sich dann wie ein roter Faden durch die weiteren Tracks. So z.B. beim insgesamt wohl schnellsten Stück Masters Of Holy Justice, obwohl man da mit gutem Gewissen auch The Beginning oder Buried nennen könnte. Am besten hat mir aber Dead Author gefallen, das klingt nämlich wirklich total verdreht und krank!

Fazit: Wer eher auf "normalen" oder etwas melodiöseren Death Metal steht, sollte vor dem Kauf besser erst rein hören, aber wem es nicht derb und abgefahren genug sein kann, der hat hier eine Scheibe gefunden, die ihm gehörig die Ohren durchzuspülen vermag...

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