DISSECTION – Reinkaos

 
Label: Black Horizon Music
Release: 30.04.2006
Von: Gunnar
Punkte: 6/10
Time: 43:06
Stil: Melodic Death Metal
URL: Dissection
 
So, jetzt ist es also bittere Gewissheit: Die Musik von DISSECTION hat nichts mehr mit den beiden einzigartigen Meisterwerken der 90er Jahre zu tun. Spätestens seit Maha Kali von Konzerten und/oder Single her bekannt ist, war ja allen klar, dass es mit der Band in eine andere Richtung geht als man es als Fan der alten Alben gern gehabt hätte. Aber irgendwie war doch immer noch ein Funken Hoffnung da, dass das Stück vielleicht nicht repräsentativ für das komplette Album sein könnte oder zumindest stellenweise die alten Tage durchklingen würden. Diese Hoffnung kann man jetzt begraben. Reinkaos entpuppt sich als Ansammlung von erschreckend unspektakulären Riffs, die zum allergrößten Teil in ziemlich gemächlichem Tempo vorgetragen werden und von vielen sehr melodischen Leads (die aber ebenfalls alles andere als bemerkenswert sind) untermalt werden. Rein instrumental pendelt man irgendwo zwischen melodischem Death Metal, moderner Stakkatoriff-Hackerei und Elementen aus dem traditionellen Metal. Man freut sich schon, wenn es einmal etwas heftiger zu Werke geht wie in Xeper-I-Set, aber diese Momente sind leider eher selten. Jon Nödtveidts Stimme ist das einzige, was immer wieder die Leidenschaft der alten Tage versprüht ihm hört man gleich bei Beyond Horizon die Begeisterung an. Offensichtlich steht der Mann also immerhin voll hinter dem, was er tut. Eine Erkenntnis, die man angesichts von weinerlichen Leadmelodien wie in Starless Aeon aber lieber verdrängt. Da kann man textlich noch so sehr diversen dunklen, antikosmischen Gottheiten huldigen, in der Musik kommt leider keinerlei Bösartigkeit zum Ausdruck. Das Titelstück, ein Instrumental, baut zu Beginn Spannung auf, dann ertönt sogar einige Sekunden lang eine Melodie, die an die großen Zeiten erinnert – und dann? Dann geht’s leider um die Kurve und der erhoffte reißende Strom entpuppt sich als schmales Bacherl, das immer dünner wird und schließlich versandet. Wenn eine an sich alles andere als sensationelle, aber gut gelungene Schwedentod-Nummer wie Infernal Fire bereits zu den Höhepunkten auf Reinkaos gehört und man es außerdem positiv vermerken muss, dass Maha Kali druckvoller klingt als man es von der - selbstverständlich nicht erworbenen - Single in Erinnerung hat, dann kann einem bei der Erinnerung an Nights’s Blood, Thorns Of Crimson Death, The Somberlain oder Unhallowed echt das Heulen kommen. Irgendwo im Hinterstübchen hab ich noch Hoffnung, dass Reinkaos bei DISSECTION das ist, was das katastrophale Projector-Album bei Dark Tranquillity war und dass Nödtveidt & Co. sich wie ihre Landsmänner danach wenigstens zum Teil wieder einfangen. Vorläufig bleibt allerdings unter dem Strich ein Album, das man objektiv (d.h. nach dem Kriterium der hörbaren musikalischen und kompositorischen Fähigkeiten der Verursacher) unter „überdurchschnittlich bis gut“ einreihen kann, das aber, angesichts dessen, was diese Band einmal musikalisch geleistet hat, eher als kreative Bankrotterklärung gewertet werden muss.