Eine
durchaus interessante Veröffentlichung zum Jahresanfang
beschert uns das kleine Label Bright Light Records. Zwei Musiker
der mittlerweile verblichenen Gotenformation Westwerk haben
sich zusätzliche Verstärkung ins Boot geholt und frönen
unter dem Namen DIODATI Elementen der klassischen
Musik.
Souls Lament ist nach einer vertonten
Lesung die zweite Veröffentlichung dieses Projekts. Stellt
eine Lesung zu vertonen schon einen recht unkonventionellen
Ansatz dar, so bestreitet auch vorliegende Scheibe ähnlich
außergewöhnliche Wege. Neun so genannte Bilder nebst
Pro- und Epilog spinnen eine deutsch- und englischsprachig umgesetzte
Geschichte mit verschiedenen Akteuren in drei Akten, die größtenteils
von einem Piano, das stellenweise durch weitere akustische Instrumente
ergänzt wird, musikalisch in Szene gesetzt wird.
Als „Mitwirkende im Geiste“ benennen DIODATI
klassische Komponisten sowie Literaten aus verschiedenen Epochen
wie Bach, Schubert, Goethe oder Benn. Dennoch ergibt sich kein
chaotisches Sammelsurium an Zitierten musikalischen oder textlichen
Fragmenten oben genannter Künstler sondern Souls
Lament verbindet die Einflüsse zu einem harmonischen
Ganzen mit gelegentlichen Ausflügen des Pianos in experimentellere
Gefilde. Am deutlichsten kommt die Verbindung unterschiedlicher
Elemente bei Season Of Live zum Tragen: Reitgerteneinsatz
einer Domina bei ihrem Sklaven untermalt eine Intonation von
Ave Maria. Allerdings hätten meiner Meinung nach solch
auflockernde Elemente häufiger eingebaut werden können.
Musikalische Vergleiche zu anderen Bands der Szene lassen sich
kaum ziehen, am ehesten kommen mir insbesondere bei den experimentelleren
Parts Assoziationen mit dem Akustikalbum von Deine Lakeien oder
akustischen Frühwerken von Das Ich in den Sinn, wobei Souls
Lament kaum einem Strophe-Refrain-Schema folgt.
Alles in allem ist DIODATI mit Souls
Lament eine ansprechende und zwischen jeglichen
Schubladen stehende Veröffentlichung gelungen, die sich
durch ihren melancholischen Unterton vorzüglich als musikalische
Untermalung für kalte und dunkle Wintertage eignet und
somit gut zu einem Glas trockenen Rotwein munden sollte. Das
sparsam instrumentierte Klangbild könnte allerdings auf
Albumlänge etwas variantenreicher sein.