DIODATI – Souls Lament

 
Label: Bright Light Records
Release: 06.02.2006
Von: Daniel
Punkte: 7.5/10
Time: 49:41
Stil: Neoklassik
URL: Diodati
 
Eine durchaus interessante Veröffentlichung zum Jahresanfang beschert uns das kleine Label Bright Light Records. Zwei Musiker der mittlerweile verblichenen Gotenformation Westwerk haben sich zusätzliche Verstärkung ins Boot geholt und frönen unter dem Namen DIODATI Elementen der klassischen Musik.
Souls Lament ist nach einer vertonten Lesung die zweite Veröffentlichung dieses Projekts. Stellt eine Lesung zu vertonen schon einen recht unkonventionellen Ansatz dar, so bestreitet auch vorliegende Scheibe ähnlich außergewöhnliche Wege. Neun so genannte Bilder nebst Pro- und Epilog spinnen eine deutsch- und englischsprachig umgesetzte Geschichte mit verschiedenen Akteuren in drei Akten, die größtenteils von einem Piano, das stellenweise durch weitere akustische Instrumente ergänzt wird, musikalisch in Szene gesetzt wird.
Als „Mitwirkende im Geiste“ benennen DIODATI klassische Komponisten sowie Literaten aus verschiedenen Epochen wie Bach, Schubert, Goethe oder Benn. Dennoch ergibt sich kein chaotisches Sammelsurium an Zitierten musikalischen oder textlichen Fragmenten oben genannter Künstler sondern Souls Lament verbindet die Einflüsse zu einem harmonischen Ganzen mit gelegentlichen Ausflügen des Pianos in experimentellere Gefilde. Am deutlichsten kommt die Verbindung unterschiedlicher Elemente bei Season Of Live zum Tragen: Reitgerteneinsatz einer Domina bei ihrem Sklaven untermalt eine Intonation von Ave Maria. Allerdings hätten meiner Meinung nach solch auflockernde Elemente häufiger eingebaut werden können.
Musikalische Vergleiche zu anderen Bands der Szene lassen sich kaum ziehen, am ehesten kommen mir insbesondere bei den experimentelleren Parts Assoziationen mit dem Akustikalbum von Deine Lakeien oder akustischen Frühwerken von Das Ich in den Sinn, wobei Souls Lament kaum einem Strophe-Refrain-Schema folgt.
Alles in allem ist DIODATI mit Souls Lament eine ansprechende und zwischen jeglichen Schubladen stehende Veröffentlichung gelungen, die sich durch ihren melancholischen Unterton vorzüglich als musikalische Untermalung für kalte und dunkle Wintertage eignet und somit gut zu einem Glas trockenen Rotwein munden sollte. Das sparsam instrumentierte Klangbild könnte allerdings auf Albumlänge etwas variantenreicher sein.