DIMMU BORGIR – In Sorte Diaboli

 
Label: Nuclear Blast
Release: 27.04.2007
Von: Psycho
Punkte: 8/10
Time: 53:11
Stil: Black Metal
URL: Dimmu Borgir
 
Der norwegische Export-Schlager in Sachen BM hat auf seinem neuen Album In Sorte Diaboli überraschender Weise doch einige kleinere Mängel eingebaut.

Da wäre zunächst mal die Musik zu nennen. Klar bekommt ihr all das geboten, was man von DIMMU BORGIR erwarten kann. Aber leider auch nicht mehr. Innovationen oder irgendetwas Neues sucht man bei den 9 Tracks der regulären Version vergebens, stattdessen ackert man das bewährte Terrain vor allem der letzten Scheibe Death Cult Armageddon noch mal durch. Kein Wunder also, dass die erste Single The Serpentine Offering stark an die letzte erste Single Progenies Of The Great Apocalypse erinnert. Und diese Deja Vu-Effekte kommen durchaus häufiger vor.
Nun, wenn es denn schon so sein muss, dann vermisse ich aber so arschcoole Tracks wie Eradiction Instincts Defined oder Unorthodox Manifesto. Stücke also, die aus dem Rest-Material herausragen und so für immer wieder neue Durchläufe verantwortlich sind. Auch hat es diesmal leider nicht zu einem Orchester gereicht, so dass man auf Kollege Computer zurückgreifen musste. Na ja, bei den heutigen technischen Möglichkeiten merken das viele Hörer vielleicht schon gar nicht mehr, und möglicher Weise war es sogar Absicht, den (symphonischen) Bombast-Anteil etwas zurückzufahren.

Was ich hingegen überhaupt nicht verstehe ist, was sich die Band bei der Veröffentlichungspolitik der Bonus-Tracks gedacht hat. Mit den regulären Stücken hat In Sorte Diaboli eine verhältnismäßig kurze Spielzeit von gerade mal 40 Minuten. In der Ltd. Ed. gibt es ein Stück mehr, ein weiteres dann in der Ltd. Book-Edition, die es dann auf angemessene 53 Minuten bringt. Als wäre das nicht schon merkwürdig genug, entpuppen sich die beiden Songs auch noch genau als das, was dem Album in der regulären Version essentiell fehlt. Mangelt es nämlich ansonsten doch etwas beim Thema Abwechslung, so wird hier genau dieses so rare Gut geliefert. Während die übrigen Stücke mehr oder wenige gewohnte DIMMU BORGIR-Standards bieten, klingt The Ancestral Fever wie ein abgewandelter Bastard aus Satyricons Volcano-Phase, während The Heretic Hammer einige der besten Riffs des ganzen Albums enthält und nebenbei auch noch für das in vielen Reviews schmerzlich vermisste Tempo sorgt. Bei den ersten Durchläufen waren es dann bei mir konsequenter Weise vor allem diese beiden Stücke, die mich besonders aufhorchen ließen. Ob das wirklich der Sinn von Bonus-Tracks ist?
Von den übrigen Tracks wissen vor allem The Sacrilegious Scorn, The Fundamental Alienation und The Conspiracy Unfolds zu gefallen, die sich zwar durchaus im üblichen Rahmen bewegen, aber nichtsdestotrotz tolle Refrains und stimmige Arrangements aufweisen. Und die drei Einsätze von TCS Vortex als cleaner Sänger sind jedes Mal ein absolutes Highlight.

Damit kommen wir dann auch zu der Erklärung, warum es trotz der bisherigen Kritik noch 8 Punkte für das Album gibt. Denn eines ist klar: das Niveau ist trotz aller genannten Schwächen hoch, und es gibt keinen Ausfall zu verzeichnen, was man heutzutage nur noch sehr selten findet. Weiterhin kann man nur bewerten, was man auch vorliegen hat, und da ich mir eben in einem Anfall von geistiger Umnachtung die sündhaft teure Book-Edition geleistet habe, kommt In Sorte Diaboli bei mir halt nicht so schlecht weg wie bei vielen meiner Kollegen. Wobei sicherlich noch ein Bonus in der B-Wertung für die absolut geile Aufmachung dieser Version (edler Ledereinband, dickes und gekonnt auf alt getrimmtes Papier, tolle Grafiken und eben das gewisse Flair) zum Tragen kommt...
Übrigens entpuppt sich dann auch der im Vorfeld heftig kritisierte Spiegel als durchaus sinnvoll, dient er doch nicht der Gesichtspflege, sondern wird vielmehr benötigt, um die in Leonardo da Vinci-Manier verfassten Texte zu lesen. Auf der Rückseite gibt es noch mal eine stilvolle Abwandlung des Albumcovers, so dass man sich das Ding so herum auch gut ins Regal stellen kann.
Die Bonus-DVD enthält neben dem guten Video zu The Serpentine Offering noch jeweils ein recht informatives Making Of zum Album bzw. Clip sowie eine, wie in den meisten dieser Fälle, überflüssige Bildergalerie. Zu den enthaltenen Multimedia-Parts kann ich nichts sagen, da ich diese nicht auf meinen Rechner installiert habe.

Zum Abschluss sei aber nicht verhehlt, dass ich der regulären Version mit 9 Stücken wegen der o.g. Gründe normaler Weise mindestens einen Punkt abgezogen hätte. Was für eine Band mit den Möglichkeiten, wie sie DIMMU BORGIR zur Verfügung stehen, eigentlich viel zu wenig ist. Ob's daran liegt, dass man sich diesmal an einem Konzeptalbum (mittelalterlicher Priester fällt vom Glauben ab und entdeckt die dunkle Seite der Macht für sich *lol*) versucht hat und dabei die Musik im Rahmen der Vorarbeiten etwas zu kurz gekommen ist? Schwer zu sagen, allerdings hat die Band sicherlich das Problem, dass die Ansprüche in der Regel immens hoch sind, wobei aber nach vier Jahren Wartezeit auf ein reguläres Album sicherlich auch automatisch eine gewisse Erwartungshaltung entsteht. Im Prinzip also eigentlich ein gutes Album, aber ich denke, da wäre doch (noch) mehr drin gewesen.