Da wäre zunächst
mal die Musik zu nennen. Klar bekommt ihr all das geboten,
was man von DIMMU BORGIR erwarten kann. Aber
leider auch nicht mehr. Innovationen oder irgendetwas Neues
sucht man bei den 9 Tracks der regulären Version vergebens,
stattdessen ackert man das bewährte Terrain vor allem
der letzten Scheibe Death Cult Armageddon
noch mal durch. Kein Wunder also, dass die erste Single The
Serpentine Offering stark an die letzte erste Single
Progenies Of The Great Apocalypse erinnert. Und diese
Deja Vu-Effekte kommen durchaus häufiger vor.
Nun, wenn es denn schon so sein muss, dann vermisse ich aber
so arschcoole Tracks wie Eradiction Instincts Defined
oder Unorthodox Manifesto. Stücke also, die
aus dem Rest-Material herausragen und so für immer wieder
neue Durchläufe verantwortlich sind. Auch hat es diesmal
leider nicht zu einem Orchester gereicht, so dass man auf
Kollege Computer zurückgreifen musste. Na ja, bei den
heutigen technischen Möglichkeiten merken das viele Hörer
vielleicht schon gar nicht mehr, und möglicher Weise
war es sogar Absicht, den (symphonischen) Bombast-Anteil etwas
zurückzufahren.
Was ich hingegen
überhaupt nicht verstehe ist, was sich die Band bei der
Veröffentlichungspolitik der Bonus-Tracks gedacht hat.
Mit den regulären Stücken hat In Sorte
Diaboli eine verhältnismäßig
kurze Spielzeit von gerade mal 40 Minuten. In der Ltd. Ed.
gibt es ein Stück mehr, ein weiteres dann in der Ltd.
Book-Edition, die es dann auf angemessene 53 Minuten bringt.
Als wäre das nicht schon merkwürdig genug, entpuppen
sich die beiden Songs auch noch genau als das, was dem Album
in der regulären Version essentiell fehlt. Mangelt es
nämlich ansonsten doch etwas beim Thema Abwechslung,
so wird hier genau dieses so rare Gut geliefert. Während
die übrigen Stücke mehr oder wenige gewohnte DIMMU
BORGIR-Standards bieten, klingt The Ancestral
Fever wie ein abgewandelter Bastard aus Satyricons Volcano-Phase,
während The Heretic Hammer einige der besten
Riffs des ganzen Albums enthält und nebenbei auch noch
für das in vielen Reviews schmerzlich vermisste Tempo
sorgt. Bei den ersten Durchläufen waren es dann bei mir
konsequenter Weise vor allem diese beiden Stücke, die
mich besonders aufhorchen ließen. Ob das wirklich der
Sinn von Bonus-Tracks ist?
Von den übrigen Tracks wissen vor allem The Sacrilegious
Scorn, The Fundamental Alienation und The
Conspiracy Unfolds zu gefallen, die sich zwar durchaus
im üblichen Rahmen bewegen, aber nichtsdestotrotz tolle
Refrains und stimmige Arrangements aufweisen. Und die drei
Einsätze von TCS Vortex als cleaner Sänger sind
jedes Mal ein absolutes Highlight.
Damit kommen wir
dann auch zu der Erklärung, warum es trotz der bisherigen
Kritik noch 8 Punkte für das Album gibt. Denn eines ist
klar: das Niveau ist trotz aller genannten Schwächen
hoch, und es gibt keinen Ausfall zu verzeichnen, was man heutzutage
nur noch sehr selten findet. Weiterhin kann man nur bewerten,
was man auch vorliegen hat, und da ich mir eben in einem Anfall
von geistiger Umnachtung die sündhaft teure Book-Edition
geleistet habe, kommt In Sorte Diaboli
bei mir halt nicht so schlecht weg wie bei vielen meiner Kollegen.
Wobei sicherlich noch ein Bonus in der B-Wertung für
die absolut geile Aufmachung dieser Version (edler Ledereinband,
dickes und gekonnt auf alt getrimmtes Papier, tolle Grafiken
und eben das gewisse Flair) zum Tragen kommt...
Übrigens entpuppt sich dann auch der im Vorfeld heftig
kritisierte Spiegel als durchaus sinnvoll, dient er doch nicht
der Gesichtspflege, sondern wird vielmehr benötigt, um
die in Leonardo da Vinci-Manier verfassten Texte zu lesen.
Auf der Rückseite gibt es noch mal eine stilvolle Abwandlung
des Albumcovers, so dass man sich das Ding so herum auch gut
ins Regal stellen kann.
Die Bonus-DVD enthält neben dem guten Video zu The
Serpentine Offering noch jeweils ein recht informatives
Making Of zum Album bzw. Clip sowie eine, wie in den meisten
dieser Fälle, überflüssige Bildergalerie. Zu
den enthaltenen Multimedia-Parts kann ich nichts sagen, da
ich diese nicht auf meinen Rechner installiert habe.
Zum Abschluss sei
aber nicht verhehlt, dass ich der regulären Version mit
9 Stücken wegen der o.g. Gründe normaler Weise mindestens
einen Punkt abgezogen hätte. Was für eine Band mit
den Möglichkeiten, wie sie DIMMU BORGIR
zur Verfügung stehen, eigentlich viel zu wenig ist. Ob's
daran liegt, dass man sich diesmal an einem Konzeptalbum (mittelalterlicher
Priester fällt vom Glauben ab und entdeckt die dunkle
Seite der Macht für sich *lol*) versucht hat und dabei
die Musik im Rahmen der Vorarbeiten etwas zu kurz gekommen
ist? Schwer zu sagen, allerdings hat die Band sicherlich das
Problem, dass die Ansprüche in der Regel immens hoch
sind, wobei aber nach vier Jahren Wartezeit auf ein reguläres
Album sicherlich auch automatisch eine gewisse Erwartungshaltung
entsteht. Im Prinzip also eigentlich ein gutes Album, aber
ich denke, da wäre doch (noch) mehr drin gewesen.