DIMMU BORGIR – Abrahadabra

 
Label: Nuclear Blast
Release: 24.09.2010
Von: Psycho
Punkte: 8.5/10
Time: 48:57
Stil: Symphonic Black Metal
URL: Dimmu Borgir
 
Ohne den anscheinend inzwischen üblichen gigantomanischen Werbeaufwand geht es bei DIMMU BORGIR wohl nicht mehr, und so wurde auch die neueste Veröffentlichung Abrahadabra mal wieder so ausführlich überall angekündigt, plakatiert und promotet, dass man sich das Album beinahe schon nur deswegen kaufen wollte, um endlich seine Ruhe zu haben… ;-)
Zur Musik gab es im Vorfeld jedoch nur wenig zu lesen, obwohl diese doch eigentlich das wichtigste sein sollte. Klar war sicherlich nur, dass uns erneut kein klassisches BM-Album erwarten würde, diese Zeiten sind einfach schon lange vorbei, und dafür hat sich die Band schon seit Jahren zu weit in andere Richtungen entwickelt. Ehrlich gesagt verstehe ich die ganze Diskussion darüber, ob DB nun noch BM sind, auch gar nicht. Wem Songs und Sound nicht "true" genug sind, der soll sich doch einfach was anderes anhören; Auswahl dazu ist weltweit ja wohl reichlich vorhanden.
Jedenfalls war der schon eher verfügbare Clip zu Gateways zur vorherigen Einschätzung/Spekulation wenig hilfreich, schließlich hat sich schon of gezeigt, wie wenig charakteristisch diese Vorab-Veröffentlichungen für ein ganzes Album sein können. Zumal mich das Stück, nicht zuletzt wegen des Gastgesangs von Agnete Kjølsrud, im Refrain immer an Dismal Euphony erinnert. Ein Effekt, der kaum beabsichtigt sein dürfte…

Nun, nach ein paar Mal hören und dem Versuch einer neutralen Betrachtung muss ich sagen, dass Abrahadabra für mich eine der besseren Veröffentlichungen der Norweger darstellt und ungefähr auf einer Stufe mit Death Cult Armageddon anzusiedeln ist. Das liegt nicht nur an der erneuten Verwendung eines klassischen Orchesters sowie Chores bei den Aufnahmen, sondern auch am musikalischen Grundtenor, bei dem letztendlich wieder mehr Wert auf das Generieren weitläufigen Klanglandschaften und weniger auf, im eigentlich Sinne, knackige Songs gelegt wurde.
Folglich muss man sich aber erst ein wenig in das Album reinhören. Dann entdeckt man jedoch vor allem im hinteren Teil einige echte Perlen, insbesondere das alles überragende The Demiurge Molecule mit den absolut gelungenen Bläser-Passagen im Mittelteil; Atmosphäre pur! Oder aber den letzten Song der regulären Ausgabe, Endings And Continuations, den man fast schon als progressiv bezeichnen könnte. Gelungen auch der Versuch, endlich (?) mal eine Bandhymne zu komponieren; Dimmu Borgir klingt dabei zum Glück so gar nicht nach Old School (das hätte man den Jungs nach all den Jahren auch nicht mehr abgenommen), sondern überraschender Weise eher nach Pagan/Viking Metal.
Gut gefallen mir zudem das abwechslungsreiche Chess With The Abyss und das beinahe schon eingängige Born Treacherous. Beim schnellsten Song Ritualist werde ich leider mit dem Refrain nicht so recht warm, und A Jewel Traced Through Coal erinnert mich teilweise doch arg an Cradle Of Filth.

Den ganze Hickhack um Snowy Shaw hingegen kann man im Nachhinein getrost als überflüssig bezeichnen, seine wenigen erkennbaren musikalischen Einsätze sind zwar ok, aber lange nicht so prägend wie die von seinem Vorgänger ICS Vortex. Und anscheinend hat er es ja nicht lange bei der Band ausgehalten.
Trotzdem lässt sich festhalten, dass DIMMU BORGIR nach dem eher schwachen In Sorte Diaboli und dem Ausstieg von Mustis überraschend gut die Kurve gekriegt haben. Alleine deswegen stellt Abrahadabra schon eine positive Überraschung dar. Selbst die nicht ganz so starken Songs sind, im Vergleich zu anderen Bands, immer noch oberer Durchschnitt, das Gesamtniveau also entsprechend hoch. Totalausfälle gibt es hingegen keine, und zumindest hat man es sich diesmal gespart, die besten Songs nur im Rahmen irgendeiner überteuerten Ltd. Edition zu veröffentlichen. Insofern neige ich bei der Wertung zu (knappen) 9 Punkten.
Allerdings hat man bei den Goodies nur einen Unsinn durch einen anderen ersetzt: wenn ich es recht gesehen habe, gibt es diesmal nämlich insgesamt 4 Bonus-Tracks (zwei reine Orchester-Versionen von Album-Songs und zwei Cover-Versionen), diese allerdings dann auch verteilt auf 4 verschiedene Ausgaben von Abrahadabra. Als Fan kann man sich daher zu Recht über so eine Band- bzw. Label-Politik aufregen, denn wer kauft sich schon viermal das gleiche Album? Insofern ziehe ich einfach noch mal was ab und komme somit auf 8,5 Punkte. Wobei für die meisten Musikinteressierten die einfache Version sicherlich völlig ausreicht…