Ohne
den anscheinend inzwischen üblichen gigantomanischen Werbeaufwand
geht es bei DIMMU BORGIR wohl nicht mehr, und so wurde
auch die neueste Veröffentlichung Abrahadabra
mal wieder so ausführlich überall angekündigt,
plakatiert und promotet, dass man sich das Album beinahe schon
nur deswegen kaufen wollte, um endlich seine Ruhe zu haben…
;-)
Zur Musik gab es im Vorfeld jedoch nur wenig zu lesen, obwohl
diese doch eigentlich das wichtigste sein sollte. Klar war sicherlich
nur, dass uns erneut kein klassisches BM-Album erwarten würde,
diese Zeiten sind einfach schon lange vorbei, und dafür
hat sich die Band schon seit Jahren zu weit in andere Richtungen
entwickelt. Ehrlich gesagt verstehe ich die ganze Diskussion
darüber, ob DB nun noch BM sind, auch gar nicht.
Wem Songs und Sound nicht "true" genug sind, der soll
sich doch einfach was anderes anhören; Auswahl dazu ist
weltweit ja wohl reichlich vorhanden.
Jedenfalls war der schon eher verfügbare Clip zu Gateways
zur vorherigen Einschätzung/Spekulation wenig hilfreich,
schließlich hat sich schon of gezeigt, wie wenig charakteristisch
diese Vorab-Veröffentlichungen für ein ganzes Album
sein können. Zumal mich das Stück, nicht zuletzt wegen
des Gastgesangs von Agnete Kjølsrud, im Refrain immer
an Dismal Euphony erinnert. Ein Effekt, der kaum beabsichtigt
sein dürfte…
Nun, nach ein paar
Mal hören und dem Versuch einer neutralen Betrachtung
muss ich sagen, dass Abrahadabra für mich
eine der besseren Veröffentlichungen der Norweger darstellt
und ungefähr auf einer Stufe mit Death Cult Armageddon
anzusiedeln ist. Das liegt nicht nur an der erneuten Verwendung
eines klassischen Orchesters sowie Chores bei den Aufnahmen,
sondern auch am musikalischen Grundtenor, bei dem letztendlich
wieder mehr Wert auf das Generieren weitläufigen Klanglandschaften
und weniger auf, im eigentlich Sinne, knackige Songs gelegt
wurde.
Folglich muss man sich aber erst ein wenig in das Album reinhören.
Dann entdeckt man jedoch vor allem im hinteren Teil einige
echte Perlen, insbesondere das alles überragende The
Demiurge Molecule mit den absolut gelungenen Bläser-Passagen
im Mittelteil; Atmosphäre pur! Oder aber den letzten
Song der regulären Ausgabe, Endings And Continuations,
den man fast schon als progressiv bezeichnen könnte.
Gelungen auch der Versuch, endlich (?) mal eine Bandhymne
zu komponieren; Dimmu Borgir klingt dabei zum Glück
so gar nicht nach Old School (das hätte man den Jungs
nach all den Jahren auch nicht mehr abgenommen), sondern überraschender
Weise eher nach Pagan/Viking Metal.
Gut gefallen mir zudem das abwechslungsreiche Chess With
The Abyss und das beinahe schon eingängige Born
Treacherous. Beim schnellsten Song Ritualist werde
ich leider mit dem Refrain nicht so recht warm, und A Jewel
Traced Through Coal erinnert mich teilweise doch arg an
Cradle Of Filth.
Den ganze Hickhack
um Snowy Shaw hingegen kann man im Nachhinein getrost als
überflüssig bezeichnen, seine wenigen erkennbaren
musikalischen Einsätze sind zwar ok, aber lange nicht
so prägend wie die von seinem Vorgänger ICS Vortex.
Und anscheinend hat er es ja nicht lange bei der Band ausgehalten.
Trotzdem lässt sich festhalten, dass DIMMU BORGIR
nach dem eher schwachen In Sorte Diaboli und
dem Ausstieg von Mustis überraschend gut die Kurve gekriegt
haben. Alleine deswegen stellt Abrahadabra schon
eine positive Überraschung dar. Selbst die nicht ganz
so starken Songs sind, im Vergleich zu anderen Bands, immer
noch oberer Durchschnitt, das Gesamtniveau also entsprechend
hoch. Totalausfälle gibt es hingegen keine, und zumindest
hat man es sich diesmal gespart, die besten Songs nur im Rahmen
irgendeiner überteuerten Ltd. Edition zu veröffentlichen.
Insofern neige ich bei der Wertung zu (knappen) 9 Punkten.
Allerdings hat man bei den Goodies nur einen Unsinn durch
einen anderen ersetzt: wenn ich es recht gesehen habe, gibt
es diesmal nämlich insgesamt 4 Bonus-Tracks (zwei reine
Orchester-Versionen von Album-Songs und zwei Cover-Versionen),
diese allerdings dann auch verteilt auf 4 verschiedene Ausgaben
von Abrahadabra. Als Fan kann man sich daher
zu Recht über so eine Band- bzw. Label-Politik aufregen,
denn wer kauft sich schon viermal das gleiche Album? Insofern
ziehe ich einfach noch mal was ab und komme somit auf 8,5
Punkte. Wobei für die meisten Musikinteressierten die
einfache Version sicherlich völlig ausreicht…
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