DE/VISION – Noob

 
Label: Drakkar
Release: 24.08.2007
Von: Joking
Punkte: 6/10
Time: 50:02
Stil: Electronic Pop
URL: De/Vision
 
Im Progressive Rock gibt es eine Nische – knapp neben der mit den reinen Cover-Bands -, in die sich manche Musiker teils sehr bewusst aufhalten, um die Musik zu spielen, die ihnen am Besten gefällt. Außerdem zeichnet sie sich dadurch aus, das Originalität kaum gewünscht ist, und die großen Vorbilder bis hin zur Stimmführung jederzeit erkennbar sind. Leicht abfällig werden solche Gruppen Klon-Bands genannt. Ist es im progressiven Bereich noch nachvollziehbar, da die Idole zumindest in angestrebter Form nicht mehr existieren (Genesis, Marillion), lange keine neuen Alben mehr auf den Markt gebracht haben (Pink Floyd), oder sich von ihren Anfängen teilweise extrem entfernt haben (ebenfalls Genesis, Marillion), so wird es zwiespältig, wenn Kopien auftreten, deren Vorlagen noch aktiv sind. So sieht es bei DE/VISION aus, die mit progressivem Rock nichts am Hut haben, deren Spielwiese der Keyboard- und Synthiepark ist, auf dem vollelektronischer Pop mit marginalen Rockanklängen geboten wird; unerreichtes und unüberhörbares Vorbild sind hier natürlich Depeche Mode. Die ihrerseits Veränderungen und Neuerungen gegenüber aufgeschlossen sind – was Ähnlichkeiten mit Progbands aufweist, die sich andererseits aber nicht komplett von ihren Anfängen verabschiedet haben - was sie wiederum unterscheidet.
Und so ist die spannendste Frage bei einer DE/VISION Veröffentlichung meist, inwieweit sie sich aus den großen Fußstapfen Depeche Modes gelöst haben. Um es kurz zu machen: Noob (wie der Pressetext erklärt, unter Computerspielern das Kürzel für Newbie, aber auch „abfällig einen erfahrenen Spieler, der Anfängerfehler macht“ kennzeichnet. Kennzeichnend für’s Album?) steckt mittendrin und fühlt sich offenkundig wohl dabei. Genauer gesagt in der Mittachtziger Phase, so um Black Celebration und Music For The Masses herum. Und dort fast ausschließlich bei den langsameren, melancholischen Stücken. Das plätschert gefällig vor sich hin, ist professionell zubereitet, wenig spektakulär und völlig unaufgeregt - The Germans would call it Gemütlichkeit. Die großen Melodien fehlen, es gibt aber auch wenig Ärgerliches, außer man wirft dem Album die komplett fehlende Originalität vor, und dass jedes Lied dem Hörer bekannt vorkommt. Was ja irgendwie Hand In Hand geht. Wenn man sich aber darauf einlässt, den Spruch „besser gut geklaut, als schlecht erfunden“ auf den Lippen und die Anfangstage Depeche Modes in seliger Erinnerung unterm Herzen trägt, dann ist Noob ein akzeptabler Begleiter für eine lauwarme Fahrt über den Deich.