Im
Progressive Rock gibt es eine Nische – knapp neben der
mit den reinen Cover-Bands -, in die sich manche Musiker teils
sehr bewusst aufhalten, um die Musik zu spielen, die ihnen am
Besten gefällt. Außerdem zeichnet sie sich dadurch
aus, das Originalität kaum gewünscht ist, und die
großen Vorbilder bis hin zur Stimmführung jederzeit
erkennbar sind. Leicht abfällig werden solche Gruppen Klon-Bands
genannt. Ist es im progressiven Bereich noch nachvollziehbar,
da die Idole zumindest in angestrebter Form nicht mehr existieren
(Genesis, Marillion), lange keine neuen Alben mehr auf den Markt
gebracht haben (Pink Floyd), oder sich von ihren Anfängen
teilweise extrem entfernt haben (ebenfalls Genesis, Marillion),
so wird es zwiespältig, wenn Kopien auftreten, deren Vorlagen
noch aktiv sind. So sieht es bei DE/VISION
aus, die mit progressivem Rock nichts am Hut haben, deren Spielwiese
der Keyboard- und Synthiepark ist, auf dem vollelektronischer
Pop mit marginalen Rockanklängen geboten wird; unerreichtes
und unüberhörbares Vorbild sind hier natürlich
Depeche Mode. Die ihrerseits Veränderungen und Neuerungen
gegenüber aufgeschlossen sind – was Ähnlichkeiten
mit Progbands aufweist, die sich andererseits aber nicht komplett
von ihren Anfängen verabschiedet haben - was sie wiederum
unterscheidet.
Und so ist die spannendste Frage bei einer DE/VISION
Veröffentlichung meist, inwieweit sie sich aus
den großen Fußstapfen Depeche Modes gelöst
haben. Um es kurz zu machen: Noob
(wie der Pressetext erklärt, unter Computerspielern das
Kürzel für Newbie, aber auch „abfällig
einen erfahrenen Spieler, der Anfängerfehler macht“
kennzeichnet. Kennzeichnend für’s Album?) steckt
mittendrin und fühlt sich offenkundig wohl dabei. Genauer
gesagt in der Mittachtziger Phase, so um Black Celebration und
Music For The Masses herum. Und dort fast ausschließlich
bei den langsameren, melancholischen Stücken. Das plätschert
gefällig vor sich hin, ist professionell zubereitet, wenig
spektakulär und völlig unaufgeregt - The Germans would
call it Gemütlichkeit. Die großen Melodien fehlen,
es gibt aber auch wenig Ärgerliches, außer man wirft
dem Album die komplett fehlende Originalität vor, und dass
jedes Lied dem Hörer bekannt vorkommt. Was ja irgendwie
Hand In Hand geht. Wenn man sich aber darauf einlässt,
den Spruch „besser gut geklaut, als schlecht erfunden“
auf den Lippen und die Anfangstage Depeche Modes in seliger
Erinnerung unterm Herzen trägt, dann ist Noob
ein akzeptabler Begleiter für eine lauwarme Fahrt über
den Deich.