DEVIN TOWNSEND – Terria

 
Label: InsideOut Music
Release: 22.08.2001
Von: Psycho
Punkte: 9.5/10
Time: 72:01
Stil: Metal
URL: Devin Townsend
 
Einmal mehr Abwechslung pur wird auf dieser CD von dem kanadischen Multitalent DEVIN TOWNSEND zelebriert. Doch im Gegensatz zu den etwas missglückten letzten beiden Scheibletten The Physicist und Infinite gelingt es ihm mit Terria wieder, an alte Geniestreiche wie dem Ocean Machine Album oder den Strapping Young Lad-Veröffentlichungen anzuknüpfen.
Mit einer von viel Spiel- und Komponierlaune getragener Leichtigkeit, gepaart mit der gewohnten, fast schon unheimlichen technischen Brillanz (und unterstützt von Drumgott Gene Hoglan), werden hier nämlich absolute Killerriffs und echte Hammertracks nur so aus dem Ärmel geschüttelt. Dabei wechseln harte Passagen und aggressive Growls mit ruhigen, akustischen Abschnitten und sehr harmonischem Gesang. Alle möglichen Schattierungen dazwischen werden ebenfalls abgedeckt, manchmal sogar ohne, dass man es wirklich merkt. Bei diesem Album verpasst der Hörer etwas, wenn er für einen Moment nicht zuhört!
So gibt es keine festgelegten Strukturen im Songaufbau, die Refrains und Strophen klingen auch nicht immer gleich, und es ist unmöglich vorherzusagen, wann das nächste Break kommt und in welche Richtung es das Stück tragen wird. Das hört sich vielleicht zunächst etwas wirr an, doch passt das alles ganz prima zusammen, denn durch die ganze CD zieht sich eine erhabene, beinahe schon feierliche Stimmung; man hat gleichzeitig das Gefühl, in einer riesigen Kathedrale und auf den Gipfeln schroffer Berge zu stehen. Ein Eindruck, der durch den sehr weit gefächerten, wahrlich bombastischen Sound noch unterstützt wird...
Und dass sich das aufmerksame Zuhören auch definitiv lohnt, beweisen Stücke wie z.B. Earth Day, Canada, Nobody's Here oder Tiny Tears, in denen sich DEVIN TOWNSEND sowohl gesanglich als auch an der Gitarre nach allen Regeln der Kunst austobt und ein Highlight nach dem anderen abliefert, wobei stets songdienlich vorgegangen wird. Erstaunlich auch, dass es trotz der vielen Variationen und überlangen Stücke noch so viele Ohrwürmer zu finden gibt...
Bei aller berechtigten Begeisterung hat Terria allerdings doch zwei Nachteile aufzuweisen: zum einen folgt nach dem Intro mit dem eigentlichen ersten Stück Mountain der sperrigste Song des gesamten Albums, was zumindest mir anfänglich etwas den Zugang erschwert hat. Zum anderen gibt es für diese Musik einfach keine richtige Zielgruppe. Denn es ist nicht Power, Thrash oder Death Metal, auch kein Rock, Alternative oder sonst irgendwas, sondern einfach nur verdammt gute Musik mit viel Atmosphäre jenseits der bekannten und gängigen Konventionen! Musik des 21. Jahrhunderts, wenn man so will. Rufen tun ja immer alle danach, aber sie es dann auch hören wollen?