Einmal
mehr Abwechslung pur wird auf dieser CD von dem kanadischen
Multitalent DEVIN TOWNSEND zelebriert. Doch
im Gegensatz zu den etwas missglückten letzten beiden Scheibletten
The Physicist und Infinite
gelingt es ihm mit Terria wieder,
an alte Geniestreiche wie dem Ocean Machine
Album oder den Strapping Young Lad-Veröffentlichungen anzuknüpfen.
Mit einer von viel Spiel- und Komponierlaune getragener Leichtigkeit,
gepaart mit der gewohnten, fast schon unheimlichen technischen
Brillanz (und unterstützt von Drumgott Gene Hoglan), werden
hier nämlich absolute Killerriffs und echte Hammertracks
nur so aus dem Ärmel geschüttelt. Dabei wechseln harte
Passagen und aggressive Growls mit ruhigen, akustischen Abschnitten
und sehr harmonischem Gesang. Alle möglichen Schattierungen
dazwischen werden ebenfalls abgedeckt, manchmal sogar ohne,
dass man es wirklich merkt. Bei diesem Album verpasst der Hörer
etwas, wenn er für einen Moment nicht zuhört!
So gibt es keine festgelegten Strukturen im Songaufbau, die
Refrains und Strophen klingen auch nicht immer gleich, und es
ist unmöglich vorherzusagen, wann das nächste Break
kommt und in welche Richtung es das Stück tragen wird.
Das hört sich vielleicht zunächst etwas wirr an, doch
passt das alles ganz prima zusammen, denn durch die ganze CD
zieht sich eine erhabene, beinahe schon feierliche Stimmung;
man hat gleichzeitig das Gefühl, in einer riesigen Kathedrale
und auf den Gipfeln schroffer Berge zu stehen. Ein Eindruck,
der durch den sehr weit gefächerten, wahrlich bombastischen
Sound noch unterstützt wird...
Und dass sich das aufmerksame Zuhören auch definitiv lohnt,
beweisen Stücke wie z.B. Earth Day, Canada,
Nobody's Here oder Tiny Tears, in denen sich
DEVIN TOWNSEND sowohl gesanglich als auch an
der Gitarre nach allen Regeln der Kunst austobt und ein Highlight
nach dem anderen abliefert, wobei stets songdienlich vorgegangen
wird. Erstaunlich auch, dass es trotz der vielen Variationen
und überlangen Stücke noch so viele Ohrwürmer
zu finden gibt...
Bei aller berechtigten Begeisterung hat Terria
allerdings doch zwei Nachteile aufzuweisen: zum einen folgt
nach dem Intro mit dem eigentlichen ersten Stück Mountain
der sperrigste Song des gesamten Albums, was zumindest mir anfänglich
etwas den Zugang erschwert hat. Zum anderen gibt es für
diese Musik einfach keine richtige Zielgruppe. Denn es ist nicht
Power, Thrash oder Death Metal, auch kein Rock, Alternative
oder sonst irgendwas, sondern einfach nur verdammt gute Musik
mit viel Atmosphäre jenseits der bekannten und gängigen
Konventionen! Musik des 21. Jahrhunderts, wenn man so will.
Rufen tun ja immer alle danach, aber sie es dann auch hören
wollen?