Mag ja sein,
dass Dieter Bornschlegel, der Kopf hinter DEIN SCHATTEN,
ein hervorragender Gitarrist und international renomierter Musiker
ist. Leider aber zeigt er uns auf dieser CD nichts davon, und
mit seiner Sach- und Stilkenntnis im schwarzen Musikbereich
scheint es auch nicht so weit her zu sein, wenn ich Das
ewige Eis als Referenz heranziehen soll.
Mit einer musikalisch kruden Mischung aus etwas Electro, Versatzstücken
der 80er Jahre NDW und eingestreuten Rock/Fusion/Jazz-Charakteristika
(wovon ich wiederum keine Ahnung habe...) ist da nämlich
nicht viel zu holen. Dazu kommt noch der penetrante Nicht-Gesang
mit teilweise geradezu unsäglichen Texten und eine fast
schon peinlich zu nennende kompositorische Leistung, die sich
im Allgemeinen im Zitieren bereits tausend Mal gehörter
Riffs und Melodien erschöpft. Lediglich das erste Stück
Woanders sein (als Clubmix) klingt noch halbwegs brauchbar,
danach geht es jedoch rasant und steil bergab. Stücke wie
Schuld und Sühne, Free oder Respekt
sind einfach schlicht und ergreifend nur lächerlich. Dachte
ich bisher auch immer, Herbergsvater Joachim Witt wäre
in den letzten Jahren zum ungekrönten Meister des belanglosen
Bombasts mutiert, so muss er sich gegenüber BornZero (so
das echt szenige Pseudonym von „Uns Dieter“) nun
mit dem zweiten Podiumsplatz begnügen.
Das ewige Eis klingt folglich so,
wie sich jemand eine Gothic-CD vorstellen würde, der von
dieser Art Musik keine Ahnung hat. Beinahe unglaublich, dass
DEIN SCHATTEN angeblich international gerne
in diversen Discotheken aufgelegt werden soll, aber vermutlich
handelt es sich dabei um irgendwelche Schicki-Micki-Läden,
in denen ein bisschen Gruft gerade total angesagt ist. Immerhin
haben die Hörer dort einen großen Vorteil: die verstehen
kein Wort von den Texten...
Ich finde es hingegen einfach nur fürchterlich, wenn auch
manchmal fast schon wieder unfreiwillig komisch, wie z.B. in
Das Tier, welches meine Freundin spontan an einen Beitrag
des legendären Graf Zahl erinnerte. Der ist in der Tat
(und zu Recht!) Kult, aber vielleicht ist diese CD ja auch nur
eine geschickt inszenierte Parodie? Nun, da die Hoffnung ja
bekanntlich zuletzt stirbt, vergebe ich aufgrund dieser Aussicht
mal noch einen halben Punkt als Bonus...