DEATH OF FOLK - Neverending At His Neverending Journey
Demo
Release: 2002
Von: Calani
 

Das ist diesmal ein Album, welches es mir wirklich schwer macht, es zu reviewen. Nicht weil Neverending At His Neverending Journey unsagbar schlecht wäre, oder im Umkehrschluss mich komplett aus den Socken haut. Nein, es ist vielmehr, das dieses Album völlig durchschnittlich ist, mit altbekannten und bewährten Zutaten, die man schon 1000 mal gehört hat, aber dennoch - zumindest für mich - eine solche subjektive Faszination ausübt, so dass ich hin und her gerissen bin.
DEATH OF FOLK ist eine kroatische Band, welche erst 2001 von Mainman Lanzarot als Soloprojekt gegründet wurde. Nachdem aus verschiedenen Bands Musiker in dieses Projekt übergingen, wurde aus bereits vorhandenem Material und sprühender Kreativität Neverending At His Neverending Journey zusammengestellt und aufgenommen. Das vorliegende Demo ist somit der allererste Output von DEATH OF FOLK.
Musikalisch bewegt man sich grundlegend in Gothic Metal Gefilden, lässt aber sowohl folkloristische Elemente wie auch eine Prise Death und Black Metal einfließen. Dazu kommt noch die typisch weibliche Gesangsunterstützung und fertig ist das übliche Gebräu.
Los geht es mit dem zweiteiligen Opener Eastern Frost, welches strukturell bereits ziemlich zerfahren klingt. Beim ersten Teil (dem Intro?) erklingt tief aus dem Off Geigenmusik, wie man sie auf einem mittelalterlichen Volksfest vermuten würde. Nach einem kurzen Break geht es dann an den eigentlichen Track, der aber auch nur ein Instrumental ist. Hier allerdings kann man beiden Gitarren doch recht deutlich auf bekanntes Maiden Material verweisen. Nachfolger He Came From Foreign Land wartet danach mit vertrauten (woher kenn ich das?) aber dennoch wunderschönen, melancholischen Gitarrenleads auf ( vielleicht Amorphis von der Tales From Thousand Lakes?). Es gibt tiefen Grunzegesang und den dazu passenden weiblichen Hochgesang. Helenas Stimme ist recht angenehm, bleibt aber dennoch ziemlich oft hinter den dominanten Gitarren zurück. Bei Riverdrowning Of Perun geht man dann etwas deathiger und heftiger zu Werke und lässt beim Gesang ein paar Effekte einfließen, die gefallen. Diese beiden Songs kann man durchaus als Schnittmenge des gesamten Albums betrachten. Hin und wieder gibt es neben dem Grunzegesang auch blackmetal-typisches Gekreische. Diverse Instrumentierungen wie Flöten und Geigen klingen immer wieder durch und verleihen Neverending At His Neverending Journey einen folkloristischen Touch. Allerdings klingen diese eher normal, wäre typisch kroatische Folklore nicht reizvoller gewesen?
Helenas Gesang kommt mir das eine oder andere Mal vertraut vor, ebenso manche Riffs (z.B. pur Paradise Lost bei ... Then It Will Own My Life).

Was haben wir nun unter dem Strich? Neverending At His Neverending Journey ist für ein erstes Lebenszeichen von DEATH OF FOLK gut und kraftvoll produziert. Das die Drums von Mr. PC kommen, ist mir erst aufgefallen, als ich davon las. Pluspunkt! Andererseits weist dieses Demo die typischen Fehler und Mängel auf: holprige, teils unnachvollziehbare Songstrukturen, zu viele Gitarrensolos, welche die Tracks etwas überladen und unnötig in die Länge ziehen. Der Gesang kommt nicht richtig raus, wurde untergemischt. Minuspunkt!
Dem entgegen stehen wiederum wirklich talentierte Musiker mit viel Sinn für Romantik und Melancholie. Insbesondere die Gitarren sagen mir unheimlich zu. Da ist zwar nix kompliziertes dran, dafür sind sie sehr emotionsgeladen und effektiv ;) Pluspunkt!
Insgesamt ist der Stil altbekannt und bewährt. Da ist nichts Neues oder Innovatives. DEATH OF FOLK fehlt es noch an einem eigenen Stil und eigener Identität. Minuspunkt!

Damit steht es 2:2 unentschieden ... *grummel* Aber im Zweifelsfall stimm ich für unsere Protagonisten. Da ist jede Menge Potential vorhanden, also Jungs und Mädels, macht was draus!!! Das hier ist erst das allererste Demo, da kann sich noch viel tun ... in welche Richtung, wird die Zukunft zeigen.

Ach ja, der gecoverte Hiddentrack The Sleeping Beauty (Tiamat), ist zwar nicht der Schlechteste, allerdings wurde der Song mehr oder weniger nur nachgespielt und nicht irgendwie interpretiert. Das ist Zeitverschwendung; außerdem geht Helenas Stimme hier mächtig auf die Nerven.

Death Of Folk